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Lena Teschlade

SPD 03.12.2024 Sitzungen 18/80

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wissen Sie, wie viele Stunden Sie im Durchschnitt täglich online sind? Ich habe gestern einmal nachgeschaut: Bei mir sind es im Schnitt 1,5 Stunden. Ich nutze die sozialen Medien auch beruflich. Schauen wir uns einmal an, wie lange junge Menschen jeden Tag auf den sozialen Medien sind: Diese kommen auf vier Stunden. Plattformen wie Instagram, TikTok oder Twitch sind für viele junge Menschen nicht nur Treffpunkte, sondern Orte der Sozialisation, der Identitätsbildung und leider auch von Konflikten und Gefahren. Eine Landtag kürzlich veröffentlichte Studie zu Cybermobbing zeigt eines ganz deutlich: (Unruhe – Glocke) Rund jede fünfte Schülerin bzw. jeder fünfte Schüler hat bereits Erfahrungen mit Cybermobbing gemacht. Plattformen, die für den Austausch und für die Vernetzung gedacht sind, werden auch zu Orten der Ausgrenzung und zu Orten von Verletzungen. Besonders alarmierend ist in diesem Zusammenhang die Anonymität im Netz, die Hemmschwellen sinken lässt und dazu führt, dass viele Betroffene sich keine Hilfe suchen. Dies hat schwerwiegende Folgen für die psychische und körperliche Gesundheit. Soziale Arbeit, die analog agiert, erreicht diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen oft nicht mehr. Deshalb haben wir als SPD-Landtagsfraktion diesen Antrag eingereicht. Darin geht es um das Konzept der Digital Streetwork. Dieses setzt genau an den Punkten an, die ich gerade ausgeführt habe. Erstens. Es bietet einen niedrigschwelligen und anonymen Zugang, bei dem junge Menschen unbürokratisch Hilfe suchen können. Zweitens. Es werden diejenigen erreicht, die Offlineangebote oft meiden. Drittens. Es gibt auch den Sozialarbeiterinnen die nötige Flexibilität, ihren Beruf hybrid ausüben zu können – sprich: im Homeoffice oder von wo auch immer auf der Welt. Sowohl für die Klientinnen als auch für den Berufsstand ist dies schon lange überfällig. Ein Blick nach Bayern zeigt uns ganz deutlich, wie erfolgreich so ein Modell sein kann. Mit dem Projekt „Digital Streetwork Bayern“ wurden seit Projektbeginn im Jahr 2021 über 11.000 junge Menschen erreicht, und mit über 6.300 Jugendlichen wurden Onlineberatungsgespräche geführt. Dieses Projekt wird vom Bayerischen Jugendring durchgeführt und vom Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert. Worum geht es dabei genau? Sozialarbeiterinnen sind online präsent und bieten damit ein erweitertes Angebot. Sie sprechen junge Menschen im Netz direkt an und bieten ihnen Hilfe und Unterstützung an, wie wir es von der normalen Streetwork kennen. Auf der Bundesebene hat man ebenfalls erkannt, dass darin ein enormes Potenzial schlummert. Deshalb gibt es dort bereits Präventionsprojekte im Bereich „religiös begründeter Extremismus“. Wir als demokratische Fraktionen müssen uns hier eine Sache bewusst machen: Extremismustendenzen und vor allem antidemokratisches Verhalten finden vor allem auch online statt und werden online erlernt. 03.12.2024 Als demokratische Parteien müssen wir feststellen, dass wir diesbezüglich in der Vergangenheit teilweise geschlafen haben. Wir erleben es fast bei jeder Plenardebatte. Gerade von den Extremisten werden die Plenardebatten nicht mehr unbedingt wegen der Inhalte geführt. Es geht nur noch um irgendwelche Bots im Internet und darum, die Videos im Anschluss direkt zum Beispiel auf YouTube oder sonst wohin zu streamen. Junge Menschen sagen uns, sie würden die demokratischen Fraktionen beispielsweise auf TikTok viel zu wenig mitbekommen. (Zuruf von Dr. Hartmut Beucker [AfD]) Das müssen wir dringend ändern, und daran müssen wir gemeinsam arbeiten. Wir merken auch jetzt wieder, warum das dringend notwendig ist. (Beifall von der SPD) Mit diesem Projekt haben wir die Möglichkeit, gemeinsam Einfluss zu nehmen, junge Menschen wieder zu erreichen und uns nicht abhängen zu lassen. Zugleich dient dieses Konzept auch der Gewinnung von Fachkräften. Menschen, die beispielsweise bis jetzt Teilzeitarbeit müssen, weil sie pflegende Angehörige oder Kinder versorgen müssen, haben oftmals nicht die Möglichkeit, Vollzeit zu arbeiten. Eine Flexibilisierung des Berufs würde es vielen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern ermöglichen, wieder in Vollzeit zu arbeiten. Deshalb freue ich mich, wenn wir dieses Thema in der Debatte im Ausschuss vertiefen und gemeinsam überlegen, wie wir als demokratische Fraktionen hier ein Konzept auf den Weg bringen, um junge Menschen besser schützen zu können. – Danke. (Beifall von der SPD)

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