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Dr. Hartmut Beucker

AfD 18.12.2024 Sitzungen 18/84

Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Damen, geehrte Herren! Nachdem die Koordinationsstelle für Provenienzforschung in NRW Ende dieses Jahres ihre Pilotphase beendet, ist durchaus verständlich, dass in einem Antrag die Frage nach dem weiteren Schicksal der Stelle aufgeworfen wird. Dass dies erst so spät geschieht, ist merkwürdig. Aber die beiden Kollegen vor mir haben bereits auf das Nötige dazu hingewiesen. Sei‘s drum! Die AfD ist jedenfalls der Ansicht, die Stelle verdient weiterhin Unterstützung. Die Provenienzforschung in öffentlichen kulturellen Einrichtungen gewann 1998 mit der Washingtoner Erklärung an Bedeutung. Auch Deutschland hat sich darin verpflichtet, Kunstwerke, die während der Zeit des Nationalsozialismus beschlagnahmt wurden, in seinen Beständen ausfindig zu machen, deren rechtmäßige Eigentümer zu ermitteln und eine gerechte und faire Lösung anzustreben. Mit der Verpflichtung, diese ungeklärten Provenienzen aufzudecken, wurde die Erforschung der Geschichte und Herkunft eines Kunstwerks zum arbeitsintensiven zentralen Forschungsfeld von Museumsarbeit. Alle Kunstwerke, die vor 1945 entstanden sind und nach 1933 angekauft oder übernommen wurden, können theoretisch aus Raubkunstbeständen stammen. Die Provenienzforschung wird neben einem 2022 geschaffenen Institut an der Uni Bonn seit 1999 an den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, am Wallraf-Richartz-Museum in Köln, an der Hamburger Kunsthalle, an den Dresdner Staatlichen Kunstsammlungen, der Staatsgalerie Stuttgart und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin professionell betrieben. So viel zur Einordnung der nordrheinwestfälischen Stelle. In diesen Museen und Einrichtungen werden Stellen mit Kunsthistorikern besetzt, die sich ausschließlich der Erforschung der Herkunft der Bestände widmen. Ziel der Forschung ist die Klärung der Herkunft von Kulturgütern. Lebensgeschichten der früheren Eigentümer, Informationen zum Kunsthandel sind zum Beispiel auch Gegenstand der Forschung. Wenn eindeutig belegt ist, dass Kulturgüter dem Eigentümer unter Zwang entzogen wurden, wird ihm oder den Erben/Rechtsnachfolgern die Rückgabe angeboten. Die aktuelle Provenienzforschung in Deutschland setzt vier Schwerpunkte. Erstens: Kulturgüter, die in der NS-Zeit enteignet oder geraubt wurden. Zweitens: Kulturgüter, die in der sowjetisch besetzten Zone unter Zwang entzogen wurden. 18.12.2024 Drittens: Kulturgüter aus der Zeit der Kolonialherrschaft in Übersee. Viertens: Kultobjekte oder menschliche Überreste, sogenannte sensible Objekte, deren Herkunft und öffentliche Ausstellung problematisch sind. Es ist der NRW-Koordinationsstelle bei der Klärung offener Fälle gute Expertise und manchmal auch einfach Glück zu wünschen. Gleiches gilt für die Arbeit der Lost Art-Datenbank der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg, die sich besonders jüdischen Eigentümern entzogenen Kulturgütern widmet. Den Weg von Kunstwerken, Artefakten und Sammlungsobjekten nachzuvollziehen, ist spannend. Geraubte Werke ihren rechtmäßigen Besitzern bzw. Erben zurückzugeben, ist friedensstiftend. Es darf davon ausgegangen werden, dass weitere Entdeckungen gemacht werden, weitere Eigentümer ermittelt werden, weitere Kulturgüter wieder dorthin gebracht werden können, wo sie hingehören, und damit wenigstens ein kleiner Teil des Unrechts der Vergangenheit behoben werden kann. Die Einrichtung solcher Stellen ist kein Grund, sich zu rühmen. Das ist selbstverständliches Bekenntnis zu historischer Verantwortlichkeit. Sowohl die ehemals kommunistischen Staaten als auch ihre Nachfolger sind allerdings diesbezüglich eher zurückhaltend. So hat Russland 1998 Beutekunst aus Deutschland zu russischem Staatsbesitz erklärt. Durch die Abläufe vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg dürfte sich allerdings auch Geraubtes unter Erbeutetem befinden. Es wäre wünschenswert, legten alle Staaten die Sensibilität in Bezug auf die Ermittlung von Zugehörigkeiten und möglichen Rückgaben an den Tag, so wie es Deutschland und NRW zu tun begonnen haben. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

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