Carlo Clemens
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Der Lehrkräftemangel ist an allen Schulformen enorm und erfordert unterschiedliche, einander ergänzende Maßnahmen. Die Lehrerausbildung leidet unter strukturellen Mängeln; es klang hier mehrfach an. Sie bringt zu wenig und tendenziell immer weniger Nachwuchs hervor. Das zeigt der Rückgang der Lehramtsabsolventen in NRW. Das zeigen die hohen Abbruchzahlen im Lehramtsstudium. Auch die absolute Zahl der Lehramtsabsolventen ist rückläufig. Zwischen 2011 und 2021 betrug der Rückgang in NRW satte 9 %, und das bei steigenden Schülerzahlen. Die AfD-Fraktion hat in dieser Legislaturperiode schon Vorschläge gemacht, wie man die Lehrerausbildung praxisnäher und effizienter gestalten oder wie man zusätzliche Anreize für junge Lehrkräfte schaffen kann, in strukturschwache Regionen mit besonders hohem Lehrkräftebedarf in einigen Schulformen und -fächern zu gehen. Es gibt bundesweit interessante Initiativen und Studienangebote, von denen man sich inspirieren lassen kann. Angesichts des Personalnotstandes und der alarmierenden Prognosen bedarf es mehrerer Wege, um neben der regulären Lehrerausbildung zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen, um Lehrkräftepersonal für Schulformen zu gewinnen, an denen der Mangel besonders herrscht. Damit sind nicht die von der Landesregierung vorangetriebenen dienstrechtlichen Maßnahmen mit längeren Abordnungen gerade an Grund- und Förderschulen gemeint. So machen wir diesen Beruf ganz Landtag sicher nicht attraktiver, und so senden wir auch kein positives Signal an den Lehrernachwuchs. Die in diesem Gesetzentwurf vorgesehene Verlängerung der Befristung der Möglichkeit, dass sich Lehrer berufsbegleitend für das Lehramt für sonderpädagogische Förderung weiterbilden können, bietet aus meiner Sicht keinen Anlass für eine Kontroverse. Als Baustein innerhalb eines breiten Mosaiks ist diese Maßnahme sehr lobenswert. Natürlich sollten die gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen, die entsprechenden Fachleiterstellen eingerichtet und die in diesem Zusammenhang entstehenden Kosten auskömmlich finanziert werden. Wenn das Angebot gut genutzt wird, muss es perspektivisch ausgebaut werden. Ich möchte meine Rede nutzen, um auf einen Maßnahmenkatalog des Stifterverbandes hinzuweisen, der heute Morgen veröffentlicht wurde. Dort geht es explizit um das Thema „Lehrkräftebildung“, um verbindliche Kooperationsstrukturen bei den verschiedenen Ausbildungsbereichen und darum, dass es mehrere alternative Wege in das Lehramt geben müsse und Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten für den Beruf bereitgehalten werden müssten. Wir harren der Dinge und warten ab, was die Landesregierung 2025 zur Evaluation der Lehrerausbildung zu berichten hat. Sie sind reichlich spät dran. Wichtig und interessant ist für uns vor allem, welche Maßnahmen Sie ergreifen, um die strukturellen Mängel nicht nur in der Sonderpädagogik, sondern in der Lehrerausbildung insgesamt nachhaltig anzugehen. Die Zahlen sind dramatisch genug. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
