Ina Brandes
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Es ist schon lustig, dass Sie uns vorwerfen, dass wir 1978 steckengeblieben wären, und Sie sind es selber 1933. (Heiterkeit und anhaltender Beifall von der CDU, der SPD, den GRÜNEN und der FDP – Andreas Keith [AfD]: Sie sollten sich dafür schämen, dass Sie diese Zeit hier anführen! – Zuruf von Christian Loose [AfD] – Zurufe von der SPD – Andreas Keith [AfD]: Sie sollten sich schämen! Unglaublich!) Aber gut, nun möchte ich allen demokratischen Fraktionen in diesem Haus sehr herzlich für diesen Auftakt zu einer längerfristig und vor allen Dingen sehr gründlich angelegten Debatte über die kulturelle Bildung in Nordrhein-Westfalen danken. Ich finde es sehr gut und sehr richtig, dass wir uns in den nächsten Monaten gemeinsam damit beschäftigen werden. Es ist schon viel Gutes und viel Richtiges über den Stellenwert kultureller Bildung gesagt worden. Für 12.06.2024 mich ist sie tatsächlich einer der Schwerpunkte von Kulturpolitik, weil sie der Auftakt für Teilhabe an kulturellem Leben und damit an gesellschaftlichem Leben insgesamt ist. Es muss in der Kulturpolitik unser Ziel sein, dass wir allen Menschen, die in Nordrhein-Westfalen leben, ein Angebot machen, an unserem kulturellen Leben teilzuhaben. Das beginnt im Kindes- und Jugendalter. Ich bin fest davon überzeugt: Wer mit 13 noch nie im Theater war, fängt mit 33 nicht plötzlich an und geht dahin. (Beifall von der CDU) Wer in der Schule nicht im Chor gesungen hat, entscheidet sich mit 18, 19, 20 nicht, Sängerin oder Sänger zu werden. All diese Voraussetzungen für die Teilhabe an einem interessanten, erfüllten und kulturell anspruchsvollen Leben werden im Kinder- und Jugendalter gelegt. Dabei beschäftigen wir uns in der kulturellen Bildung natürlich in der Tat nicht nur mit Kindern und Jugendlichen. Das Thema ist in Nordrhein-Westfalen schon lange sehr wichtig und auch parteiübergreifend immer wichtig gewesen. Wir geben inzwischen fast 40 Millionen Euro im Jahr für kulturelle Bildung aus, davon fast 18 Millionen Euro allein für JeKits. Das ist damit das größte und aus meiner Perspektive auch erfolgreichste Programm der kulturellen Bildung in Deutschland. (Beifall von der CDU und Frank Jablonski [GRÜNE]) Wir haben viel erreicht. Ich glaube aber trotzdem, dass wir noch viel zu tun haben. Deswegen ist es gut, dass wir uns jetzt Zeit nehmen, diese Themen miteinander zu besprechen. Es geht um die Fragen der Nachhaltigkeit – Wie wirksam sind die Programme, die wir in der kulturellen Bildung haben, auf Dauer? –, der Integration in einer immer diverser werdenden Gesellschaft, der Digitalität und darum, wie wir zum Beispiel künstliche Intelligenz in der kulturellen Bildung nutzen können. Das schafft aus meiner Sicht sehr vielfältige Möglichkeiten. Es geht aber natürlich auch um die Frage, welche Aufgabe Kultur im Offenen Ganztag wahrnehmen wird. Wir fördern bereits einige Projekte in diesem Zusammenhang und arbeiten auch einen Fragenkatalog heraus: Was sind die Best Practices? Was funktioniert vor Ort in unseren Grundschulen wirklich gut, und was ist ab 2026 tatsächlich auch flächendeckend übertragbar? Ich glaube, dass wir in diesem Bereich viel miteinander beraten werden, viele Expertinnen und Experten hören und aus den Beiträgen viel werden lernen können. Ich bin mir bei diesem sehr konstruktiven und sehr einmütigen Verständnis dafür, welchen großen Stellenwert kulturelle Bildung hat, sicher, dass wir gemeinsam zu sehr guten Ergebnissen im Sinne der Landtag Kultur in Nordrhein-Westfalen kommen werden. – Ganz herzlichen Dank. (Beifall von der CDU, der SPD, den GRÜNEN, Marcel Hafke [FDP] und Henning Höne [FDP])
