Anja Butschkau
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Ich freue mich, dass wir heute mit allen demokratischen Fraktionen diesen Antrag auf den Weg bringen können. Denn das Thema „Endometriose“ ist wichtig. Es ist eine Krankheit, die ca. 10 bis 15 % aller Frauen im gebärfähigen Alter betrifft, die große Schmerzen auslöst und die die Chance auf eine Schwangerschaft verringert. Kurz: Endometriose ist eine ernst zu nehmende Erkrankung. Dennoch bleibt Endometriose allzu oft und viel zu lange unerkannt, weil es in vielen medizinischen Praxen immer noch an Fachwissen mangelt. So berichten viele Betroffene von langen Irrfahrten von Arztpraxis zu Arztpraxis, bis endlich jemand ihre Beschwerden ernst nimmt, nach der richtigen Ursache für die Schmerzen und Symptome sucht und die erlösenden Worte fallen: Sie sind nicht empfindlich, Sie haben Endometriose. Das liegt zum Teil an mangelnder Aufklärung und fehlendem Fachwissen. Zum Teil trüben aber auch in der Medizin noch die üblichen Geschlechterklischees den medizinischen Blick, in diesem Falle das Klischee der empfindsamen Frau. Dann heißt es vorschnell: Das sind doch nur Regelschmerzen. Ich verschreibe Ihnen mal die Pille. Landtag Das ist ein unhaltbarer Zustand. Wir können doch jungen Frauen nicht zumuten, dass sie mit Schmerzen in eine Arztpraxis gehen und dann nicht die Hilfe bekommen, die sie benötigen. Deshalb müssen wir die Fortbildungen unserer Ärztinnen und des medizinischen Fachpersonals im Bereich der Endometriose stärken. Wir müssen aber auch die Versorgung mit Endometriosezentren stärken und den Wissenstransfer in der Behandlungspraxis verbessern. Zugleich besteht immer noch eine große Wissenslücke. Der Forschungsbedarf zu Endometriose ist groß. Es fehlen nicht nur Daten, auch die Ursachen von Endometriose sind uns noch nicht bekannt. Ebenso mangelt es an wirksamen Therapien. Deshalb müssen wir die Forschung zu Endometriose an unseren Hochschulen stärken. Schließlich kommt auch der Schule eine wichtige Funktion zur Aufklärung und Sensibilisierung zu. Wenn Schülerinnen frühzeitig über Endometriose aufgeklärt werden, gewinnen sie auch als Patientinnen Souveränität. Die schulische Aufklärung trägt aber auch zum Abbau der gesellschaftlichen Tabuisierung gynäkologischer Erkrankungen bei. Deshalb wollen wir prüfen, wie wir Endometriose besser in den Fort- und Weiterbildungen unserer Lehrkräfte verankern können. Eine gerechte und solidarische Gesellschaft muss eine geschlechtergerechte Gesellschaft sein. Eine leistungsfähige Medizin muss geschlechtergerecht sein. (Beifall von Hedwig Tarner [GRÜNE]) – Danke. Mit diesem Antrag gehen die demokratischen Fraktionen heute einen ersten Schritt in Richtung einer geschlechtergerechten medizinischen Versorgung. Wir setzen damit ein wichtiges Zeichen in Richtung der betroffenen Frauen und sagen: Wir sehen euch. Ebenso klar ist aber, dass dieser Antrag nur ein Anfang sein kann. In einem nächsten Schritt werden wir uns für eine Aufklärungskampagne einsetzen, die Betroffene sensibilisiert. Dafür werden wir als SPD-Fraktion in der dritten Lesung des Haushalts noch einen Änderungsantrag über 150.000 Euro einbringen. – Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und Glück auf! Danke schön. (Beifall von der SPD – Vereinzelt Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
