Yvonne Gebauer
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Nach der Rednerin der AfD fällt es mir als Frau nicht leicht, hier am Rednerpult zu stehen, aber es ist gut, dass wir als Demokraten in diesem Hause alle so zusammenstehen, wie wir es hier gerade gezeigt haben. (Beifall von der FDP, der SPD, den GRÜNEN und Wilhelm Korth [CDU]) Frei nach einem angeblichen Zitat des amerikanischen Musikers Frank Zappa: Über Musik zu reden, ist wie über Architektur zu tanzen. – Dass wir es heute dennoch tun, hat mit der besorgniserregenden Tatsache zu tun, dass uns ein bedeutender Baustein der kulturellen Bildung wegzubrechen droht, auf den wir uns bisher immer verlassen konnten, nämlich die Musikschulen. Unsere Musikschulen leisten einen fundamentalen Beitrag zur kulturellen Bildung, aber neben den allgemeinbildenden Schulen leiden eben auch immer mehr Musikschulen unter dem zunehmenden Lehrkräftemangel. Die Gründe dafür sind vielfältig und beginnen nicht selten an den Musikhochschulen, wo Studierende in rein künstlerischen Studiengängen das Berufsfeld Musikschule nicht richtig kennenlernen. 05.05.2023 Obwohl viele Absolventinnen und Absolventen nach ihrem Studium auch an unseren Musikschulen tätig sind, werden musikpädagogische Inhalte in rein künstlerischen Studiengängen oftmals nicht vermittelt, was zwangsläufig die Frage aufwirft, ob wir mit den ohnehin schon knappen Personalressourcen nur suboptimal umgehen. Immer weniger Studierende schließen ein entsprechendes Studium ab, sodass bei unseren Musikschulen zwangsläufig weniger Bewerbungen von entsprechend Qualifizierten eingehen. Offene Stellen werden, auch bedingt durch den demografischen Wandel, zunehmend mit fachfremdem Personal besetzt, während – umgekehrt – ausgebildete Musikschulpädagogen leider auch in andere Berufsfelder abwandern. Ich denke, man muss kein Prophet sein, um vorauszusehen, dass mit der Tatsache, dass immer weniger Menschen mit musikalischen Interessen und Fertigkeiten dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, negative Auswirkungen auf unsere stolze und vielfältige Kulturlandschaft in Nordrhein-Westfalen verbunden sind. Um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, haben wir Freien Demokraten unlängst eine Anhörung initiiert, deren Erkenntnisse in den vorliegenden Antrag eingeflossen sind. Das Ziel ist natürlich, mehr Musikschullehrkräfte auszubilden und für die Nachwuchsförderung zu gewinnen. Dafür wollen wir zum Beispiel auf Praktiken zurückgreifen, die sich in anderen gesellschaftlichen Bereichen, wie zum Beispiel dem Sport, ein Stück weit als Erfolgsgarant erwiesen haben. In der Umsetzung heißt das: Um den Quereinstieg von Musikschullehrkräften zu erleichtern, könnte beispielsweise die Einführung eines sogenannten Trainerscheins als Qualifikationsnachweis in Betracht gezogen werden. Dies sollte natürlich in Zusammenarbeit mit allen betroffenen Akteurinnen und Akteuren gut vorbereitet werden. Wenn wir über die Attraktivität, die Attraktivierung des Berufsbildes der Musikschullehrkraft reden, sollten wir dies zukünftig nicht isoliert vom Musikunterricht an den allgemeinbildenden Schulen tun. Deshalb wollen wir diesen nicht nur stärken, sondern auch mehr auf digitale Unterrichtsformate ausrichten, um so an einer popmusikalischen Orientierung des Unterrichts zu arbeiten. Meine Damen und Herren, niemand erwägt ernsthaft, den Beruf des Musikschullehrers zu ergreifen, wenn man sich nicht schon in der Schule für den Musikunterricht begeistern konnte. Um unseren vielen musisch begabten Kindern und Jugendlichen ein positives Bild vom Beruf der Musikschullehrkraft zu vermitteln, wollen wir auch auf den Schulversuch NRW-Musik-Profilschule zurückgreifen, bei dem unserer Schülerinnen und Schüler bedarfsgerecht auf Landtag musikalisch ausgerichtete Studiengänge und Berufe vorbereitet werden und natürlich eine entsprechende Förderung erhalten. Obwohl die Berufsaussichten wahrlich nicht rosig sind, gibt es in Nordrhein-Westfalen dennoch Licht am Horizont, das den Namen schlicht „Musikschuloffensive“ trägt. Diese erste umfassende Qualitätsund Strukturoffensive zur Stärkung und Zukunftssicherung der musikalischen Bildung bei uns in Nordrhein-Westfalen wurde in der bereits erwähnten Anhörung von allen betroffenen Akteurinnen und Akteuren ausdrücklich gelobt. Sie hat der Szene sehr gutgetan, weil sich Musikschullehrkräfte seither untereinander viel mehr vernetzen, als das vorher der Fall war. Meine Damen und Herren, wenn alle Akteurinnen und Akteure zusammenarbeiten, wird es gelingen, das Ansehen der Musik und des entsprechenden Unterrichts in dem erforderlichen Maße zu steigern. Am Ende des Tages werden wir alle im Einzelnen, aber auch als Gesellschaft davon profitieren. Deshalb mein Appell: Packen wir es an! – Herzlichen Dank. (Beifall von der FDP und Jochen Ott [SPD])
