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Lena Teschlade

SPD 03.07.2024 Sitzungen 18/69

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir alle haben wahrscheinlich den Brief vom Westdeutschen Handwerkskammertag bekommen. Die FDP hat daraus diesen Antrag erstellt. Wir sind uns, glaube ich, einig, dass das Handwerk in unserem Land einen hohen Stellenwert besitzt und dass wir vor allen Dingen junge Menschen mehr dazu motivieren müssen, eine handwerkliche Ausbildung zu machen. Seit den späten 1980er-Jahren hat sich die Zahl der Azubis im Handwerk von einem Höchststand von 633.000 auf 342.000 im letzten Jahr fast halbiert. Das muss uns allen große Sorge bereiten, weil Handwerkerinnen und Handwerker an vielen Stellen dieses Land überhaupt erst am Laufen halten. Um junge Menschen für eine Berufsausbildung im Handwerk zu begeistern, brauchen wir daher auch mehr Anerkennung der Handwerksberufe. Zu hartnäckig halten sich immer noch ganz bestimmte Vorurteile. Deshalb ist gerade auch die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung wichtig, wie wir sie hier im Hause schon mehrfach diskutiert haben. Es ist auch unbestritten, dass Auszubildende moderne Lernorte brauchen. Deshalb ist es richtig, dass es Förderprogramme zur Modernisierung der überbetrieblichen Bildungsstätten gibt. Ich bin jetzt aber ganz ehrlich. Das Thema ist sehr komplex, und die Mittel sind knapp. Insofern braucht es hier eine tiefer gehende Auseinandersetzung mit dem Thema. Jetzt einfach die Forderungen aus dem Papier des Handwerkskammertages aufzugreifen, zusammenzuwürfeln und daraus einen Antrag zu machen, ist mir zu unambitioniert. Denn – das gehört zur Ehrlichkeit dazu – bei diesem Thema haben wir natürlich auch eine Aufgabe des Bundes. Liebe FDP, wir unterstützen auch dabei, wenn im Bund das Geld für dieses Thema locker-03.07.2024 gemacht werden würde, weil auch wir davon überzeugt sind, dass das ganz wichtig ist. Trotzdem denke ich, dass der Antrag in Summe zu kurz gegriffen ist, da er viele Punkte nicht aufgreift, die die Landesregierung aber hier vor Ort tatsächlich konkret machen könnte und umsetzen könnte. (Marco Schmitz [CDU]: Die sie umsetzt!) Ich will einige Beispiele nennen. Es fehlt noch immer an einer Anweisung an die Berufsschulen, dass an ÜBS-Tagen kein regulärer Berufsschulunterricht stattfindet. Die bisherige Regelung verursacht einen erheblichen Organisationsaufwand der Kammern. In vielen anderen Bundesländern ist dies durch einen Erlass geregelt worden. In NRW setzt man derweil noch auf ein gutes Miteinander. Natürlich ist es immer begrüßenswert, wenn sich die Dinge miteinander regeln lassen. Aber leider scheint das in diesem Bereich noch nicht so wirklich zu funktionieren. Hier könnte die Landesregierung entsprechend handeln. Auch eine Erweiterung des Erlasses, der eine Teilnahme der Berufsschullehrerinnen und -lehrer am überbetrieblichen Unterricht vorsieht, ist zumindest zu prüfen. Nachdem die FDP zuletzt so vehement für die Digitalisierung gestritten hat, wundert es mich, dass der Punkt zum Beispiel in dem Antrag überhaupt nicht aufgegriffen wird, weil wir in dem Bereich feststellen, dass noch nicht einmal das gute alte Faxgerät zum Einsatz kommt, sondern dass Menschen die Aktenordner noch von A nach B tragen müssen und dann die Daten einzeln geprüft und weitergeleitet werden. Hier muss das Arbeitsministerium schnellstmöglich zeitgemäße Alternativen finden, die für alle tragbar sind. Deshalb will ich zum Schluss noch einmal sagen: Es ist gut, wenn wir uns im Ausschuss mit dem Thema beschäftigen. Das hat das Handwerk verdient. Aber das Thema gehört auch in den Ausschuss. Deshalb stimmen wir der Überweisung selbstverständlich gerne zu. – Vielen Dank. (Beifall von der SPD)

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