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Angela Freimuth

FDP 24.08.2023 Sitzungen 18/40

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Auch wenn es in weiten Teilen unserer Gesellschaft Einigkeit und Zustimmung zum technologieoffenen Ausbau aller erneuerbaren Energien gibt, setzt sich gleichwohl langsam die Erkenntnis durch, dass wir zur Bewältigung des Klimawandels, zur Gestaltung der wirtschaftlichen Transformation und zur Deckung der bislang stetig steigenden Energiebedarfe auch neue zuverlässige und klimafreundliche Energiequellen brauchen. Die bisherigen Ergebnisse und Durchbrüche der weltweiten Forschung zur Kernfusion sind in diesem Zusammenhang vielversprechend. Die Sonne steht dabei Pate. Sie ist sozusagen das natürliche Fusionskraftwerk. Die Kernfusion ist längst keine Science-Fiction mehr. Die Vorteile der Kernfusion liegen dabei ganz offen auf der Hand: ressourcenschonend, sicher, grundlastfähig und wirtschaftlich gestaltbar. Aus 1 g „Fusionskraftstoff“ – in Anführungszeichen – kann so viel Energie gewonnen werden wie aus 11 bis 13 t Öl oder Steinkohle. Die Fusionsbrennstoffe stehen in der Natur praktisch unbegrenzt zur Verfügung. Wir emanzipieren uns damit natürlich auch aus geopolitischen Abhängigkeiten von fossilen Energielieferanten. (Beifall von der FDP) Die Kernfusion kann grundlastfähig und zuverlässig Energie für Industriecluster und Großstädte liefern und die erneuerbaren Energien wie Wind und Solar mit Blick auf die Volatilität notwendig ergänzen und insoweit einen Ausgleich schaffen. Die erst jüngsten Fortschritte in der Fusionsforschung zeigen, dass die technische Umsetzung dieser Technologie zeitlich in greifbare Nähe rückt. Weltweit läuft bereits das Rennen um die Entwicklung des ersten Fusionskraftwerks. Neben großen staatlichen Investitionen und Fördermaßnahmen – wie zum Beispiel in den Vereinigten Staaten von Amerika oder der Volksrepublik China – investieren auch energieintensive Unternehmen wie zum Beispiel Microsoft selbst in die Erforschung und Entwicklung der Fusionstechnologie. Wir stehen in Deutschland und in Nordrhein-Westfalen vor der entscheidenden Herausforderung, regulatorische Hemmnisse abzubauen und eine forschungs- und investitionsfreundliche Umgebung zu ermöglichen, zum Beispiel für Schlüsseltechnologien für Fusionsanlagen. Die Bundesregierung unterstützt die Entwicklung einer nationalen Strategie für die Fusionstechnologie. Nicht nur als bevölkerungsreichstes Bundesland, sondern insbesondere auch mit Blick auf unsere exzellente und leistungsstarke Forschungsinfrastruktur müssen wir in Nordrhein-Westfalen im Sinne unseres 24.08.2023 Forschungsstandortes mitziehen und die Weichen entsprechend stellen. (Beifall von der FDP) Das nordrhein-westfälische Ökosystem aus Forschungseinrichtungen, Industrie und Hochschulen, an denen bereits heute Schlüsseltechnologien für Fusionsanlagen erforscht und entwickelt werden, bietet beste Ausgangsvoraussetzungen und das Know-how, um Nordrhein-Westfalen als Modellregion für Forschung und Entwicklung sowie Nutzung von Fusionstechnologien zu etablieren und beispielsweise das Forschungszentrum Jülich als Exzellenzcluster für anwendungsorientierte Kernfusionsforschung auszubauen und die vorhandenen Kompetenzen dort zu bündeln. Wir wollen Nordrhein-Westfalen als zentralen Standort für die Forschung, Entwicklung und Nutzung von Fusionstechnologien für die Zukunft positionieren. Dazu gehört dann auch die Ermöglichung und Unterstützung eines ersten Demonstrationskraftwerkes. Denn wir wollen nicht einfach akzeptieren, dass innovative Unternehmen wie Marvel Fusion für ihre Investitionen mit Blick auf Offenheit auch in der Regulatorik nur eine Perspektive in Ländern wir den USA zu finden glauben. Auf die sich ergebenden positiven Effekte für den Wirtschaftsstandort wird mein Kollege Brockes in der zweiten Runde eingehen. Denn Wissenschaft und Forschung legen das Fundament für wirtschaftliche Prosperität. Ich freue mich auf die folgenden konstruktiven Beratungen in den Ausschüssen. – Vielen Dank. (Beifall von der FDP)

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