Christof Rasche
Für die Landesregierung spricht nun Herr Minister Karl-Josef Laumann. Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales: Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich bin immer dafür, dass wir auch hier im Parlament versuchen, realistische Bilder über eine Situation zu besprechen, weil die Tatsache, dass man die Situation richtig erkennt, die Voraussetzung dafür ist, dass man die richtigen Maßnahmen ergreift. Jetzt will ich erst mal einige Punkte sagen. Meine Vorredner aus den uns tragenden Fraktionen haben Landtag schon alles gesagt. Die Investitionsoffensiven, die wir in Nordrhein-Westfalen für die Pflegeschulen vorgenommen haben, sind einzigartig in ganz Deutschland. Sie werden kein Land finden, das in den letzten Jahren 350 Millionen Euro in die Pflegeschulen gesteckt hat. Das hat auch gewirkt; denn zurzeit habe ich sehr oft die große Freude, an der Einweihung von renovierten oder auch neu gebauten Pflegeschulen teilzunehmen, wenn ich es terminlich hinkriege. (Beifall von der CDU) Der zweite Punkt ist, wir haben in der Pflege durch die Generalistik und durch die Finanzierungssystematik der generalistischen Pflegeausbildung die Situation, dass heute in Deutschland, aber eben auch in Nordrhein-Westfalen kein einziger Arbeitgeber in der Pflege mehr einen Cent für die Berufsausbildung in die Hand nehmen muss. (Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]: So ist das!) Das gibt es in keinem anderen Beruf. Jeder Handwerker muss seine Lehrlinge selbst bezahlen. In der Pflege werden sie über einen Fonds bezahlt. (Zuruf) – Ich will das nur mal sagen. Das gibt es in keinem anderen Beruf. (Beifall von den GRÜNEN) Das gilt selbst für die Ausbildungsbegleiter. Alles wird aus dem Fonds bezahlt. Selbstverständlich stellt Nordrhein-Westfalen die Anteile, mit denen wir den Fonds finanzieren müssen, jedes Jahr im Haushalt dar und wird sie auch in den Fonds einspeisen. Ich will einen weiteren Punkt sagen. Wir haben in Nordrhein-Westfalen, wenn man das mal über einen Zeitraum von vier, fünf Jahren sieht, jedes Jahr zwischen 15.000 und 17.000 Menschen, die eine Pflegeausbildung anfangen. Das ist der Beruf, der von allen Berufen in Nordrhein-Westfalen die meisten Auszubildenden hat. Wenn wir wissen, dass Nordrhein-Westfalen im Jahr zwischen 170.000 und 180.000 Geburten hat und davon zwischen 15.000 und 17.000 nach der Regelschule eine Pflegeausbildung anfangen, (Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]: So ist das nämlich!) dann sollten wir doch einfach mal zur Kenntnis nehmen, dass für viele junge Leute die Pflegeausbildung nach wie vor attraktiv ist. Ich freue mich riesig darüber, dass sich so viele junge Menschen trauen und entscheiden, eine Pflegeausbildung anzufangen. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Es ist auch die Wahrheit, dass wir am Ende des Tages 12.000 bis 13.000 Staatsexamen haben. Das heißt, wir haben Abbrüche. Die haben wir auch bei Studierenden, die haben wir auch in der dualen Ausbildung. 21.09.2023 Aber ich möchte schon mal genauer wissen, woran das liegt. Deswegen haben wir vom MAGS Professor Isfort, der für uns die Pflegeberufserstattung macht, beauftragt. Ich glaube, das ist in Ordnung. Die machen das, glaube ich, ganz vernünftig. Wir haben ihn gebeten: Guck‘ doch bitte mal, damit wir wissen, warum die aufhören. Aber eines will ich auch sagen: Wir haben in der dualen Ausbildung ähnliche Abbruchquoten. Wir haben beim Studium sogar genauso hohe Abbruchquoten, wenn nicht noch höhere. Ich glaube, ein Grund im Vergleich zu früher ist, dass, wenn man heute feststellt: „Das liegt mir nicht so“, es heute viel einfacher ist, eine alternative Ausbildung zu finden, als das etwa zu meiner Jugendzeit der Fall war. Ich will auch keinen überzeugen, Krankenpfleger zu werden. Man muss immer dafür sorgen, dass die Berufswahlorientierung so ist, dass man etwas wird, was einem liegt und was man gerne mag. Denn dass man den richtigen Beruf hat, ist für ein Menschenleben ziemlich wichtig. (Beifall von der CDU und Tim Achtermeyer [GRÜNE]) Ich möchte später auf gar keinen Fall von jemandem gepflegt werden, den jemand gezwungen hat, mich zu pflegen. Das stelle ich mir ziemlich schlecht vor. Ziemlich schlecht! (Beifall von den GRÜNEN) Ich bin in einem Dreigenerationenhaus groß geworden. Als ich Kind war, waren die überall. Glaubt bloß nicht, dass die Pflege im Dreigenerationenhaus später schön war, wenn sich die alte Bäuerin und die junge Bäuerin vorher 20 Jahre lang in der Küche gezankt haben, wer das Sagen hat. Glaubt das bitte nicht! (Vereinzelt Heiterkeit) Ich wollte Ihnen nur sagen: Diese Zahlen können sich doch sehen lassen. Wir müssen natürlich jetzt gucken: Wie hoch ist der Anteil der Leute, die anschließend die Fachrichtung „Kinderpflege“ machen? Da haben wir ein Problem. Ich sage auch ganz offen, wenn es nach Karl-Josef Laumann gegangen wäre, wäre die Kinderpflegeausbildung geblieben und nicht in die Generalistik gegangen. Aber das ist nun mal anders entschieden. Wir müssen sehen, dass wir dies auch hinkriegen, weil sie uns an jeder Ecke und Kante fehlen. Deswegen einfach mal: Wenn fast 10 % eines Geburtenjahrganges in die Pflegeausbildung gehen, dann ist das eine Wahnsinnsleistung und spricht das für eine Wahnsinnsattraktivität des Berufs. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Wir arbeiten natürlich auch daran, dass wir bei der Zuwanderung viel hinkriegen. Das wird immer besser, aber die Wartelisten werden auch länger, weil Landtag die Zahl der Fälle immer mehr zunimmt. Wir haben bei der Bezirksregierung in Münster zurzeit relativ viel Personal, das sich mit dieser Frage beschäftigt. Auch da müssen wir optimieren. Wir müssen da mehr Personal reintun, damit, wenn die Leute zuwandern, die Pflegeanerkennungen in einem einigermaßen vernünftigen Zeitrahmen laufen. Da habe ich auch eine Baustelle. Aber beim jetzigen Haushalt mehr Personal zur Verfügung zu stellen, ist nicht so einfach. Notfalls müssen wir umschichten, und das werden wir auch machen. – Schönen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
