Enxhi Seli-Zacharias
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich bin durchaus sehr betroffen, betroffen deshalb, weil wir hier in diesem Parlament über Menstruationsartikel sprechen, aber nicht über erschreckend hohe Zahlen von Abtreibungen, dass wir diese Debatte führen unter Worten wie „Gebärmaschine“, aber nicht bereit sind, über Vergewaltigungen, denen sich Frauen in NRW täglich aussetzen müssen, und zwar acht am Tage, zu sprechen. (Franziska Müller-Rech [FDP]: Genau deshalb wollen Sie das erschweren!) Deswegen kaufe ich Ihnen Ihre inszenierte Empörung nicht ab. (Beifall von der AfD – Zuruf von Franziska Mül- ler-Rech [FDP]) Je liberaler die Gesetzgebung im Laufe der Zeit wurde, desto verbissener wird gekämpft für die Abschaffung der Beratungspflicht, für die Entgrenzung der Schwangerschaftsdauer, für ein völliges Streichen des entsprechenden Paragrafen. Ich weiß ja, Landtag wie Sie dabei immer gern tanzen. Dass der auch eine Schutzfunktion hat, etwa gegenüber Druck und Einfluss von dritter Seite, wird dabei gern völlig übersehen. Man täusche sich nicht. Denn Eltern, Ehemänner, Liebhaber oder auch Arbeitgeber und Behörden können durchaus ein Interesse daran haben, dass ein Kind, das eine Frau gerne behalten möchte, gar nicht erst zur Welt kommt. (Zuruf von Tim Achtermeyer [GRÜNE]) Mir ist es heute sehr wichtig, einen anderen gesellschaftlichen Aspekt hier in den Vordergrund zu stellen. Was macht ein Schwangerschaftsabbruch eigentlich mit der betroffenen Frau und auch mit der Gesellschaft, psychisch und physisch? Ein Schwangerschaftsabbruch, der mehr ist als die „Pille danach“, ist eine künstlich herbeigeführte Fehlgeburt, und Fehlgeburten – so der aktuelle Konsens – sind Ereignisse, die Frauen noch nach Jahren und Jahrzehnten belasten, die in Familien mitleben wie verstorbene Kinder, ein Schicksalsschlag, eigentlich kaum überwindbar. Was bedeutet diese gesamte Debatte für uns als Gesellschaft? In der Anthropologie gibt es zwei Hauptströmungen. Die christliche Strömung besagt, Würde haben wir, weil wir Ebenbilder Gottes sind und eine unsterbliche Seele besitzen. Dem postmodernen Ansatz nach haben wir aber Würde, weil wir fähig sind, zu denken und zu entscheiden. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Das Gefährliche hierbei ist, dass die Würde in unserer Gesellschaft zunehmend als proportional abhängig von der Fähigkeit des Menschen betrachtet wird, eigene Gedanken zu formulieren. (Zuruf von den GRÜNEN) Die selbsternannten Freiheitskämpfer unter Ihnen verstehen die Tragweite ihrer politischen Forderungen aber bei Weitem nicht. Sie stützen sich mit ihrer Argumentation – liebe Grüne, hören Sie gut zu! – auf die Ideologie der Eugeniker, eine verachtenswerte Ideologie, die Komplexität und Subtilität des menschlichen Wesens völlig ignoriert. (Beifall von der AfD – Zuruf von Christina Schulze Föcking [CDU]) Bei Ihrem Menschenbild werden Unterschiede zwischen Lebewesen hergestellt. Euthanasie, Eugenik werden in dem gesellschaftlichen Wertekanon zementiert. Eine Konstante begleitet diese Entwicklung seit Jahren. Die Biologie wird der größte Feind der Identitätspolitik, weshalb die entsprechenden Aktivisten die Denaturalisierung des Menschen und insbesondere der Frau auf so eine perverse und rücksichtslose Art vorantreiben. Wer unsere Welt retten und erhalten möchte, isoliert nicht die Menschen von der Natur, führt keinen 05.05.2023 Kampf gegen Identität und greift nicht die Gewissensfreiheit des Individuums an. Die staatliche Regulierung der Intimsphäre führt zur psychischen Zerrüttung und letztlich auch zu einem Verfall der psychischen Gesundheit. Die Psychologie des Totalitarismus darf niemals siegen. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
