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Dr. Patricia Peill

CDU 24.08.2023 Sitzungen 18/40

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Heute möchte ich über eine zukunftsweisende Vision sprechen, eine nachhaltige Zukunft für Nordrhein-Westfalen mit Hilfe der Bioökonomie. Wie können wir unser Leben nachhaltiger gestalten, ressourcenschonend, und gleichzeitig unseren Lebensstandard bewahren? Landtag Genau mit dieser Frage beschäftigt sich schon seit vielen Jahren die Bioökonomie. Sie ermöglicht nicht nur die Bewältigung drängender Umweltprobleme, sondern eröffnet Chancen für Innovation, wirtschaftliche Entwicklung und eine bessere Lebensqualität. Heute geht es um die Umsetzung einer bioversierten Ressourcenwende im Kontext der Kreislaufwirtschaft. Meine Damen und Herren, ich will Sie auf eine kleine Reise in die Zukunft mitnehmen. Auch wenn es schon spät ist, kommen Sie doch mit! Erstens. Stellen Sie sich mal ein NRW vor, in dem biobasierte Kunststoffe schrittweise herkömmliches Plastik ersetzen. Das entlastet die Umwelt von Plastikmüll. Stellen Sie sich ein NRW vor, in dem ressourcenschonend produziert wird. Statt aus Stahl werden Walzen aus nachhaltigen Fasern hergestellt. Dies senkt den CO -Fußabdruck. Ein NRW, in dem durch innovative Verfahren Papier- und Faserstoffe ohne hohen Wasser- und Energieverbrauch hergestellt werden. Das schützt nicht nur die Wasserreserven, sondern es verknüpft sogar die Energie- und die Ressourcenwende. Vielleicht auch ein NRW, in dem Chemikalien und Arzneimittel mit biologischen Prozessen gewonnen werden. Das bedeutet ganz neue Wege für Medizin, Pharma und Industrie. Und ein NRW, auf dem vielleicht auf jedem Hof nicht nur gesunde Nahrungsmittel, sondern auch Wasserstoff aus Strohschrot, Grünschnitt, Bioabfällen und Mikroorganismen hergestellt wird, eine Art energieautarker Bauernhof. Sie merken, die Welt der Bioökonomie bietet wirklich viel Zukunft. Heute haben sich schon Landwirtschaft, Forschung und die oben genannten Industriesektoren auf den Weg gemacht, in diese Richtung zu gehen. Viele Projekte müssten noch skaliert werden. Die Zukunft ist auf dem Weg, wir brauchen aber eine Roadmap. In diesem innovativen Spektrum der Bioökonomie werden natürlich auch Ansätze entwickelt, um mögliche Flächenkonkurrenzen im Anbau zu minimieren. Das ist uns sehr wichtig. Der Schlüssel dazu ist die Kaskadennutzung, mit der technologische Innovationen höchste Ressourceneffizienz ermöglichen. Ich gebe mal ein Beispiel dazu. Der Weizen gibt uns gesunde Nahrung. Das Stroh kann Fasern für die Papierindustrie liefern, Reststoffe werden dann vergoren, produzieren saubere Energie. Die entstandenen Gärreste können zu Verpackung verpresst werden und diese dann nach der Nutzung wieder zu 100 % organisch zu Dünger verarbeitet werden. Das sind Beispiele, und davon gibt es viele in NRW. Viel Nutzung ohne Konkurrenz, und am Ende wird Bioabfall zu Dünger. All diese Beispiele aus NRW veranschaulichen, dass nachhaltige Bioökonomie das Potenzial hat, die Art und Weise, wie wir leben, 24.08.2023 arbeiten und produzieren, grundlegend zu verändern. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Darum geht es in diesem Antrag. Was genau ist Bioökonomie? Es geht darum, die Nutzung biologischer Ressourcen von Feldfrüchten, Fasergewächsen, Holz, Algen, Insekten, sogar Kaffeesatz, Mikroorganismen und viel mehr in einer nachhaltigen, effizienten Art so zu koppeln, dass gezielt biobasierte Stoffkreisläufe entstehen nach dem Motto: Vom Feld zum Markt, zu Energie, zu einem Produkt und wieder zurück aufs Feld. Zu den zentralen Bereichen der Bioökonomie gehören wirklich viele Bereiche: eine leistungsstarke Land- und Forstwirtschaft, Lebensmittelproduktion, Pharma, Papier, Chemie, Textil, unglaublich viele – alles Teile der NRW-Wirtschaft. Fest steht jetzt schon, dass die Voraussetzungen zur Etablierung einer nachhaltigen Wirtschaftsweise in NRW kaum besser sein könnten. Dieser Satz stammt aus einer aktuellen Prognos-Studie, die die Potenziale der Bioökonomie im Rheinischen Revier untersucht hat. Dies gilt aber nicht nur für das Revier, sondern in ganz NRW finden wir die besten Bedingungen für einen Boost der Bioökonomie vor. In meiner Heimat, dem Rheinischen Revier, haben wir mit dem BioökonomieREVIER ein einzigartiges Projekt auf den Weg gebracht, dass das Braunkohlerevier in eine Modellregion für nachhaltiges Wirtschaften mit Bioökonomie umgestalten soll. Ich denke, auch hier wäre das BioökonomieREVIER ein guter Impulsgeber für unsere Strategie. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Wir konnten während unserer Finnlandreise im Ausschuss genau merken, was die Bioökonomie in den skandinavischen Ländern alles erreicht und wie die in ihrer Kaskadennutzung in der Holzverarbeitung enorm großen wirtschaftlichen und sozialen Mehrwert schaffen. Deswegen wollen wir heute all unser Stakeholder vernetzen und Nordrhein-Westfalen zu einem führenden Standort unserer nachhaltigen Bioökonomie ausbauen, damit wir einen echten Innovationsmotor schaffen. Dazu fehlt bislang eine starke strategische Position von NRW. Deswegen wollen wir erstens heute die Basis für einen starken NRW-Bioökonomierat schaffen, der eine landesweite Strategie zum Ausbau der nachhaltigen Bioökonomie erarbeiten soll. Dabei wollen wir natürlich die Chancen, Risiken und vor allem die Potenziale untersuchen und auch heben. Zweitens. Wir wollen auch einen festen Platz im Bioökonomierat der Bundesregierung einnehmen, Landtag damit unsere Strategie bundesweit und europaweit gestalten kann. In dem Sinne: Bioökonomie bietet uns eine innovative Möglichkeit, Ökonomie, soziale und ökologische Ziele miteinander zu verbinden. Ergreifen wir heute diese Chance! Das wäre gut für uns. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)

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