Sebastian Haug
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Alopecia areata oder kreisrunder Haarausfall ist die häufigste Haarausfallerkrankung. Sie tritt akut, meist unvorhergesehen ein, betrifft Männer und Frauen gleichermaßen und tritt am häufigsten bei jungen Erwachsenen auf, kann aber auch bei Kindern vorkommen. Der Haarausfall kann, wie wir gehört haben, von kleinen umschriebenen haarlosen Arealen auf der Kopfhaut bis zum vollständigen Verlust der Kopf- und Körperhaare reichen. Die Ursachen von Alopecia areata sind nicht vollständig geklärt. Mediziner gehen von einer Autoimmunreaktion gegen die in der Haut liegenden Haarbestandteile aus. Sämtliche möglichen Therapien werden in der Fachwelt derzeit kontrovers diskutiert. Der Verein Alopecia 25.08.2023 Areata Deutschland e. V., der Betroffene vertritt, beziffert die Selbstheilungsquote mit 75 bis 80 %. Viele Hautärzte raten daher den Patientinnen und Patienten, abzuwarten. Meine Damen und Herren, uns ist bewusst, dass Betroffene unter der Erkrankung leiden. Uns ist bewusst, dass diese Erkrankung eine Belastung darstellt und dass damit ein individueller Leidensdruck einhergeht – wie bei vielen anderen Erkrankungen auch. Die Frage, die sich mir, die sich uns allen stellt, ist nur, was so ein Antrag hier im Landtag von Nordrhein-Westfalen soll. In Deutschland entscheidet der Gemeinsame Bundesausschuss, das höchste Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen, in dem auch die Kassenärzte vertreten sind, über Leistungsansprüche der gesetzlich Krankenversicherten auf der Basis von im Ausschuss vorhandener oder von außen hinzugezogener medizinischer Expertise. Und der Gemeinsame Bundesausschuss hat sich 2018 darauf verständigt, dass gesetzlich Versicherte keinen Anspruch auf Übernahme der Kosten für die Behandlung von kreisrundem Haarausfall haben. Sollen wir als Landespolitiker allen Ernstes Beschlüsse darüber fassen, (Beifall von Thorsten Klute [SPD]) welche Erkrankungen aufgrund welcher wissenschaftlichen Erkenntnisse als Autoimmunerkrankungen zu klassifizieren sind und welche Behandlungen die gesetzlichen Krankenversicherungen übernehmen sollen und welche nicht? Sollen wir allen Ernstes der medizinischen Forschung sagen, zu welchen Ergebnissen sie gefälligst zu kommen hat? Für uns ist so eine Forderung schlichtweg Hybris und eine Anmaßung von Kompetenzen, die wir nicht haben. (Beifall von der CDU, Thorsten Klute [SPD] und Meral Thoms [GRÜNE]) Während der Coronapandemie habe ich gesagt: Hüten wir als Politiker uns davor, die besseren Virologen als die Wissenschaftler des Robert Koch-Instituts sein zu wollen. – Heute, zu diesem Antrag, sage ich: Hüten wir uns davor, die besseren Hautärzte und Immunologen als die tatsächlichen Fachärzte sein zu wollen. – Die CDU-Fraktion lehnt diesen Antrag daher ab. – Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und Ihnen allen ein schönes Wochenende. (Beifall von der CDU, den GRÜNEN und Thorsten Klute [SPD])
