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Enxhi Seli-Zacharias

AfD 13.11.2024 Sitzungen 18/78

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Landtag Wir sprechen heute über die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung. Die umfangreiche Antwort des Ministeriums auf die Große Anfrage der SPD umfasst knapp 1.500 Seiten. Auf diesen 1.500 Seiten mag zwar viel die Rede von Inklusion, Vielfalt, Respekt und gesellschaftlicher Teilhabe sein, aber ein wesentlicher Aspekt der Lebenssituation von Menschen mit Behinderung wird sowohl in der Großen Anfrage selbst als auch in der Antwort ausgeklammert. Genau diesem Punkt möchte ich mich heute gerne widmen. Ich meine, insgesamt kommt in der Debatte, die eigentlich im gesamten Bundesgebiet gerne auf Basis dieser Worthülsen geführt wird, etwas ganz Wesentliches zu kurz. Das ist die Lebensleistung der Eltern und der Familien, die eine wesentliche Rolle in der Pflege dieses Kindes spielen – nicht nur des Kindes, sondern auch des Familienangehörigen, des Enkelkindes, wie auch immer die Konstellation sein mag. Diese Menschen kommen immer wieder schlichtweg zu kurz. Eine Geschichte, die mich persönlich erst kürzlich erreicht hat und mich tief betroffen gemacht hat, möchte ich hier kurz wiedergeben. Ich hoffe, dass viele von uns daheim gesunde Kinder und Familienangehörige haben. Ich glaube, wir alle können uns das kaum vorstellen, was es bedeutet, wenn man das eigene Leben praktisch aufopfern muss, um das schwerstbehinderte Kind sein gesamtes Leben zu pflegen. Es geht in diesem Fall um Zwillinge, die bei der Geburt unterversorgt waren. Das eine Kind kam schwerstbehindert zur Welt. Das andere Kind war Gott sei Dank kognitiv in Ordnung, aber die Beine mussten amputiert werden, es leidet an Spastik usw. Dann erzählten mir die Eltern, was sie in einem so reichen Land wie Deutschland unter anderem meistern müssen, als sei das alles nach 45 Jahren nicht schon genug. Das schwerstbehinderte Kind ist 45 Jahre alt. Die Mutter wiegt noch weniger als ich; bei einem 45-jährigen Kind kann man sich vorstellen, wie alt sie etwa ist. Das Kind muss gedreht und gewaschen werden. Was diese Eltern an Kraft und positiver Lebensenergie in die Pflege ihres schwerstbehinderten Kindes gesteckt haben, das niemals diese Lebenserwartung hatte und heute 45 Jahre alt ist, finde ich schon einmal bemerkenswert. Am meisten traf mich aber, dass der Vater von einem Streit mit der Krankenkasse erzählte. Als die Eltern bei der Krankenkasse nach einer größeren Pampers für das Kind gefragt hatten, erhielten sie ernsthaft von der Krankenkasse die Auflage, mehrfach die Pampers mit Urin zu wiegen, um der Krankenkasse authentisch darlegen zu können, warum sie eine andere Pampersgröße brauchen. Das muss man sich mal vorstellen – mitten in Deutschland. 13.11.2024 Das ist ein kleines Beispiel von vielen Lebensrealitäten, mit denen Eltern zu tun haben, die daheim schwerstbehinderte Kinder pflegen müssen. Wenn ich so etwas höre, macht mich das nicht nur fassungslos, sondern wütend, weil dieses Land für alles Mögliche Geld hat. Ich habe es für unmöglich gehalten und erst mal gedacht, diese Geschichte kann doch gar nicht stimmen. Über Umwege habe ich dann noch von einem zweiten Beispiel erfahren. Jetzt werden einige meinen, darum geht es doch jetzt gar nicht, das sind Angelegenheiten von Krankenkassen usw. Nein, genau um so etwas geht es. Mir ist es heute auch ein besonderes Anliegen, wenn wir über das Thema „Lebenssituation von Menschen mit Behinderung“ sprechen, dass wir bitte niemals außer Acht lassen, was die Familienangehörigen ein Leben lang leisten. Damit komme ich zum nächsten Punkt.

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