Marcel Hafke
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Das Bundeskriminalamt erfasste im Jahr 2021 rund 61.500 Fälle, in denen Kinder Opfer von Gewalt geworden sind. Die Dunkelziffer ist weitaus höher. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung schätzt, dass jedes fünfte Kind bzw. jeder fünfte Jugendliche Gewalt erfahren hat. Dass viele Kinder über Jahre hinweg Gewalt erfahren, ohne dass das etwa in der Kindertagesstätte oder beim Jugendamt auffällt, liegt an den mangelnden Kenntnissen der Fachkräfte, weil sie in Ausbildung oder Studium nicht auf eine mögliche Gefährdung vorbereitet wurden. Auch wenn wir in den vergangenen Jahren bereits viele Maßnahmen wie das Landeskinderschutzgesetz beschlossen haben, sind wir beim Thema „Kinderschutz“ noch lange nicht am Ziel. Landtag Die Arbeit im Untersuchungsausschuss und in der Kinderschutzkommission hat immer wieder gezeigt, dass es insbesondere in Ausbildung und Studium von Erziehern, Lehrern und Sozialarbeitern an einer Auseinandersetzung mit dem Thema mangelt. Die Hochschulen mit entsprechenden Studiengängen, die den Kinderschutz gerne in ihre Studiengänge mit aufnehmen würden, stehen allerdings vor dem Problem, dass es kaum Lehrende dafür gibt. In Deutschland existieren lediglich zwei Lehrstühle für Kinderschutz, nämlich an der FH Frankfurt und der FH Koblenz. Meine Damen und Herren, wir beschließen heute den nächsten logischen und wichtigen Schritt zur Stärkung des Kinderschutzes in NRW. Mit einer Professur für Kinderschutz und Kinderrechte schaffen wir eine wichtige Grundlage für Forschung und Ausbildung in diesem Bereich. Durch die Professur wird eine solide wissenschaftliche Grundlage für den Kinderschutz geschaffen. Das ermöglicht die Entwicklung evidenzbasierter Praktiken und Programme. (Beifall von der FDP) Ziel für die Zukunft muss es sein, dass niemand mehr aus dem Bereich der Frühpädagogik, der Kindheitswissenschaften und der Sozialen Arbeit ohne die entsprechende Expertise die Hochschule verlässt. (Beifall von der FDP – Vereinzelt Beifall von der CDU) Die wissenschaftliche Begleitung der Kinderschutzmaßnahmen kann unsere Bemühungen in NRW auf ein neues Niveau heben. Die Professur fördert darüber hinaus die Vernetzung zwischen Wissenschaftlern und Fachleuten, was den Informationsaustausch und die Entwicklung bewährter Verfahren unterstützt. Interdisziplinäres Fachwissen aus verschiedenen Fachgebieten kommt so zusammen, um den Kinderschutz zu verbessern. Die Professur stärkt aber auch das Wissen über den Kinderschutz in der Breite der Gesellschaft. Sie trägt dazu bei, das Bewusstsein für Kinderrechte und den professionellen Umgang mit Kindesmisshandlung, Vernachlässigung und sexuellem Missbrauch zu fördern. Meine Damen und Herren, wir legen heute den Grundstein für ein wichtiges Projekt im Bereich „Kinderschutz“. Ich bin dankbar und froh, dass wir das mit den demokratischen Fraktionen hier auf den Weg bringen und den Mut haben, den nächsten Schritt im Bereich „Kinderschutz“ zu gehen. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der FDP, der CDU, der SPD und den GRÜNEN)
