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Marcel Hafke

FDP 23.08.2023 Sitzungen 18/39

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir sprechen heute über die Förderung der frühkindlichen Sprachkompetenz. Denn die jüngsten Ergebnisse des IQB-Bildungstrends haben einen besorgniserregenden Abwärtstrend aufgezeigt: Jeder vierte Viertklässler kann nicht richtig lesen. Corona hat hier vor allem diejenigen getroffen, die sowieso schon mit schlechteren Bildungschancen ins Leben starten. Kinder, die ohne ausreichende Sprachkompetenzen ihre Schullaufbahn bestreiten, werden nicht nur dem Deutschunterricht nicht folgen können, sondern in allen anderen Fächern ebenso Probleme haben. Dies ist eine ernsthafte Herausforderung, der wir uns gemeinsam stellen müssen. Es geht dabei um Bildungsgerechtigkeit, um Teilhabe, um Integration. Es geht darum, Kindern den Zugang zu unserer Gesellschaft und später auch zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Am Ende geht es also auch um den gesellschaftlichen Zusammenhalt in diesem Land. Was macht die Landesregierung in dieser Situation? Werden die bisherigen Maßnahmen, die wir durchführen, evaluiert? Nein. Wird ein Aktionsplan ausgearbeitet? Nein. Stimmen sich die beiden zuständigen Ministerien und Ressorts ab? Nein. Frau Ministerin Feller hat diese Fragen in einer kürzlich durchgeführten Pressekonferenz sehr eindrucksvoll beantwortet – und damit ist es auch öffentlich dokumentiert –, und zwar mit einem klaren Nein. Denn sie hat ein Sprachscreening für Grundschüler vorgeschlagen. Das macht klar, dass sie sich in keiner Weise mit Familienministerin Paul abgestimmt hat. Es gab nämlich, Frau Ministerin Feller, bereits ein sogenanntes Screening im Kindergarten, und das ist Landtag krachend gescheitert. Delfin 4 ist in Nordrhein-Westfalen krachend gescheitert. Dies jetzt über die Hintertür wieder zu diskutieren und einzuführen, ist ein ernsthaftes Problem und auch der falsche Weg. (Beifall von der FDP) Stattdessen habe ich hier den Eindruck, dass eine Ministerin eher für Verwirrung und Irritation in der Szene sorgt und viele offene Fragen zurücklässt. Sie lassen wirklich viele Fragen offen: Soll Ihr Screening bereits bei der Schulanmeldung bindenden Charakter haben, Frau Ministerin, oder soll es eher als Indikator für weiterführende Schritte dienen? Wie soll eine verpflichtende Förderung umgesetzt werden? Und was passiert, wenn in Ihrem Grundschulscreening ein Förderbedarf festgestellt wird, bei der alltagsintegrierten Sprachförderung in der Kita aber nicht? Ihr Vorschlag lässt einen wichtigen Faktor außen vor: Bei der Vermittlung von Sprachkompetenzen spielt nicht nur die Grundschule, sondern auch die frühkindliche Bildung eine wichtige Rolle, Frau Ministerin. Diese liegt allerdings in der Zuständigkeit von Familienministerin Paul, die zu dem ganzen Thema in ihrer Amtszeit aber eigentlich noch nicht wirklich etwas gesagt hat. (Vereinzelt Beifall von der FDP) Ich bin gespannt – sie steht nämlich auf der Rednerliste, und dann können wir gleich lauschen –, wie sie die alltagsintegrierte Sprachförderung nach vorne bringt oder zu dem Vorschlag von Frau Ministerin Feller steht. Ich bin also gespannt, Frau Ministerin Paul, was Sie uns hier heute zu erzählen haben. Meines Erachtens ist es schlicht und ergreifend unseriös, wie die Landesregierung mit unausgegorenen Vorschlägen vorprescht, nur um einmal öffentlich einen Punkt in einer Pressekonferenz zu setzen. Sie, Frau Ministerin Feller, verunsichern die Grundschulen in Nordrhein-Westfalen und die Menschen, die in diesem System arbeiten. Das ist nicht der richtige Weg. (Beifall von der FDP) Die Landesregierung macht offensichtlich keine ressortübergreifenden Vorschläge zur Verbesserung der alltagsintegrierten Sprachförderung. Die Bedeutung alltagsintegrierter Sprachförderung wurde von verschiedenen Stellen bereits mehrfach betont und muss auch weiterhin in den Fokus genommen werden. Wir schlagen vor, dass wir ein Landesinstitut für frühkindliche Sprachbildung schaffen und ein Qualifizierungsprogramm für Sprachförder-Erzieherinnen und -Erzieher etablieren – und im besten Fall, Frau Ministerin Paul, endlich mal aktiv werden und die Erzieherinnen und Erzieher in diesem Land entlasten, damit sie mehr Zeit haben, sich um die Kinder in diesem Land zu kümmern. 23.08.2023 Bildung ist der Schlüssel zur Freiheit und zur Chancengerechtigkeit. Als Freie Demokraten sind wir fest entschlossen, dieses Versprechen auch für die Kleinsten in unserer Gesellschaft einzulösen. Wir werden nicht nur über Lösungen sprechen, sondern auch aktiv an ihrer Umsetzung arbeiten. – Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der FDP)

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