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Christof Rasche

22.03.2024 Sitzungen 18/60

Vielen Dank. – Für die Landesregierung hat Ministerin Ina Scharrenbach das Wort. Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung: Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete! Ich spreche heute in dieser Debatte, der ich habe folgen dürfen, in Vertretung für die zuständige Kollegin Ministerin Paul. Sie wissen eines sehr genau: Die Sozial- und Erziehungsberufe und insbesondere die Berufe im Bereich der frühkindlichen Bildung sind sehr stark nachgefragt. Das ist erst mal eine gute Ausgangslage. Jedes Jahr entscheiden sich viele Menschen für eine Tätigkeit in der Kindertagesbetreuung. Wir verzeichnen einen Beschäftigungszuwachs, und das in einer demografisch schwierigen Lage, in der viele Ältere in den Ruhestand gehen. Der Personalbestand in den Kindertageseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen ist in den zehn Jahren von 2012 bis 2022 allein bei den Erzieherinnen und Erziehern in Summe um mehr als 27.200 Personen gewachsen. Dies entspricht einem Plus von 59 % in den letzten zehn Jahren und ist rückblickend betrachtet erst mal ein großer Erfolg. Es steigt aber nicht nur die Anzahl der Kita-Mitarbeiter, sondern auch die der zu bildenden, zu betreuenden und zu erziehenden Kinder in den Kindertageseinrichtungen, denn die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat heute eine andere Bedeutung als noch vor 20 Jahren. Man kann feststellen: Die beiden Entwicklungen haben nicht miteinander Schritt gehalten. Diese Entwicklung wird seit Jahren gesehen, aber es ist trotzdem zu konstatieren, dass sie sich aktuell noch verschärft. Der durch das MKJFGFI geförderte Forschungsverbund Deutsches Jugendinstitut/Technische Universität Dortmund hat im vergangenen 22.03.2024 Monat eine Studie vorgelegt, die die Fachkräftesituation in Nordrhein-Westfalen analysiert. Den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ist es gelungen, erstmalig in Deutschland einen Überblick über die Fachkräftesituation in den unterschiedlichen Bereichen der Kinder- und Jugendhilfe für ein Bundesland zu erstellen. Der Analyse der Studie zufolge besteht je nach Szenario bis 2030 ein zusätzlicher Personalbedarf im Bereich der Kindertageseinrichtungen von zwischen rund 9.000 und rund 20.000 Beschäftigten im System. Sie merken aufgrund der Spanne, dass eine Reihe von statistischen Variablen Eingang in diese Studie gefunden hat. Der Fachkräftemangel ist natürlich eine zentrale Frage für die Zukunft der frühkindlichen Bildung. Aufgabe der Politik ist es daher, die passenden Rahmenbedingungen zu gestalten. Es ist daher gut und wichtig, dass wir dank der Studie der TU Dortmund und des Deutschen Jugendinstituts nun ein fundiertes Bild von der aktuellen Fachkräftesituation und den zu erwartenden Entwicklungen haben. Es ist aber falsch, hier allein auf die Abbrecherzahlen bei den Ausbildungsgängen zu schauen, wie im Antrag vorgeschlagen, denn wir reden hier – insbesondere beispielsweise bei der Kinderpflegeausbildung – von noch sehr jungen Menschen, teilweise 16-Jährigen. Das ist eine Orientierungsphase im Leben, die auch mit Brüchen versehen sein darf. Insofern brauchen wir einen differenzierten Blick, denn wir wollen junge Menschen dazu ermutigen, sich für das Berufsfeld zu interessieren, weil es ein sehr schönes Berufsfeld ist. Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen wird die Erkenntnisse aus der Studie nutzen, um gezielt Fragestellungen wie die Übergänge von der Ausbildung in das Berufsfeld, aber beispielsweise auch die Abbruchquoten anzugehen. Im Übrigen gilt es auch zu berücksichtigen, dass Abbruchquoten mitunter Wechsel innerhalb des Feldes, aber in eine andere Ausbildungsform bedeuten. Gezielte Maßnahmen der ausbildungsbegleitenden Heranführungen an das jeweilige Berufsfeld können dabei helfen. Beispielsweise wurden in den Studiengängen der Sozialen Arbeit erste Vertiefungsspuren für den Allgemeinen Sozialen Dienst implementiert, um bereits während dieses Studiums Einblicke in die Arbeit des Allgemeinen Sozialen Dienstes zu ermöglichen und insofern die Studierenden bereits in ihrer Ausbildung auf dieses Arbeitsfeld vorzubereiten. Wir brauchen für die verlässliche Betreuung, Bildung und Erziehung unserer Kinder in den Kindertageseinrichtungen mehr ausgebildete Menschen. Dazu gehören die Erzieherinnen und Erzieher, die Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, aber eben auch die Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger, die eine zweijährige, staatlich anerkannte Ausbildung durch-Landtag laufen haben und in allen Gruppenformen eingesetzt werden können. Diese Möglichkeit, Personal flexibel einzusetzen und multiprofessionelle Teams zu stärken, hat die Landesregierung im Sommer 2023 auch auf Wunsch der Träger geschaffen. Neben Fachkräften werden auch pädagogische Ergänzungskräfte in Kitas eingesetzt. Das führt dazu, dass Erzieherinnen und Erzieher unterstützt werden und sich auf ihre pädagogische Kernaufgabe konzentrieren können. Dazu gehört es auch, dass Menschen, die ihre Ausbildung im Ausland absolviert haben, schneller Zugang zum Arbeitsfeld der frühkindlichen Bildung erhalten. Kollege Hafke hat das ausgeführt. Aber Sie wissen, dass die Landesregierung sehr engagiert daran arbeitet. Insofern ist Ihre Forderung – das würde ich jetzt mal frech behaupten – schon erfüllt. (Lachen von Marcel Hafke [FDP]) In Vertretung von Kollegin Paul habe ich Ihnen damit die aus Sicht der Landesregierung für eine Ablehnung des Antrages sprechenden Argumente dargelegt. – Ich wünsche Ihnen schon jetzt eine gesegnete Osterzeit. Herzlichen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)

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