Dr. Hartmut Beucker
Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Damen, geehrte Herren! Unzählige bekannte und unbekannte Kulturgüter sind in den vergangenen Jahrhunderten und Jahrtausenden Krieg, Plünderungen, Zerstörungen, Zerlegungen, Raub, Klimaveränderungen und Naturkatastrophen zum Opfer gefallen. Von den sieben Weltwundern der Antike steht heute nur noch eins, die Pyramiden von Gizeh. Vier der Wunder wurden bei gerade im Mittelmeerraum häufigen Erdbeben zerstört. Alexanders Truppen plünderten 330 vor Christus Persepolis, Goten zerstörten 262 Halikarnassos und plünderten 410 Rom. Konstantinopel wurde 1204 von den Kreuzfahrern und 1453 von den Osmanen ausgeraubt. Im Namen des Christentums wurden pagane Stätten in Europa zerstört oder umgewidmet und indianische Kulturen in Südamerika vernichtet. Im Namen des Islam wurden christliche, zoroastrische und buddhistische Kulturen vernichtet, die bereits enthaupteten Buddhas von Bamiyan vor gar nicht langer Zeit sogar ein zweites Mal. Kämpfer des Islamischen Staats sprengten Überreste von Palmyra. Die Schrecken der Kulturrevolution in China mit Zerstörungen von Kulturgütern, ein für ältere Teile der heute regierenden Parteien früher sinnstiftendes Ereignis, sind bekannt. (Norwich Rüße [GRÜNE]: Das hat doch hier- mit nichts zu tun!) Ein Wunder, dass Angkor Wat das Pol-Pot-Massenmordregime überstanden hat. Von den Tänzerinnen des kambodschanischen Nationalballetts überlebte nur eine einzige: die Killing Fields. Beim Brand des Münchener Glaspalastes am 6. Juni 1931 wurden 3.000 Kunstwerke vernichtet, darunter Landtag sämtliche 110 Bilder der Ausstellung deutscher Romantiker wie Caspar David Friedrich, Karl Blechen, Ludwig Richter, Otto Runge und Carl Rottmann. Die Verwüstungen im Rahmen der sogenannten Reichskristallnacht, die Aufnahmen brennender Synagogen bedrücken noch heute. Vor der zerstörten Kölner Synagoge spielten am 10. November 1938 Kinder mit Tora-Rollen Fußball. Die deutsch-jüdische kulturelle Symbiose wurde vernichtet. Die Vernichtung der Juden folgte und wird von anderer Seite heute erneut angestrebt. Für die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs nenne ich hier nur einige schwerstbetroffene Städte: Warschau, Rotterdam, London, Coventry, Hamburg, Köln, Berlin, Dresden und Le Havre. Dem Zweiten Weltkrieg folgten auf dem Gebiet der DDR im Jahre 1950 die Sprengung des jetzt wiedererstandenen Stadtschlosses in Berlin und die Sprengung von etwa 1.000 sogenannten Herrenhäusern. Nach den verheerenden Zerstörungen deutscher Städte durch die alliierte Bombardierung folgte der vielfach missratene Wiederaufbau im 19. Jahrhundert als ästhetischer Feind. In der zu 90 % zerstörten Kölner Innenstadt wurden wiederaufbaufähige Gebäude abgerissen, so die bogenförmige Jugendstilfassade des Hauptbahnhofs und das im Zentrum der Stadt liegende Opernhaus, in dessen erhaltenen Teilen nach dem Krieg noch Ballettunterricht stattfand. Zur Glättung der Fassaden unzerstörter Wohnhäuser gab es eine Stuckprämie für das Abschlagen des Stucks. Die Angriffe der bei vielen Medien beliebten Aktivisten der Last Generation auf berühmte Gemälde, etwa von Vermeer und Monet, und bereits zweimal auf die Säulen des Brandenburger Tores in Berlin sind inakzeptabel. Leider ist die Liste der kulturellen Verluste, die ich soeben aufzuführen versucht habe, nur allzu unvollständig. Das gilt weltweit. Jegliche internationale Weitung der Sicht zum Schutz von Kulturgütern ist dringend empfehlenswert. Vor diesem Hintergrund unterstützen wir gerne den Antrag der Regierungsfraktionen zur Sicherung von Kulturgütern und alle darin enthaltenen Maßnahmen. Angesichts der enormen Verluste muss frei nach Goethe gelten: Was du ererbt von deinen Vätern, erhalte es, um es zu bewundern. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der AfD)
