Dr. Hartmut Beucker
Frau Präsidentin! Verehrte Damen, geehrte Herren! Die Literatur der Welt hat viele wunderbare Werke zu bieten. Es gibt unzählige Listen, was man alles gelesen haben müsste. Da wäre zu nennen Shakespeares „Macbeth“, „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing, „Emma“ von Jane Austen, „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll, „Krieg und Frieden“ von Leo Tolstoi und „Frühlings Erwachen“ von Wedekind. 25.01.2024 Bei Jugendlichen begehrt waren, soweit ich das weiß, „Der Steppenwolf“ von Hermann Hesse, „Der Zauberberg“ von Thomas Mann, „Im Westen nichts Neues“ sowie „1984“ von George Orwell. Das sind auch für Jugendliche schon sehr geeignete Werke. Um diese Romane, Erzählungen und Kurzgeschichten lesen, genießen, erleiden und auf sich einwirken lassen zu können, braucht es Lesekompetenz. Die setzt sich zusammen aus kognitiven Teilfähigkeiten sowie subjektiven und sozialen Komponenten und ist abhängig von individuellen und sozialen Lebensumständen. Aber wie sieht es mit dieser Schlüsselkompetenz in Deutschland aus? Betrachten wir dazu die Ergebnisse der letzten PISA-Studie aus dem Jahr 2022, präsentiert auf dem deutschen Schulportal – ich zitiere –: „Im Bereich Lesekompetenz erreichen etwa 75 % der 15-Jährigen in Deutschland das Mindestniveau […]. Diese Schülerinnen und Schüler sind zumindest in der Lage, die Hauptaussage eines mittellangen Textes zu erfassen. Die Gruppe der besonders leseschwachen Schülerinnen und Schüler, die das Mindestniveau verfehlen, liegt bei 25 %. Im Vergleich zu 2018 hat der Anteil um 5 % zugenommen. An nichtgymnasialen Schularten liegt der Anteil der Leseschwachen sogar bei 35 %. […] Diese Jugendlichen sind kaum in der Lage, Texte sinnentnehmend zu lesen.“ Das ist besorgniserregend. Da es sich hier Durchschnittswerte handelt, dürfte der Anteil der Leseschwachen an sogenannten Brennpunktschulen noch erheblich höher liegen. Hierin liegt das allergrößte Problem für das ehrenwerte Anliegen dieses Antrags. Die Bildungsministerin hatte eine große Zahl an Lehrern an solche Brennpunktschulen zwangsversetzt, was unter Umständen deren Motivation nicht besonders gestärkt hat, aber was die Kompetenz der Schüler ja durchaus stärken kann. Andreas Schleicher, OECD-Bildungsdirektor und somit PISA-Chef, weist den Lehrern die Schuld an den sich abwärtsbewegenden PISA-Werten zu. Diese hätten ein Selbstverständnis als Befehlsempfänger, hielten sich an Lehrpläne, hätten zu wenig Ideen für den Unterricht und würden sich mit Überlastung herausreden. Die Lehrkräfte müssten Coaches für die Schüler sein und den Eltern als Bezugspersonen zur Seite stehen, ja, zur Not die Kinder zu Hause besuchen. Uff, meine Damen und Herren, das ist eine Stellungnahme, die von deutlich reduzierter Einsicht in die Praxis geleitet worden zu sein scheint. Der Vorsitzende des Lehrerverbandes wies denn auch darauf hin, dass Lehrer meist mehrere Klassen betreuen würden und die Klassen groß seien. Die Landtag steigende Zahl von Kindern aus bildungsfernen Familien tut das ihrige. Ein Riesenproblem ist außerdem die hohe Anzahl von Migranten, die zuhause kein oder kaum Deutsch sprechen und überhaupt der Sprache wenig mächtig sind. Da ist es auch schwer, so zu lesen, wie das laut Antrag wünschenswert ist. Den Lehrern die Verantwortung in die Schuhe zu schieben, erscheint also als deutlich unterkomplex. Demgegenüber bietet der Antrag aber kaum Lösungsansätze und blendet das weitgehend aus. Er betont die Bedeutung von Lesen und Literatur für Sprachfähigkeit, Persönlichkeitsentwicklung und Teilhabe für alle Altersgruppen. Um dies zu fördern, sollen generationsübergreifende Angebote gemacht werden. Niedrigschwellige Angebote sind besonders nötig; da stimmen wir zu. Kooperationen zur Literaturentwicklung demgegenüber sind nicht unbedingt erforderlich, um diese Lesekompetenz für uns zu sichern. Der Ansatz ist kaum mehr als das – ein Ansatz. Hier ist dringend zu vertiefen. Aber besser so ein Anfang gemacht, als gar nichts zu tun. Mit anderen Maßnahmen kann das zur Entfaltung der gewünschten Lesekompetenz und Lesekultur beitragen. Wir stimmen dem Antrag zu. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
