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Marcel Hafke

FDP 10.10.2024 Sitzungen 18/77

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der Spracherwerb ist für den Bildungserfolg von Kindern vor allem in den frühen Jahren zentral. Wir alle wissen, dass Sprache die Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe ist, besonders für Kinder aus bildungsfernen Familien oder für Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen. Doch anstatt mutige und konkrete Maßnahmen zu liefern, bleibt dieser Antrag bei vagen Absichtserklärungen stehen. Es fehlen die dringend benötigten umsetzbaren Lösungen – ob aus Mutlosigkeit oder Tatenlosigkeit, das wissen nur die antragstellenden Fraktionen. Es verwundert daher nicht, dass Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen von CDU und Grünen, einige unserer guten Ideen übernehmen. Bereits im letzten Jahr haben wir festgestellt, dass ein großes Problem in den Kitas der hohe Dokumentationsaufwand ist. Die Fachkräfte sind überlastet und haben immer weniger Zeit für die pädagogische Arbeit mit den Kindern. Der vorliegende Antrag benennt dieses Problem zwar, aber die vorgeschlagene Lösung, nämlich ein Forschungsprojekt zur Optimierung der Dokumentation, eine Prüfung der Beobachtungsverfahren, ist bestenfalls ein kleiner Schritt. Die Kitas brauchen jetzt konkrete Entlastung und nicht noch mehr Prüfaufträge. Wir als FDP-Fraktion haben schon lange gefordert, die Dokumentationspflichten drastisch zu reduzieren, und das nicht nur im Bereich der Sprachförderung, sondern im gesamten Kita-Betrieb. Alles, was nicht dem Kinderschutz oder der Pädagogik dient, gehört auf den Prüfstand. Die Erzieherinnen und Erzieher müssen endlich wieder mehr Zeit für die Kinder haben und weniger Zeit mit Bürokratie verbringen. Was den Antrag besonders enttäuschend macht, ist, dass CDU und Grüne selbst bei so einem zentralen Thema keine konkreten Lösungen anbieten können. Es scheint, als hätte man sich in der Koalition auf nichts Verbindliches einigen können. Übrig bleiben oberflächliche Formulierungen und Prüfaufträge, die niemandem wirklich helfen. 10.10.2024 Besonders auffällig ist, dass der Antrag zwar die kommunalen Integrationszentren erwähnt, die eine wichtige Rolle bei der Sprachförderung spielen, aber die Familienzentren völlig ignoriert werden. Dabei sind gerade diese Einrichtungen essenziell für sozial benachteiligte Familien, um den Spracherwerb auch zu Hause zu unterstützen. Sprachförderung darf nicht an der Kita-Tür enden. Sie muss in die Familien hineinwirken. (Beifall von der FDP) – Da darf man auch applaudieren. Der Ausbau von Familienzentren oder eine stärkere Verknüpfung von Kita und Sozialer Arbeit wären hier ein entscheidender Schritt. Doch auch dieser bleibt aus. Ein weiterer Punkt im Antrag ist die Optimierung der Schnittstelle zwischen Kindertagesbetreuung und Grundschule. Aber was bedeutet das konkret? Wie soll die datenschutzkonforme Weitergabe der Bildungsdokumentation organisiert werden? Was passiert, wenn im Sprachscreening Defizite festgestellt werden? Zu all diesen Fragen, meine Damen und Herren, bleibt der Antrag Antworten schuldig. Im Gegensatz zu diesem schwachen Antrag haben wir als FDP bereits heute konkrete Vorschläge gemacht. Wir fordern die Einführung verbindlicher Bildungsstandards für Kitas, damit Kinder beim Schuleintritt über die notwendigen sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten verfügen. Außerdem fordern wir, die bestehenden Screeningverfahren deutlich auszubauen und dabei früher anzusetzen. Die derzeitigen Verfahren, die meist kurz vor dem Schuleintritt durchgeführt werden sollen, kommen viel zu spät, um Sprachdefizite rechtzeitig zu erkennen und zu beheben. Zudem sind sie nicht verpflichtend genug, was dazu führt, dass viele Kinder durch das Raster fallen. Es fehlt die entsprechende Konsequenz. Eine flächendeckende und verpflichtende Überprüfung der Sprachentwicklung ab dem dritten oder dem vierten Lebensjahr ist entscheidend, um sicherzustellen, dass alle Kinder die bestmögliche Förderung erhalten und für die Schule sprachlich fit sind. Dazu gehört auch die vollständige Digitalisierung der Dokumentation in den Kitas, um die Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher zu erleichtern und eine schnelle und einfache Übergabe der Informationen an den Grundschulen zu ermöglichen. Auch die Verankerung der Sprach-Kitas im Kinderbildungsgesetz mit einer langfristigen Finanzierung ist ein Punkt, den wir seit Langem fordern. Darüber hinaus muss Deutsch als verpflichtende Sprache in allen Kitas fest im Kinderbildungsgesetz verankert werden, damit Kinder frühzeitig die Bildungssprache erlernen und so bessere Chancen für ihren weiteren Bildungsweg haben. Landtag Frau Ministerin Paul, es ist Ihre Aufgabe, endlich konkrete Lösungen zu präsentieren, statt sich hinter allgemeinen Prüfaufträgen zu verstecken. Die Familien in Nordrhein-Westfalen erwarten das von Ihnen. Sie haben mehrfach betont, wie wichtig die frühkindliche Bildung ist, aber in der Praxis sehen wir wenig Fortschritt. Dieser Antrag zeigt deutlich, dass die sogenannte Zukunftskoalition aus CDU und Grünen keine greifbaren Lösungen für die Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung bietet. Es braucht nun endlich mutige Entscheidungen und konkrete Maßnahmen. Diesen Antrag werden wir daher ablehnen. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der FDP)

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