Rodion Bakum
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Betroffenen eine Stimme geben: Unter dieser Überschrift hat der WDR mit Dr. Eckart von Hirschhausen am 10. Juni 2023 eine Dokumentation zu dem Thema veröffentlicht; gerne in der Mediathek nachzusehen. Herr Dr. Vincentz hat diese Dokumentation offenbar gesehen. Wer dachte, „Betroffenen eine Stimme geben“ klinge nach dem Antrag der AfD-Fraktion, dem kann ich nur sagen: Gut, dass die AfD-Fraktion den Wortlaut des geliebten öffentlich-rechtlichen Rundfunks übernimmt und ihn dadurch stärkt. (Beifall von der SPD) Wer nach Beiträgen zu Nebenwirkungen von Impfungen oder dem Post-Vac-Syndrom – also langanhaltende und schwere Nebenwirkungen nach einer Coronaschutzimpfung – sucht, findet in den Portalen der öffentlich-rechtlichen Anbieter Hunderte von wissenswerten Beiträgen. Wer für das Thema – ich zitiere einmal aus dem Antrag – sensibilisieren, enttabuisieren und den Betroffenen Gehör verschaffen will, muss letztendlich die zahlreichen Beiträge beim WDR, bei der ARD und beim ZDF empfehlen und vor allem selbst schauen; gestern gab es zum Beispiel einen Beitrag in der Tagesschau. Natürlich müssen wir uns um die Betroffenen kümmern. Ich habe während meiner Tätigkeit in einer neurologischen Rehaklinik einige dieser Menschen behandelt. Eine junge Krankenschwester bekam nach einer Impfung einen mysteriösen Schluckauf und war nicht mehr leistungs- und konzentrationsfähig. Ein fitter Arbeitnehmer entwickelte nach einer Coronaschutzimpfung eine Myositis, eine seltene schwere Muskelentzündung, und hat lange dafür gebraucht, wieder laufen zu können. Um diese Menschen kümmern wir uns gut in diesem Land. Vielen kann medizinisch auch sehr gut geholfen werden; einigen aber leider nicht, aber für sie hat unser Gesundheits- und Sozialsystem Auffangnetze, die tragen. Die dramatischen individuellen Schicksale bleiben jedoch trotz der Anerkennung von Impfschäden und Entschädigungszahlungen persönlich hart, und um diese Schicksale müssen wir uns mit aller Kraft kümmern. Aktuell liegen bundesweit 8.886 entsprechende Anträge vor, von denen bisher 379 Anträge anerkannt sind. In einer neurologischen Rehaklinik in Essen gab es eine Station, die ständig voll war und die eine ziemlich lange Warteliste hatte, nämlich die Post-COVID-Station. Dort wurden Menschen behandelt, die mit den Folgen einer Coronainfektion zu kämpfen hatten. Diese Menschen waren unverhältnismäßig oft ungeimpft, und diese Station wäre weniger gefragt gewesen, wenn sich noch mehr Menschen hätten impfen lassen. Das ist ein Fakt. Landtag Auch für die Frage der Impfstoffsicherheit gibt es eine Meldestelle – es wurde mehrfach erwähnt –, die registriert, überprüft und überwacht: das Paul-Ehrlich-Institut. Um meinen Punkt einmal deutlich zu machen und in Anbetracht dessen, dass in der AfD-Fraktion eine besondere Fixierung auf Zahlen herrscht, habe ich ein auch paar Zahlen mitgebracht. 192 Millionen: Das ist die Anzahl der bisher verimpften Impfdosen in Deutschland. 1.394: Das ist die Anzahl der Verdachtsfälle eines Post-Vac-Syndroms. 0,0007 %: Das ist der prozentuale Anteil der Verdachtsfälle eines Post-Vac-Syndroms an der Gesamtzahl der Impfungen. 99,9993 %: Das ist der prozentuale Anteil der Impfung ohne Post-Vac-Syndrom. 730.000 Menschen nehmen an einer Studie des Paul-Ehrlich-Instituts mit der App SafeVac 2.0 teil. Dabei geht es um mögliche langfristige unerwünschte Wirkungen der Coronaschutzimpfungen. 1 Million Menschen wurden in Europa dank einer Coronaschutzimpfung gerettet. Es sind 20 Millionen Menschen weltweit, die 2020 und 2021 aufgrund einer Coronaschutzimpfung noch leben. 1896: Das ist Gründungsjahr des Staatsinstituts für experimentelle Therapie mit seinem ersten Direktor Paul Ehrlich. 1908: Paul Ehrlich erhält für seine Immunforschung den Nobelpreis für Medizin. 2022: Der bedeutendste Medizinpreis im deutschsprachigen Raum, der Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstädter-Preis geht an die deutschen Entwickler des Coronaimpfstoffs Uğur Şahin und Özlem Türeci sowie die ungarische Forscherin von BioNTech Katalin Karikó. 127 Jahre deutsche Spitzenforschung in der Impfstoffentwicklung und -überwachung: Die Mitglieder des Landtags könnten als gute Patriot:innen doch etwas Vertrauen in gutes deutsches Forschungshandwerk haben und diesen unwissenschaftlichen, unpatriotischen Antrag ablehnen. All diese Fakten machen klar: Impfen rettet Leben. – Bleiben Sie gesund und Glück auf! (Beifall von der SPD)
