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Carlo Clemens

AfD 23.08.2023 Sitzungen 18/39

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Kollegen! Sprachvermögen und Denkvermögen gehören unmittelbar zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Die Sprache ist eine eigenständige Macht. Sie kann erkenntnisfördernde Wirkung entfalten. Sie kann jedoch auch erkenntnishindernd sein, wenn sie verkümmert. Sprache macht mit ihrem Wortschatz und ihrer Grammatik die Welt für uns sichtbar und begreifbar. Wir müssen Kinder und Jugendliche intensiv und gezielt in der deutschen Sprache fördern. Es braucht zusätzlich zur alltagsintegrierten Sprachförderung der Kitas ein Gesamtsprachförderkonzept auf Basis von einheitlichen und verbindlichen Sprachstandserhebungen im vorschulischen Bereich, und zwar nicht erst wenige Monate vor der Einschulung. Kinder mit Deutsch-Förderbedarf müssen vor der Einschulung in verpflichtenden Vorlaufkursen unterstützt werden. Es wurde schon mehrfach benannt: Hier müssen sich Bildungsministerium und Familienministerium in ihrem Vorgehen koordinieren und abstimmen. Kitas, Grundschulen und Eltern sind eng einzubinden und müssen zusammenarbeiten. Frühkindliche Sprachdiagnostik muss langfristig sichergestellt werden. Es braucht auch turnusmäßige Sprachstandsprüfungen in der Grundschule, und die Förderangebote müssen verbindlich sein. Auch brauchen wir mehr Aus- und Fortbildung pädagogischer Fachkräfte für gezielte vorschulische Sprachförderung. All das hat die AfD schon im Februar dieses Jahres beantragt. All das ist in den zurückliegenden Jahren sträflich versäumt worden. Die enormen Defizite im Lesen und Schreiben wurden uns durch die jüngsten Bildungsvergleiche von IQB bis IGLU noch einmal schmerzhaft vor Augen geführt. Kaum die Hälfte der Viertklässler in NRW erreicht die Regelstandards im Lesen und Schreiben. Viel zu viele verfehlen jegliches Mindestniveau. Insofern sind Anträge immer zu begrüßen, mit denen man bei der kindgerechten Sprachförderung weiterkommen will, auch wenn sie wie dieser FDP-Antrag etwas verspätet kommen. Leider findet man in diesem Antrag aber fast nichts darüber, wie man die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder mit konkreten und alltagspraktischen Maßnahmen verbessern kann. Die Forderungen nehmen sich vielmehr als Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Therapeuten aus. (Silvia Gosewinkel [SPD]: Also!) Landtag Das von Ihnen geforderte Landesinstitut für frühkindliche Sprachbildung, der Einsatz einer Fülle von Logopäden und Ergotherapeuten oder eine Digitalisierung der Dokumentation der alltagsintegrierten Sprachförderung wird keinem einzigen Kind helfen, die eigenen Sprachfähigkeiten zu verbessern. Hamburg und Hessen haben verbindliche Modelle entwickelt, die geeignet sind, die frühkindliche Sprachförderung verbindlicher und intensiver zu gestalten. Hieran müssen wir uns als NRW messen. Die jetzt schon eingesetzten pädagogischen Kräfte können sehr gut ganz konkrete Maßnahmen anwenden, die jeden Tag das Sprachvermögen der Kinder verbessern und dokumentieren. Ihnen müssen wir den Rücken freihalten. Vor allem brauchen wir mehr Personal, um bessere Betreuungsschlüssel ermöglichen zu können. Der von der FDP vorgelegte Antrag reicht aus unserer Sicht nicht aus. Alles Weitere besprechen wir in den Ausschüssen. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD und Dr. Christian Blex [fraktionslos])

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