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Rainer Schmeltzer

04.07.2024 Sitzungen 18/70

Für die Landesregierung spricht jetzt Ministerin Gorißen. Silke Gorißen, Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Die Landund Forstwirtschaft sowie natürlich auch der Gartenbau hier bei uns in Nordrhein-Westfalen sind nicht nur bedeutende Wirtschaftssektoren im ländlichen Raum, sondern prägen und gestalten selbstverständlich auch unsere Lebensräume. Der Umgang mit gesellschaftlichen Fragestellungen wie dem demografischen Wandel, dem Verlust der Artenvielfalt, dem Klimaschutz und der Klimafolgenanpassung sowie mit technischen Anforderungen wie der Digitalisierung stellt die Land- und Forstwirtschaft und den Gartenbau insbesondere im Bereich der Fachkräftegewinnung und auch der Ausbildung, der Fortbildung und der Weiterbildung vor große Herausforderungen. Um dem Fachkräftemangel entgegenzutreten, brauchen wir ein Maßnahmenpaket, das die entsprechenden Zielgruppen erreicht. Nur mit motivierten und natürlich auch qualifizierten Fachkräften werden wir unser Land moderner, zukunftsorientierter und nachhaltiger machen. Die qualifizierte Ausbildung junger Menschen in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Gartenbau ist dafür Grundvoraussetzung. Mit dem Start der Fachkräfteoffensive NRW hat die Landesregierung bereits ressortübergreifende Initiativen gegründet. Wichtig dabei ist, dass wir die entscheidenden Akteure des Arbeitsmarktes mit einbinden. Das ist insbesondere von großer Bedeutung, wenn wir über die Gleichwertigkeit der beruflichen und der akademischen Ausbildung, aber natürlich auch über den Zugang und die Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen sprechen. Hier gilt es, Synergieeffekte der ressortübergreifenden interministeriellen Arbeitsgruppen zur Fachkräfteoffensive NRW und zur Berufsanerkennung zu nutzen, um ein gemeinsames, abgestimmtes Vorgehen aller Landesressorts zu gewährleisten. Bereits jetzt stehen wir natürlich fortwährend im engen Austausch mit der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen und unserem eigenen Landesbetrieb Wald und Holz NRW sowie allen weiteren hier relevanten Verbänden aus der Landwirtschaft, der Forstwirtschaft und dem Gartenbau, um verbes-04.07.2024 serte Informationen für die berufliche Ausbildung bereitzustellen. Gerade auch, um Karrierechancen transparent zu machen, soll mithilfe von verbesserten Informationen in der Berufs- und Studienberatung für die Vielfältigkeit der sogenannten grünen Berufe geworben werden. Hierbei hat auch die Gewinnung neuer Fachlehrkräfte bzw. die Qualifizierung von Bestandslehrkräften eine besondere Bedeutung. Sie bilden nämlich die Grundlage für eine qualifizierte Ausbildung von Fachkräften in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Gartenbau. Die letzte Überarbeitung der Ausbildungsordnungen für diese Berufe liegt durchaus weit zurück. Sie stammen nämlich noch aus den 90er-Jahren. Seitdem hat sich schließlich – das wissen wir alle – viel verändert, wenn auch nicht in den Augen der AfD-Fraktion. Sehr geehrter Herr Abgeordneter Schalley, lassen Sie mich eines sagen: Wenn sich die Gärtner und die Bauern über eines echt aufregen, dann darüber, dass jemand heute noch das Bild eines Gärtners oder eines Landwirts zeichnet, der sich den Rücken krumm macht, auf den Knien mit der kleinen Schuffel unterwegs ist, dreckige Fingernägel hat und abends nicht mehr laufen kann. (Zacharias Schalley [AfD]: Das ist aber die Re- alität im Gartenbau!) – Das haben Sie gerade gesagt. Aber das sind eben nicht die Themen. Denn das ist heute alles hochmodern. Da ist ganz viel passiert. (Beifall von der CDU – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN – Zacharias Schalley [AfD]: Sie können sich gerne bei mir melden! – Zuruf von Andreas Keith [AfD] – Zuruf von Thorsten Klute [SPD]) Es würde Ihnen ganz persönlich vielleicht guttun, einmal in einem modernen Betrieb ein Praktikum zu machen, dort zu arbeiten und sich ein Bild davon zu machen, was für Topbetriebe es gibt und wie gut sie heutzutage aufgestellt sind. (Zuruf von Norwich Rüße [GRÜNE]) Wenn wir den jungen Leuten das vermitteln können, werden wir diese Berufe auch noch schmackhafter machen, als sie sowieso schon sind. (Vereinzelt Beifall von der CDU und den GRÜNEN – Andreas Keith [AfD]: Dann haben Sie aber eine Abbrecherquote von 50 %!) Sie reden wieder von Dingen, von denen Sie leider keinerlei Ahnung haben. Aber das sind wir hier gewohnt. (Vereinzelt Beifall von der CDU – Zuruf von Andreas Keith [AfD]) Landtag In diesem Kontext bedarf es natürlich auch einer Prüfung und Weiterentwicklung bestehender Ausbildungsinhalte und der Rahmenlehrpläne, selbstverständlich in Kooperation mit dem Bund und auch mit den Sozialpartnern, um relevantes Wissen und Kompetenzen unter anderem zu nachhaltigen Produktionsverfahren zu integrieren. Auch da wissen wir – Gott sei Dank und ganz im Gegensatz zur AfD – Landwirte, Forstwirte und Gartenbauer an unserer Seite, die sagen: Wir alle tragen unseren Teil zu mehr Nachhaltigkeit bei. – Da ist es gar keine Frage, dass man selber bei dem mit anpackt, was Sie am liebsten alles zurückschrauben würden. (Zacharias Schalley [AfD]: Unsinn!) Gott sei Dank ist die Branche da anders aufgestellt. Ich freue mich daher sehr darüber, dass dieses für uns alle so wichtige Thema jetzt auch Einzug in die Plenardebatte erhält. Gemeinsam wollen wir natürlich vor allem eines erreichen: Wir wollen allen Menschen in Nordrhein-Westfalen, die sich mit ihrem Wissen und ihren Kompetenzen in den Arbeitsmarkt einbringen wollen, den Weg dafür ebnen, zugleich das Bewusstsein für diese tolle Ausbildung schaffen und da auch die Familien mitnehmen. – Herzlichen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)

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