landtag.nrw.de ↗

Rainer Schmeltzer

03.12.2024 Sitzungen 18/80

Danke sehr, Herr Abgeordneter Dr. Vincentz. – Für die Landesregierung spricht jetzt Ministerin Paul. Josefine Paul*), Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration: Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Lebens-Landtag welten junger Menschen verändern sich. Junge Menschen unterscheiden schon längst nicht mehr zwischen einem digitalen und einem analogen Alltag. Für sie und vielleicht auch für einige von uns gibt es längst nur eine Lebenswelt. Angebote der Sozialen Arbeit holen Menschen dort ab, wo sie sind. Das bedeutet, dass sich auch Konzepte sozialpädagogischer Angebote kontinuierlich weiterentwickeln und weiterentwickeln müssen. Deshalb wird der Ansatz „Digital Streetwork“ fachlich und praktisch immer mehr diskutiert; es gibt immer mehr Projekte dazu. Die Förderung von Medienkompetenz ist längst fester und strategischer Bestandteil des Kinder- und Jugendförderplans. Für die Digitalisierung der Kinderund Jugendhilfe und der Jugendmedienarbeit stehen mehr als 4,2 Millionen Euro jährlich bereit. Aus diesen Mitteln wurden und werden zahlreiche Programme und Initiativen verwirklicht. Die Jugendsozialarbeit entwickelt sich weiter. Auch das zentrale Förderinstrument des Landes, der Kinder- und Jugendförderplan, unterstützt diese Ansätze. Hier seien neben dem Thema „Digital Streetwork“ beispielhaft die wichtigen Angebote der Fachstelle für Jugendmedienkultur genannt. Auch die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur oder die LAG Lokale Medienarbeit tragen erfolgreich dazu bei, Angebote der Jugendarbeit in Präsenz und online miteinander zu verknüpfen. Die unterschiedlichen Angebote der Jugendsozialarbeit – auch der aufsuchenden Sozialarbeit – gehen längst über die niedrigschwellige Erreichbarkeit in den Stadtteilen hinaus. Es geht einerseits um die niedrigschwellige Erreichbarkeit in den Stadtteilen – darum wird es immer gehen –, andererseits aber auch um Ansätze, die niedrigschwellig online, also in sozialen Netzwerken etc., erreichbar sind. Die Weiterentwicklung von Onlineberatungen ist wichtig, ebenso die digitale Ansprache auf den unterschiedlichen Plattformen. Einige Beispiele sind hier in der Debatte richtigerweise schon genannt worden. Streetwork lebt von gut vernetzten Personen, die im Stadtviertel anzutreffen sind, die ein offenes Ohr und Problemlösungskompetenzen haben. Sie bauen vor Ort Kontakte zu Personen auf, die einrichtungsgebundene Angebote möglicherweise meiden oder dafür schwer erreichbar sind. Dieser Ansatz gilt weiterhin offline, er gilt aber auch online. Trotzdem will ich betonen, dass der Ansatz von Ansprechpersonen vor Ort immer eine besondere Bedeutung haben wird. Ansätze, die Streetwork auch in den digitalen Raum weiterentwickeln, werden gerade im Bereich der Prävention in Nordrhein-Westfalen weiter gestärkt. Im Rahmen des Maßnahmenpakets zu Sicherheit, Migration 03.12.2024 und Prävention in Nordrhein-Westfalen beabsichtigen wir, die Peer-to-Peer-Beratung und -Begleitung zu stärken und auch online anzubieten. Digital Streetwork Keepers können so im digitalen Raum die Zielgruppe mit Angeboten und Aufklärung über Falschinformationen, also Fake News, Hate Speech etc., direkt erreichen. Wir haben richtigerweise anhand von unterschiedlichsten Anträgen bereits über die Gefahren von Hass und Hetze, von Stalking, von anderen Formen, beispielsweise auch geschlechtsspezifischer Gewalt, im digitalen Raum debattiert. Wir haben an vielen Stellen gemeinsam festgestellt, dass es dafür jeweils die Weiterentwicklung von Ansätzen und vielleicht auch spezifische Ansätze braucht. Im Antrag wird aufgegriffen, was zu Recht mittlerweile breit diskutiert wird. Über Projekte wie die heute erwähnten gehen wir aber schon genau in diese Richtung. Diese Ansätze werden sich natürlich weiterentwickeln. Es ist wichtig, dass wir weiterhin über die Projekte debattieren und damit in den Blick nehmen, welche Projekte vor Ort bereits unterschiedliche Möglichkeiten der Ansprache fortentwickelt haben. Ich freue mich darüber, dass wir diese wichtige Diskussion auch weiterhin miteinander führen werden, und zwar in dem Sinne, dass wir junge Menschen dort abholen müssen, wo sie sind. Die Lebenswelt junger Menschen ist mittlerweile sowohl analog als auch im digitalen Raum. Vor diesem Hintergrund braucht es jeweils eine spezielle Ansprache. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)

Alle Reden von Rainer Schmeltzer Protokoll ↗