Enxhi Seli-Zacharias
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Friedrich der Große sagte einst: „Hunde haben alle guten Eigenschaften des Menschen, ohne gleichzeitig ihre Fehler zu besitzen.“ Hunde sind mehr als nur Haustiere. Sie sind alltägliche Begleiter. Sie schenken unzähligen Menschen jeden Tag aufs Neue Freude. Sie sorgen dafür, dass Landtag Menschen vor die Tür gehen und sich bewegen. Sie sind für viele ein seelischer Halt, ein echter Freund, Teil ihrer Familie. Als Blindenhunde, Jagdhunde, Such- und Rettungshunde sowie Drogen- und Spürhunde erfüllen sie außerdem wichtige Aufgaben für unsere Gesellschaft. Dennoch besitzen wir in Nordrhein-Westfalen mit dem Landeshundegesetz ein mehr als 20 Jahre altes Regelwerk, das systematisch Hundehalter und einzelne Hunderassen diskriminiert, indem es zwischen vermeintlich gefährlichen und ungefährlichen Rassen unterscheidet. Das geht auf einen sehr tragischen Fall aus Hamburg zurück. Und dennoch müssen wir heute darüber sprechen. Für eine Unterteilung in gefährliche und ungefährliche Hunde anhand ihrer Rassezugehörigkeit existiert nämlich keinerlei wissenschaftliche Evidenz. Im Gegenteil, die Forschung ist sich eigentlich einig: Entscheidend ist das Ende der Leine. Man gaukelt mit dieser Rasseliste der Bevölkerung hier etwas wie Sicherheit vor, wir würden dafür sorgen, dass kein Hund mehr beißt. Dabei ist das schlichtweg nichts anderes, als den Bürger zu verschaukeln. Dieses Faktum findet seine Bestätigung schon in der Tatsache, dass die 13 Bundesländer, die über eine Rasseliste verfügen, völlig unterschiedliche Rassen als gefährlich aufführen. Darüber hinaus werden die neu in Deutschland zu findenden Rassen wie der Cane Corso oder der Kangal gar nicht auf solchen Listen geführt. Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen sagen, dass mein zum damaligen Zeitpunkt fünf Monate alter Cane Corso, mein Ray, einen so ausgeprägten Schutzinstinkt hatte, dass ich als Halterin sofort wusste: Ich muss dafür sorgen, dass mein Hund vernünftig erzogen wird, sonst könnte er zu einer Gefahr werden. – Mein Hund steht nicht auf der Rasseliste, aber ob ein Cane Corso oder ein Pitbull sich festbeißt, macht keinen Unterschied. Ich würde Ihnen sogar eher empfehlen, dass der Pitbull zubeißt als mein Cane Corso. Fakt ist, dass wir auf Basis unserer Großen Anfrage inzwischen Daten und Fakten zu der sogenannten Rasseliste vorliegen haben. Die vom Umweltministerium in der jährlichen Landeshundestatistik erhobenen Zahlen bestätigen die Erkenntnisse der Forschung. In der Landeshundestatistik von 2022 etwa weist der Dogo Canario bei Beißvorfällen mit Verletzungen bei Menschen einen Wert von 2,5 pro 100 auf, während der Wert bei den als gefährlich geltenden Rassen Pitbull Terrier bei etwa 0,5 und Bull Terrier bei sogar 0,0 liegt. Im Durchschnitt liegt der Wert für all diese Arten und Kreuzungen bei 0,2. 13.11.2024 Wie einfach die Lösung sein kann, haben uns Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Thüringen und jüngst auch Brandenburg vorgemacht. Dort existiert keine Rasseliste mehr. Hunde, die auffälliges Verhalten zeigen, können durch eine Einzelfallprüfung zu gefährlichen Exemplaren erklärt und mit Auflagen in der Haltung versehen werden. Ich sage Ihnen jetzt einmal mit Blick auf Gelsenkirchen, dass ich oft beobachte, dass beispielsweise der türkische Kangal in einer 50-m²-Wohnung gehalten wird. Dass der Hund irgendwann durchdreht, ist selbsterklärend, aber dafür kann ich nicht den Hund verantwortlich machen, dafür muss ich den Halter verantwortlich machen. Das ist übrigens etwas, was gerade zunehmend passiert: eine Haltung, die dem Hund nicht gerecht wird. Dann ist es typisch, dass es bei Hunden Ausfälle gibt. Das wird gerne außer Acht gelassen. Der Vorteil unserer Ihnen hier heute vorgestellten Lösung ist: Problematische Hunde werden aus dem Verkehr gezogen, und Besitzer friedlicher Vertreter – das ist die Mehrheit – werden nicht unnötig diskriminiert und belastet. Diese Regelungen bestehen seit Jahren und Jahrzehnten und haben nicht zu einer Erhöhung der Beißvorfälle in den soeben genannten Bundesländern geführt. Das ist heute auch ein persönliches Anliegen, und ich bedanke mich ganz herzlich bei meiner Fraktion, dass ich diesen Antrag einbringen darf. Wir alle wissen, was sogenannte Kampfhunde ins Tierheim kommen. Deswegen sage ich an dieser Stelle: Lassen Sie uns die Diskriminierung dieser sogenannten Rassehunde endlich beenden! Jede Rasse hat Klasse; es geht immer um das Ende der Leine. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
