Marcel Hafke
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich fasse mich kurz, da die AfD trotz langer Debatten das Kernproblem noch immer nicht durchschaut hat. Ein Punkt ist wahr: Aktuell geht die Geburtenrate wieder zurück. Aber, Herr Schalley, die alte These bzw. Ihre Ideologie aus den 50er-Jahren, die Frau müsse wieder zurück an den Herd (Wolfgang Jörg [SPD]: 70er-Jahre!) und dann hätte sich das Problem gelöst, ist vielleicht etwas kurz gesprungen. Ich würde uns allen wünschen, dass Sie vielleicht lieber die Care-Arbeit leisten und zu Hause bleiben. Das würde dem Parlament auf jeden Fall sehr guttun. (Beifall von der FDP, der CDU, der SPD und den GRÜNEN – Wolfgang Jörg [SPD]: Das kann man dem Kind nicht antun!) Der Wunsch nach Kindern hat sich nicht verändert. Eine Umfrage des familiendemografischen Panels hat ergeben, dass der Kinderwunsch bei Menschen zwischen 18 und 29 Jahren immer noch bei 1,9 Kindern liegt, Herr Schalley. Das heißt, mindestens der Wunsch nach zwei Kindern besteht immer noch. Der Landtag Aufschub des Wunsches nach einem Kind – und dass Familien keine Kinder bekommen – hat ganz andere Gründe. Es bestehen weltweite Krisen wie die Coronapandemie. Die Kriege in der Ukraine und in Gaza, hohe Inflation und der Klimawandel verunsichern Menschen in ihrem Kinderwunsch. Deswegen wird er aufgeschoben. Hinzu kommt: Die Geburtenrate stieg in den letzten Jahrzehnten an, und zwar unter anderem wegen des Themas „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ und des massiven Ausbaus von Kita-Plätzen. Aktuell stimmen leider die Rahmenbedingungen hier nicht. Es gibt zu wenig Kita-Plätze, Erzieherinnen und Erzieher fehlen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf funktioniert nicht. Daher wird die Familienplanung hintangestellt. Deswegen kann man auch einiges dagegen tun, zum Beispiel: den Ausbau der Kita- und OGS-Plätze voranbringen, für Eltern mit Kindern barrierefreie Zugänge im öffentlichen Leben gewährleisten, Wickelstationen auch auf Herrentoiletten ermöglichen, saubere Spielplätze anbieten, Verständnis für spielende Kinder in der Öffentlichkeit schaffen, generell mehr Familienfreundlichkeit in Deutschland und Nordrhein-Westfalen fördern. Wir brauchen diesen Antrag nicht. Wir brauchen auch die ideologisch verblendeten, rückwärtsgerichteten Anträge der AfD nicht. Im Ergebnis ist es aber auch eigentlich egal, was wir diskutieren, weil Herr Schalley und die AfD so oder so nicht zuhören. Von daher können wir den Antrag dann im Ausschuss auch einfach ablehnen. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der FDP, der CDU, der SPD und den GRÜNEN)
