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Christina Schulze Föcking

CDU 13.06.2024 Sitzungen 18/68

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Nina! Kinder schützen – das klingt so selbstverständlich, ist es aber leider nicht. Der Austausch und die Gespräche im Rahmen unserer Kommissionsarbeit führen uns immer wieder neu und schmerzvoll vor Augen, dass das eben nicht der Fall ist. Wir müssen von bis zu einer Million von sexuellem Missbrauch betroffenen Kindern und Jugendlichen im Bundesgebiet ausgehen, plus Dunkelfeld. Die Herausforderungen, insbesondere im digitalen Raum, sind groß. Aus diesem Grund war es wichtig, dass wir die Themen „Peer-to-Peer-Gewalt im digitalen Kontext“ und „Cybermobbing“ in den Fokus genommen haben. Mithilfe der Fachexpertise, für die ich an dieser Stelle auch noch einmal herzlich danken möchte, ist es gelungen, viele Einblicke in bisher eher unterbeleuchtete Bereiche zu gewinnen. Der digitale Raum ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Die Altersgrenze der sich darin bewegenden Kinder sinkt zunehmend. Sie kommunizieren ganz selbstverständlich auf sozialen Plattformen und bewegen sich im Internet. Die Experten raten daher zu möglichst frühzeitiger Aufklärung über Gefahren. Hierbei wird nicht nur an die Schulen, sondern insbesondere auch an die Eltern appelliert. Wir alle kennen das Thema „Mobbing“, beispielsweise an der Schule. Das ist allemal schlimm, aber für das Opfer immerhin endlich, wenn es zu Hause einen sicheren Rückzugsort findet. Sobald digitale Medien ins Spiel kommen, verschärft sich die Situation aber bis ins Unerträgliche. Es handelt sich vielfach um eine Fortsetzung des Mobbens in digitaler Art und Weise: Cybermobbing. Cybermobbing ist kaum kontrollierbar, verbreitet sich rasant, größere Tätergruppe und eine Anonymität, hinter der sich versteckt wird. Etwa jedes sechste Schulkind im Alter von 11 bis 15 Jahren wurde nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation im Jahr 2022 in Onlinediensten gemobbt, häufig mit fatalen gesundheitlichen Folgen. Ein wichtiger Gedanke der Experten besteht darin, künstliche Intelligenz unterstützend und präventiv im digitalen Raum zu nutzen. Das ist eine Chance. Landtag Unsere Kinder meistern in nahezu jeder Grundschule einen Lese- oder einen Füllerführerschein. Ich selbst erinnere mich noch an den Fahrradführerschein auf dem Schulhof. Von Experten wird zwecks Sensibilisierung ein Internetführerschein empfohlen. Wir in Nordrhein-Westfalen haben schon viel geschafft. Wir sind auf einem guten Weg, aber – Sie hören es – es bleibt noch viel zu tun. Digitale Welten wandeln sich rasant, manchmal so schnell, dass Lehrer und Eltern aufgrund der Fülle, der Schnelligkeit sowie der wachsenden Möglichkeiten neuer Technologien kaum hinterherkommen. Die Plattform, das Spiel oder der Onlinedienst, der heute noch im Trend liegt, kann morgen schon völlig out sein. So gesehen ist es ein anhaltender Wettlauf gegen die daraus entstehenden Gefahrenpotenziale, bei dem wir versuchen müssen, auf der Überholspur zu bleiben. Es gilt, das Problembewusstsein dafür zu schärfen, dass die digitale Welt Chancen bietet, aber eben auch eine sehr reale Gefahr sein kann. Ingo Wünsch vom LKA hat es, wie ich finde, treffend umschrieben: Wir würden niemals ein Kind ohne Begleitung und ohne genaue Vorstellung, wo es hin muss, nachts alleine durch einen dunklen Wald schicken. Das Internet aber kann ein dunkler Wald sein, durch den wir unsere Kinder manchmal alleine laufen lassen. Ein ebenso wichtiges Themenfeld stellt „Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Sport“ dar. Die Auseinandersetzung mit Gewalt und Machtmissbrauch im Sport nimmt zu. Unsere Kommission war und ist ein aktiver Teil dessen. Wir schauen hin. Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ist oft ein Tabuthema, auch im Sport. In NRW gibt es 17.700 Sportvereine mit 5,1 Millionen Mitgliedern. Die Schutzkonzepte sind gerade im Sport äußerst individuell. Das kann bedeuten, dass Tausende Konzepte gelebt werden und sie fortlaufender Anpassungen bedürfen. Schutzkonzepte müssen also lebende Dokumente sein, kein Ordner oben im Regal, der einfach weggestellt wird. Fakt ist zudem, dass auffällige Trainerinnen und Trainer häufig die Vereine wechseln: das sogenannte Vereins-Hopping. Wer aufzufallen droht, zieht einfach weiter. Dem muss ein Riegel vorgeschoben werden. (Beifall von der CDU, der SPD und den GRÜNEN) Lassen Sie mich zum Abschluss meiner Ausführungen allen Kolleginnen und Kollegen, unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen und unserer Ausschussassistentin in der Kinderschutzkommission für die immer am Thema orientierte und gute Zusammenarbeit danken. Wenn wir durch unsere Arbeit auch nur eine Kinderseele retten, so ist das gemeinsame Engagement jede Mühe wert. 13.06.2024 In meinem Dank schließe ich unsere Kollegin Dr. Nadja Büteführ ausdrücklich ein. Sie hat uns viel zu früh verlassen. Ihr Tod schmerzt nach wie vor. Ich bin dankbar für die gemeinsame Zeit und Zusammenarbeit. Ich sage Ihnen ehrlich: Ich habe Sie neu kennen- und schätzen gelernt. Sie war eine bemerkenswerte Frau, der die Kinder und Jugendlichen sehr am Herzen lagen. – Ich danke Ihnen. (Beifall von der CDU, der SPD, den GRÜNEN und der FDP)

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