Anja Butschkau
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Wechseljahre sind eine Phase im Leben einer Frau, der sie sich nicht entziehen kann. Es ist eine Lebensphase, die in der Regel mit körperlichen und psychischen Beschwerden verbunden ist. Rund zwei Drittel der Frauen in den Wechseljahren leiden unter solchen Beschwerden, ein Drittel sogar stark. Über 90 % der Betroffenen nennen insbesondere körperliche und geistige Erschöpfung, Schlafstörungen und Reizbarkeit, aber auch depressive Verstimmungen, Wallungen, Schwitzen und Sexualprobleme 09.10.2024 als Beschwerden. Das hat enorme Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen. Gerade in der Arbeitswelt macht sich das sehr deutlich bemerkbar. Dieses Problem wird in der öffentlichen Debatte noch zu sehr unterschätzt. Durch Arbeitsausfall und verminderte Belastbarkeit entsteht der Wirtschaft ein hoher Schaden. Viele Frauen erleben, dass sie am Arbeitsplatz keine Unterstützung durch den Arbeitgeber erhalten. Die Betroffenen werden mit ihren Beschwerden zu oft alleingelassen. Das Thema „Wechseljahre“ ist und bleibt nicht nur am Arbeitsplatz, sondern in weiten Teilen unserer Gesellschaft ein Tabuthema, obwohl die Wechseljahre Millionen von Frauen betreffen und die Folgen im Wirtschafts- und Gesundheitssystem enorm groß sind. Statt diese gesellschaftliche Tragweite in den Blick zu nehmen, werden Wechseljahresbeschwerden zu einem individuellen Problem gemacht, mit dem die Betroffenen selbst klarkommen müssen. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, damit dürfen wir uns nicht zufriedengeben. Wäre es nicht sinnvoll, ein Arbeitsumfeld zu gestalten, das die Produktivität der Betroffenen fördert? Haben nicht auch Arbeitgeber ein Interesse daran, in Zeiten des Fachkräftemangels weibliche Arbeitskräfte durch ein flexibles Arbeitsumfeld an ihr Unternehmen zu binden? Die Antwort kann nur Ja lauten. Lassen Sie mich deshalb kurz auf unsere Forderungen eingehen. Wir haben an vielen Stellen noch ein Wissensdefizit. Deshalb fordern wir einen spezialisierten Bericht zum Thema „Wechseljahre“ im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung des Landes ein. Wir wollen zudem Forschungsprojekte fördern, in denen die gerade benannten wirtschaftlichen Folgen der Wechseljahre ermittelt, Präventionsmöglichkeiten benannt und der Zusammenhang von sozialen Faktoren, Lebensstil und Wechseljahren untersucht werden. Wir brauchen mehr Sensibilisierung und Aufklärung bei den Betroffenen und bei den Arbeitgebern. Hierbei steht das Land als Arbeitgeber übrigens auch selbst in der Verantwortung. Ich glaube, dass wir mit einer Vielzahl an Maßnahmen das Verständnis für die Wechseljahre und damit auch für die Lebensbedingungen der Frauen zwischen 40 und 55 Jahren – das sind immerhin 9 Millionen Frauen in Deutschland – deutlich verbessern können. (Beifall von der SPD) Es freut mich, dass die CDU das ähnlich sieht; zumindest die CDU/CSU-Bundestagsfraktion, die vor wenigen Tagen einen ähnlichen Antrag veröffentlicht hat. Insofern würde es mich sehr erstaunen, wenn Landtag unser Antrag heute keine Mehrheit fände. Ich bitte Sie um Zustimmung. – Herzlichen Dank und Glück auf! (Beifall von der SPD)
