Ina Brandes
Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Lesen ist eine wichtige Grundkompetenz. Wenn man sie fehlerfrei beherrscht, erkennt man sogar, dass wir hier eine kulturpolitische und keine schulpolitische Debatte führen. Wir haben schon viel über die Bedeutung des Lesens gehört. Für mich persönlich kann ich sagen: Als jemand, der in der südniedersächsischen Provinz, wo sich Fuchs und Hase „gute Nacht“ sagen, aufgewachsen ist, kann ich sagen, dass man ohne Bücher, ohne Literatur, ohne Geschichten verloren gewesen wäre, denn nur über Literatur hat sich überhaupt die Welt geöffnet. Ich hatte die Gelegenheit, sie kennenzulernen. Insofern liegt mir die Förderung des Lesens und die Förderung von Literatur persönlich sehr am Herzen. Ich weiß, dass viele von Ihnen am Vorlesetag teilgenommen haben. Ich war hier in einer Schule in Düsseldorf und habe aus dem „Doppelten Lottchen“ vorgelesen. Nach ungefähr einer halben Stunde sagte ich, ich müsste Schluss machen, weil ich langsam ins Büro müsste. Das kollektive entgeisterte Aufschreien aller Kinder im Raum, die wirklich gebannt zugehört 25.01.2024 hatten, forderte jedoch von mir, dass ich unbedingt noch eine Viertelstunde bleiben müsste. Das ist schon ein schönes Gefühl. Man hat als Kulturministerin zum Glück viele schöne Termine, aber das war ein besonders schöner, weil man auch da wieder gesehen hat, dass eine neue Generation an begeisterten Literaturratten heranwächst. Natürlich ist Lesen wichtig für gesellschaftliche Teilhabe – das wissen wir alle –, für ein erfülltes Berufsleben, aber auch für ein erfülltes Privatleben. Yvonne Gebauer hat eben das Richtige gesagt: Natürlich ist das eine bildungspolitische Aufgabe, es ist auch eine Aufgabe der Familien. – Ich sehe aber tatsächlich – ich glaube, das haben wir alle in den demokratischen Fraktionen gemeinsam – eine kulturpolitische Verantwortung, Lesekompetenz und Literatur zu fördern. Deswegen danke ich sehr herzlich für die Debatte unter den antragstellenden Fraktionen, weil ich finde, dass sie im Ton, in der Aussagekraft, in der Klarheit sehr beeindruckend und wohltuend anders war als manches, was wir hier sonst miteinander machen. Ich gebe auch ausdrücklich dem Kollegen Bialas recht, wenn er sagt, dass wir in der Förderung, was Lesen und Literatur angeht, noch Luft nach oben haben. Wir machen viel, und man muss auch alles das, was vor allem durch ehrenamtliches Engagement in Bibliotheken, in Literaturhäusern, in Sommerleseclubs und bei ähnlichen Aktionen geleistet wird, sehr würdigen. Ich bin aber mit Ihnen völlig einer Meinung, dass das ausbaufähig ist, und zwar in vielerlei Hinsicht, was die Institutionen angeht, was auch die Vernetzungen zwischen den Institutionen betrifft, was zum Beispiel aber auch die Zusammenarbeit mit der lit.COLOGNE betrifft, weil sie eben das bedeutendste und größte Literaturfestival und in Europa ist. Ich glaube, dass wir eine Chance haben, kulturpolitisch da sozusagen anzudocken und die Reichweite, die dieses Festival hat, zu nutzen, vor allem für Kinder und Jugendliche, für Angebote, die man mit den vorhandenen Strukturen, die wir haben, alleine gar nicht auf die Beine stellen würde. Ich glaube, dass wir da gemeinsam eine ganze Menge machen können. Ich bin auch sehr froh, dass die Art und Weise, wie wir das hier besprochen haben, der Bedeutung des Lesens in jeder Hinsicht gerecht geworden ist. Deswegen nehme ich diesen Auftrag natürlich sehr gerne an, all die Dinge umzusetzen, die der Antrag aus meiner Sicht zu Recht fordert. Ich freue mich jetzt auf die weitere gemeinsame Arbeit zu den Themen der kulturellen Bildung. – Herzlichen Dank. (Beifall von der CDU, der SPD, den GRÜNEN und der FDP) Landtag
