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Rodion Bakum

SPD 25.04.2024 Sitzungen 18/62

Wie sich die AfD über diese Debatte freut. – Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren Kolleginnen und Kollegen! Ich hoffe, ich darf gleich noch den Minister begrüßen. Beim Thema „Geschlechtergerechtigkeit“ hat er ein bisschen Nachholbedarf. Unser Planet hat Fieber, und wir liegen gemeinsam auf der Intensivstation. (Zuruf von der AfD: Bei manchen merkt man das!) Auf der Intensivstation arbeiten während einer Hitzewelle viele engagierte Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger, Spezialtherapeutinnen und -therapeuten sowie Menschen, die für die Hygiene sorgen. Was hat die Mehrheit von ihnen mit ihren Patientinnen und Patienten gemeinsam? Sie sind Frauen. Landtag Frauen und Menschen mit einem erhöhten Östrogenspiegel schwitzen weniger und produzieren weniger Talg, weil die Schweiß- und Talgdrüsen kleiner bzw. weniger dicht sind. (Dr. Christian Blex [AfD]: Dafür frieren sie mehr!) Das Blut von Frauen und Menschen mit erhöhtem Östrogenspiegel gerinnt schneller als bei Menschen mit Testosteronüberschuss. Frauen werden durchschnittlich älter und stellen damit die Mehrheit der Menschen in besonders gesundheitsgefährdeten Gruppen. Frauen verdienen durchschnittlich weniger und können sich weniger Hitzeschutz in ihrem Wohnraum leisten, wenn sie alleinstehend sind. Je heißer es wird, desto gefährlicher wird es für die weibliche Bevölkerung unseres Landes. Wer jetzt denkt: „Mensch, was habe ich für ein Glück gehabt, ein Mann zu sein“, liegt falsch. Wenn Katastrophen passieren – Hochwasser, Erdbeben, Stürme –, dann sind es mehrheitlich Männer, die sich in Gefahr begeben und daher häufiger Opfer von Naturkatastrophen werden. Das Problem von uns Männern ist: Wir surfen mehr im Internet als Frauen, auch zu Themen rund um die Klimakrise, aber wir verstehen das nicht so gut wie Frauen. Diese verstehen nämlich häufiger, wie groß die Gefahr ist, und handeln danach. Sie schützen sich besser – alles belegt durch wissenschaftliche Studien. Was machen wir jetzt mit dem Wissen? Unser Vorschlag: Wir müssen Klima- und Gesundheitspolitik so gestalten, dass sie allen Geschlechtern gerecht wird. Die eine gute Politik für alle gibt es nicht. Wir müssen nicht das Klima retten, sondern uns selbst. Dafür müssen wir Strategien entwickeln, die neben den Geschlechtern auch die soziale und wirtschaftliche Lage der Menschen berücksichtigen. Ungleiches ungleich zu behandeln, gilt insbesondere in der Klimaund Gesundheitspolitik. Wir nennen das einen „Aktionsplan für die geschlechtergerechte Klimagesundheit“. Ich gebe zu: Wir haben es gar nicht erfunden. Wir haben eine gute Idee aufgegriffen und wollen, dass diese in Nordrhein-Westfalen umgesetzt wird. Die Idee zu einem Aktionsplan mit vielen damit einhergehenden Vorschlägen stammt aus einer Forschungsarbeit des Umweltbundesamtes, ausgeführt von dem Wuppertal Institut, dem Institut für sozial-ökologische Forschung und GenderCC – Women for Climate Justice e. V. Die Bundesstiftung Gleichstellung erarbeitet gerade den Vierten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung mit einem Schwerpunkt auf ökologischer Transformation. Insofern bin ich optimistisch, selbst wenn wir gleich wieder Redebeiträge hören werden, die womöglich Zweifel an der Klimakrise und dem gezielten Blick auf die Geschlechter äußern; denn es gibt kluge Menschen, die 25.04.2024 forschen und Ideen entwickeln. Das ist kluge Wissenschaft. Wir werden auch hören, was die Landesregierung bereits alles tut – nach dem Motto, der Antrag wäre womöglich gar nicht nötig gewesen. Auch diesbezüglich bleibe ich entspannt; denn ich weiß, dass es kluge Regierungen gibt, die an solchen Aktionsplänen arbeiten. Daher empfehle ich der NRW-Landesregierung, ebenfalls klug zu sein. „KLUG“ steht in diesem Fall ganz zufällig für die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit. Dieser Verein berät die Landesregierung seit Längerem. Ich hoffe, er dringt endlich bei Ihnen durch; denn das wäre klug. (Beifall von der SPD) Ich habe diese Woche einen schönen Satz gelesen – ich zitiere mit Erlaubnis des Präsidenten –: „Das reale Leben ist nicht geschlechtsneutral.“ Dieser Satz stammt aus einer Veröffentlichung des Landeszentrums Gesundheit Nordrhein-Westfalen zu genderspezifischen Aspekten zum Thema „Bewegung und Gesundheit“, das logischerweise eng mit Klima zusammenhängt. Weiter heißt es: „Auch die Erfordernisse in Prävention, Gesundheitsförderung und Therapie sind geschlechtsund gendertypisch verschieden.“ Als Beispiele werden dargestellt, dass Männer mehr Alkohol trinken, mehr rauchen und im Alter weniger Sport treiben als Frauen. Offen gestanden, wünschte ich mir, Minister Laumann, dass Sie die Handlungsempfehlungen Ihrer eigenen Behörde ernst nehmen und hier gleich sagen, dass wir zwar schon einiges tun, aber uns für eine geschlechtergerechte Klimagesundheit politisch noch mehr bewegen müssen. Wir freuen uns jedenfalls auf eine konstruktive Debatte in den Ausschüssen. – Bleiben Sie gesund. (Beifall von der SPD – Heiterkeit von Thorsten Klute [SPD])

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