Dr. Bastian Hartmann
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Herr Zerbin, ich muss gestehen, dass ich noch einmal gucken musste, wo wir in der Tagesordnung sind, weil ich in Ihrer Rede keinen Bezug zum Antrag erkannt habe. (Beifall von der SPD, der CDU und Angela Freimuth [FDP] – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN) Ich muss sagen, dass ich das verstehen kann, denn ehrlicherweise ist der Antrag nicht so gut, dass er einer plenaren Befassung bedarf; aber gut. Wenn sich die AfD mit Religiosität befasst, dann weiß man spätestens nach der Überschrift zwei Dinge: Muslime werden verächtlich gemacht und das vermeintliche Interesse an jüdischem Leben und dem Schutz jüdischen Lebens hier werden als Begründung herangezerrt. Der vorliegende Antrag ist keine Ausnahme. Diesmal versucht die AfD allen Ernstes, das traditionelle Iftar, das Fest des Fastenbrechens, mit dem Hamas-Terror gegen Israel in Verbindung zu bringen. Das ist nicht nur schäbig unserer muslimischen Gemeinschaft in NRW gegenüber, es verhöhnt auch das Leid der Opfer in Israel und die Sorge aller hier lebenden Jüdinnen und Juden. (Beifall von der SPD, Britta Oellers [CDU], den GRÜNEN und Angela Freimuth [FDP]) Und so demontiert sich der Antrag gleich selbst. Sie verweisen – das haben Sie gerade auch in der Rede getan – auf eine Veranstaltung vor knapp elf Jahren an der Ruhr-Uni. Sie findet seitdem sogar regelmäßig statt. Was ist tatsächlich passiert? Der AStA und das Studierendenwerk hatten gemeinsam das alljährliche interkulturelle Abendessen organisiert und dazu eingeladen. Rund 700 Menschen aller Konfessionen, Ethnien und Geschlechter feiern in der Mensa gemeinsam das Fastenbrechen, und sie tun das relativ unspektakulär, wenn auch schmackhaft mit Gemüselasagne und Karotten-Kokos-Ingwer-Suppe des AKAFÖ Bochums. (Heiterkeit von der SPD) Das ist ihnen natürlich ein Dorn im Auge; das ist natürlich ganz schlimm, und deswegen wollen Sie solche Veranstaltungen verdrängen. Sie wollen – das schreiben Sie in Ihrem Antrag –, dass sie nur noch in ausgewiesenen Räumlichkeiten stattfinden dürfen. Mit anderen Worten: irgendwo in der Abstellkammer, wo sie niemand sieht. (Nadja Lüders [SPD]: Getto!) Das entlarvt in aller Deutlichkeit, worum es Ihnen wirklich geht: um Abschottung, um Antipluralismus und um Ausgrenzung. Landtag Wir wollen das Gegenteil, denn unsere Hochschulen sind nun einmal genauso bunt wie unsere Gesellschaft, und das ist auch gut so. (Beifall von der SPD und Jan Matzoll [GRÜNE]) Unsere Botschaft an alle auf dem Campus lautet: Egal, woher ihr kommt oder wie ihr heißt, woran ihr glaubt oder wen ihr liebt, eure Vielfalt soll sichtbar sein. Jede und jeder von euch hat hier einen Platz. Deshalb gehören kulturelle Vielfalt und auch friedliche Religionsausübung nicht irgendwo in eine Abstellkammer verbannt. Sie gehören auf die größten Plätze, die wir haben, und gerade auch auf den Campus. (Beifall von der SPD) Genau das brauchen wir heute mehr denn je: Austausch miteinander und Lernen voneinander mit der Aufgeschlossenheit für Neues und mit der Toleranz für Anderes. Deswegen rufe ich allen Menschen in NRW gerne zu: Brecht zusammen das Fasten, feiert zusammen das Zuckerfest, zündet zu Chanukka alle eine Kerze an und singt Weihnachtslieder in Stadien, feiert das Miteinander und feiert eure Kultur. Die AfD und diesen Antrag braucht es dafür nicht. – Schönen Abend. (Beifall von der SPD und Wilhelm Korth [CDU] – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN)
