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Silvia Gosewinkel

SPD 23.08.2023 Sitzungen 18/39

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Meine Damen und Herren! Schön, dass wir jetzt wieder an diesem Ort über Sprachförderung sprechen; vielen Dank, liebe FDP-Fraktion. Wir haben viele dieser Punkte im Masterplan Kindergesundheit bereits Anfang des Jahres eingebracht. Letzte Woche im Schulausschuss, liebe Kollegin Müller-Rech – daran kann ich mich noch gut erinnern –, haben Sie gesagt: Ja, es sind ein paar gute Sachen drin, aber nicht alles. Sie haben sich enthalten. Jetzt finde ich genau die guten Sachen hier in diesem 23.08.2023 Antrag wieder. Es ist schön, dass wir da an einem Strang ziehen können. Ich möchte gerne die Gelegenheit nutzen, einige Punkte noch einmal klarzustellen. Schön, dass Frau Paul auch darauf eingegangen ist, dass es auch das Gesundheitswesen betrifft, wenn es zum Beispiel um Sprachtherapie geht. Ich finde es toll, dass zwei Ministerinnen es jetzt so darstellen, dass es eine ressortübergreifende Zusammenarbeit gibt. Ich finde allerdings, dass der Gesundheitsminister genauso dazugehört. Ich möchte zunächst auf die Definition von Sprachtherapie und Sprachförderung eingehen. Das wird nämlich in dem Antrag nicht ganz klar. Sprachförderung betrifft alle Kinder. Das Ziel ist die Förderung für den physiologischen Spracherwerb. Da gibt es differenzierte Untergruppen, zum Beispiel Kinder, die bald in die Schule kommen, die Vorschulkinder, wo dann gezielt phonologische Bewusstheit geübt wird. Das ist wichtig zum Lesen- und Schreibenlernen. Sprachtherapie hingegen ist für die Kinder, die ein halbes Jahr im physiologischen Erwerb verzögert sind. Und das ist dann für die Logopädie oder die Sprachtherapie die Zielgruppe. Ziel ist es, Meilensteine zu erreichen wie zum Beispiel das Verständnis von Nebensätzen. Das sollte jedes Kind mit ungefähr vier Jahren können. Erlauben Sie mir ein paar weitere fachliche Anmerkungen. Das Thema „Mehrsprachigkeit“ wird kurz angerissen. Ich finde, wer seine Erstsprache gut erwirbt, der lernt auch seine Umgebungssprache. Das Ganze braucht einfach Zeit. Ich wünsche mir, dass wir da eine gute Haltung entwickeln. Mehrsprachigkeit ist ein Schatz. Den gilt es zu heben, und das ist nicht, wie Sie es so darstellen, ein Risikofaktor nach dem Motto: Wenn es obendrauf kommt und ein Kind sprachentwicklungsgestört ist, dann kann es schwierig werden. – Ich freue mich darauf, irgendwann von den Ergebnissen der Konferenz „NRW MehrSprachig in die Zukunft“ aus dem Familienministerium zu hören. Das haben Sie auch auf der Agenda stehen. Dann zum Screening. Ich sagte gerade, wenn es um Sprachtherapie oder gezielte Förderung geht, dann muss festgestellt werden: Wie weit sind Kinder in der Entwicklung verzögert? Was genau liegt denn vor? Wir von der SPD-Fraktion fordern dieses Screening mit viereinhalb Jahren. Das hat einen wesentlichen fachlichen Grund. Das habe ich im Schulausschuss auch schon gesagt. Kurz vor der Einschulung ist viel, viel zu spät. Ich möchte, dass die Kinder mit viereinhalb Jahren getestet werden, weil mit vier Jahren der mündliche Spracherwerb abgeschlossen ist und ein Alltagswortschatz feststeht, es gibt die Grammatikentwicklung, auch die Aussprache ist verständlich. Das „Sch“ – okay, noch nicht. Aber ansonsten ist vieles vorhanden. Landtag Uns ist wichtig, dass dieses Screening ressortübergreifend ist. So schreiben Sie es auch von der FDP. Das haben Sie auch gerade gut erläutert. Das Gleiche hatten wir im Masterplan Kindergesundheit gefordert. Ich betone noch einmal: Ich finde es wichtig, dass die Berufsgruppen auf Augenhöhe miteinander zusammenarbeiten. (Beifall von der SPD) Liebe Frau Woestmann, wenn Sie in eine Kita gehen und auf Augenhöhe Bildkarten sehen, dann ist das schön und gut. Aber die Realität in den Kitas, in den Arztpraxen, in logopädischen Praxen ist anders: Es gibt kaum Zeit für Austausch. Wir brauchen hier eine Struktur – dafür sind wir hier verantwortlich –, (Beifall von der SPD) die wir liefern, damit diese Berufsgruppen auf Augenhöhe zusammenarbeiten können. Ein Screening könnte eine wunderbare Sache sein. Ein Punkt fehlt mir in Ihrem Antrag auch. Das Wort „Digitalisierung“ kommt bei der FDP eigentlich immer vor, hier nur einmal kurz als Verb. (Zuruf von Franziska Müller-Rech [FDP]) Wir könnten dieses Screening auch digital unterstützen. Das würde nämlich allen helfen. Was uns in den Kitas fehlt, ist Zeit. Wenn Sie in der Kita waren, Frau Woestmann, was haben die Ihnen denn erzählt? Wie funktioniert denn altersintegrierte Sprachförderung, zum Beispiel handlungsbegleitendes Sprechen beim Anziehen, beim Umziehen, beim Wickeln, beim Essen, in allen alltäglichen Situationen? (Beifall von der SPD) Und was passiert, wenn wir Personalmangel haben? Dann haben die Erzieherinnen dafür keine Zeit. Und wenn die keine Zeit haben, dann brauchen wir auch kein neues ABC von Sprachförderprogrammen oder noch irgendwas, was Sie wieder mit einer Fortbildung hinterlegen. Wir brauchen einfach mehr Personal, das dafür ausgebildet ist. (Beifall von der SPD) Genau deshalb ist es wichtig – das unterstütze ich –, dass alle Berufsgruppen selbstverständlich in der Kita auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Ja, Logopädinnen sind Heilmittelerbringer, das stimmt. Aber am Ende arbeiten wir doch alle am gleichen Kind. Es kann nicht sein, dass dann gesagt wird, ja, das muss jetzt erst einmal der Arzt regeln, und der Arzt sagt, da müssen wir erst mal gucken. Es gibt die Bildungsdokumentationen, die sind sehr ausführlich. Das an die U-Untersuchung geknüpft, könnte eine wunderbare Ergänzung sein. Dann haben wir vielleicht auch eine Chance, dass die Kinder, die jetzt in der Kita sind, in, sagen wir, sechs bis acht Jahren – das ist der Marathon, von dem Frau Feller spricht – andere Möglichkeiten 23.08.2023 haben, Lesen und Schreiben zu lernen, und zwar mit Zeit und mit der nötigen Verknüpfung. – Vielen Dank. Ich freue mich auf die weiteren Beratungen im Ausschuss. (Beifall von der SPD)

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