Rodion Bakum
Sehr geehrter Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Damen und Herren! „36 Grad, und es wird noch heißer.“ Erinnern sich an meine Prognose aus dem Mai-Plenum? Gestern waren es in Bukarest 36°. Heute sind es 40° in Nicosia. Morgen werden es bis zu 45° in Athen sein. Ab Sonntag kommt die Wärme auch nach Mitteleuropa. Temperaturen wie in Kairo. Ist die Ursache womöglich – Achtung: Ironie – eine Islamisierung des Wetters oder doch die menschengemachte Klimakrise? (Heiterkeit von Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE] und Gönül Eğlence [GRÜNE]) Wir, Kolleginnen und Kollegen, müssen nicht das Klima retten, sondern uns und die Menschen, die uns vertrauen. (Beifall von der SPD – Zuruf von Dr. Christian Blex [AfD]) 12.06.2024 – Schön, dass Herr Blex feststellt, dass die Hitze noch nicht da ist. Dazu komme ich nachher. (Zuruf von Dr. Christian Blex [AfD]) Wer glaubt, das sei weit entfernt, der schaut einmal nach Baden-Württemberg und Bayern. Starkregen entsteht durch warme Luft, die mehr Feuchtigkeit aufnimmt. Das müssten Sie als Physiker wissen. (Heiterkeit von Thorsten Klute [SPD] – Zuruf von Dr. Christian Blex [AfD]) Die Klimakrise macht Hochwasserkatastrophen wahrscheinlicher. Der Sommer 2023 war der heißeste seit 2.000 Jahren. Der Frühling 2024 war der wärmste seit Messbeginn im Jahr 1881. Jeder einzelne der vergangenen zwölf Monate war weltweit der heißeste seit über 125.000 Jahren. Die menschengemachte Klimakrise schwebt hier – bei uns – direkt über uns wie ein Damoklesschwert. (Dr. Christian Blex [AfD]: Das glaubt Ihnen kei- ner mehr! – Christin-Marie Stamm [SPD]: Doch!) Die Klimakrise ist die größte Gefahr für unsere Gesundheit und für unsere Wirtschaft. Gemeinsam müssen wir die Klimakrise schnell in den Griff bekommen. (Beifall von der SPD) Wir werden womöglich Verluste erleiden, wenn wir Herrn Blex zuhören. Die berufstätigen Familien in unserem Land haben jeden Tag mit der Klimakrise zu kämpfen. Wer im Freien arbeitet – Menschen im Baugewerbe, im Garten- und Landschaftsbau oder in der Abfallentsorgung sowie Landwirte, Dachdecker, Soldaten, Polizistinnen und viele mehr –, der muss sich Sorgen um den Arbeitsplatz und auch die Gesundheit machen. Die berufstätigen Familien geraten nicht nur selbst täglich ins Schwitzen, sondern sorgen sich auch um ihre Kinder. Wer weiß, wie sich Flüssigkeitsmangel bei einem Säugling äußert, der nicht sprechen kann? Bekommt mein Kind eigentlich genug Wasser, und ist auf dem Gelände der Kita genug Schatten vorhanden? Kann mein Kind bei 26° Raumtemperatur in der Schule gut lernen? Wer betreut es, wenn es hitzefrei gibt? Was muss ich eigentlich bei der Pflege meiner Angehörigen beachten, wenn es besonders heiß wird? Gebe ich einem immungeschwächten Menschen besser etwas Kaltes oder Warmes zu trinken, wenn es heiß wird? Wenn meine pflegebedürftige Mutter oder mein pflegebedürftiger Vater zittert, handelt es sich dann um Schüttelfrost oder einen Hitzschlag? Brauchen sie ein kaltes Bad oder eine warme Decke? Diese Fragen müssen sich berufstätige Familien in NRW beim Überlebenskampf zwischen Arbeit, Landtag Familie und Gesundheit jeden Tag stellen. Wir, Kolleginnen und Kollegen, müssen diese Fragen beantworten und darüber reden. Wir brauchen in der Arbeitswelt nicht nur klare Regeln zum Hitzeschutz. Diese müssen auch von den Arbeitgebern umgesetzt werden. Das hat zuletzt noch der Deutsche Ärztetag beklagt. Daher ist es nötig, dass Karl-Josef Laumann die Träger von Kliniken und Pflegeeinrichtungen an einen Tisch holt und dafür sorgt, dass der Musterhitzeschutzplan von Karl Lauterbach auch in NRW umgesetzt wird. (Thorsten Klute [SPD]: Wo ist der eigentlich? – Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]: Der ist ent- schuldigt!) Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen müssen regelmäßig üben, wie man mit Extremwettersituationen klarkommt. Wir brauchen klare Handlungsempfehlungen für alle Branchen, wie mit Hitze und Extremwetterereignissen umgegangen werden soll. Natürlich wird entscheidend sein, ob wir genügend Zukunftsinvestitionen für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen beschaffen können. Ich bin mir sicher: Wenn Karl und Karl-Josef miteinander warm werden, dann kühlt die Krise auch gleich ein paar Grad ab. (Heiterkeit von Josef Neumann [SPD]) Die berufstätigen Familien in unserem Land verlassen sich auf uns. Es ist gut, dass Städte wie Dortmund, Düsseldorf und Köln öffentliche Trinkwasserbrunnen bauen. Duisburg plant sogar 50 neue öffentliche Trinkwasserbrunnen, was mir besonders gefällt. In Mülheim existiert zwar kein einziger, aber bei Hitze kann ich dann einfach nach Duisburg hinüberlaufen. Es ist gut, dass das Bundesamt für Strahlenschutz bei der Fußball-EM kostenlose Sonnencremespender aufstellt. Wenn wir jetzt noch ein staatlich organisiertes Hautkrebs-Screening schaffen könnten, dann müssen nicht mehr über 4.400 Menschen im Jahr an Hautkrebs sterben. Es ist gut, dass Karl-Josef Laumann dank uns Monate später ebenfalls mehr Hitzeschutz am Arbeitsplatz, zum Beispiel durch die Möglichkeit einer Siesta, begrüßt hat. Ich bedauere allerdings, dass er heute seine Siesta nicht unterbrochen hat, um an dieser wichtigen Debatte teilzunehmen. Denn so hört er leider nicht, wie ich einen großen Klimapolitiker zum Ende meiner Rede zitiere: „Der Klimawandel ist die größte Bedrohung der Zukunft. Jeder Staat muss mitwirken, die Ursachen zu bekämpfen und die Folgen zu mindern.“ Ein Tag nach dem Tod von Klaus Töpfer ist es umso wichtiger, seine mahnenden Worte auch hier im Parlament am Leben zu halten. – Bleiben Sie gesund! 12.06.2024 (Beifall von der SPD – Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]: Hat der das wirklich gesagt?)
