Kirsten Stich
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Die AfD schlägt in ihrem Antrag vor, die Grundschullehramtsausbildung attraktiver und praxisnäher zu gestalten, indem eine Pädagogische Hochschule in Nordrhein-Westfalen eingerichtet wird. Eines ist jedoch völlig klar: Ein Beruf, auch der der Grundschullehrkraft, wird nicht attraktiver, weil es eine neue Hochschule gibt. Diese von der AfD beantragte Hochschule hat ja überhaupt keine Ressourcen. Bis die Gebäude gebaut, die Verwaltung eingesetzt, entsprechendes Personal eingestellt und dann auch noch die Studiengänge konzipiert sowie akkreditiert sind, vergehen Jahre. So wird weder der Beruf attraktiver, noch wird den Kindern in den Grundschulen und den Lehrerinnen und Lehrern in den Grundschulen von Nordrhein-Westfalen kurzfristig geholfen. 25.10.2023 Aus der Historie: Am 1. April 1980 wurden die Pädagogischen Hochschulen in NRW aufgelöst, also vor fast 44 Jahren. Ich weiß ja, dass die AfD gerne an frühere Zeiten anknüpfen möchte. Die Rhetorik und die Reden einiger AfD-Abgeordneter hören sich ja nicht umsonst so an wie vor 90 Jahren. An diesem Antrag sieht man: Wenn die AfD auch nix kann, abschreiben kann sie. (Heiterkeit von der SPD und der FDP) Viele der aufgeführten Vorschläge in diesem Antrag von den Seiteneinsteigern bis zur Reformierung der Lehrer*innenausbildung sind eins zu eins aus Anträgen der SPD-Fraktion übernommen worden. Was bekannt ist und Lehrer eigentlich wissen sollten: Wenn man abschreibt, weiß man häufig nicht so richtig, wovon eigentlich die Rede ist. Auch das ist hier erkennbar. Ihre Vorschläge sind weder ausreichend durchdacht noch zielführend. Ich möchte betonen: Die Problematik des Lehrermangels wird schon seit Jahren hier in diesem Landtag intensiv diskutiert – auch in der letzten Legislaturperiode. (Zuruf von der AfD: Getan haben Sie nichts! – Weitere Zurufe von der AfD) Es steht völlig außer Frage, dass wir kurzfristig Maßnahmen ergreifen müssen, um den Lehrkräftemangel in den Griff zu bekommen. Dazu hat die SPD seit Jahren ganz konkrete Vorschläge gemacht. Es müssen in Nordrhein-Westfalen endlich Ein-Fach-Lehrkräfte eingesetzt und der Seiten- und Quereinstieg vereinfacht werden. Die Hochschulen für angewandte Wissenschaft müssen endlich in die Ausbildung von Lehrkräften eingebunden werden. Wir müssen das Rad aber nicht neu erfinden. Es gibt jede Menge Vorschläge, die seit Jahren auf dem Tisch liegen. Dazu bedarf es allerdings keines Antrages, der in keiner Art und Weise dafür sorgt, dass der Lehrermangel im Grundschulbereich kurzfristig behoben wird. Denn die bloße Gründung einer weiteren Hochschule wird, wie gesagt, kurzfristig nicht zu mehr Lehrkräften führen und diese herbeizaubern. Vielmehr bedarf es einer Attraktivitätssteigerung des Lehrerberufs. A13 für alle Lehrkräfte und natürlich auch eine entsprechend höhere Besoldung der Schulleitung, der Konrektorstellen und der Funktionsstellen – darauf sollte unser Fokus liegen. Einen entsprechenden Antrag zur Besoldungsstruktur haben wir heute Morgen eingereicht. Wichtig ist, die bereits bestehenden Universitäten und Lehrerausbildungsstätten zu unterstützen und zu reformieren. Die Lehramtsausbildung muss praxisnäher und effizienter werden. Auch muss bezüglich der Bezahlung der Lehramtsanwärterinnen eine Reformierung stattfinden. Wir brauchen schnelle, pragmatische und effektive Ansätze, um diesen Beruf effektiver und attraktiver zu machen, die Lehramts-Landtag ausbildung zu reformieren und die beste Bildung für unsere Kinder zu bekommen. Es wäre auch schön, wenn die Landesregierung endlich tätig werden würde und nicht wie heute Morgen unsere guten Vorschläge zurückweisen würde. Wir lehnen Ihren Antrag inhaltlich ab. Der Überweisung in den Fachausschuss stimmen wir zu. (Beifall von der SPD und Franziska Müller- Rech [FDP])
