Jochen Ott
Danke schön, Herr Minister, dass Sie die Zwischenfrage noch zulassen. Sie kennen ja auch die Untersuchungen aus dem letzten Jahr, von Dr. Dohmen von der Friedrich-Ebert-Stiftung veröffentlicht, wonach insbesondere Hauptschüler und Realschüler in Nordrhein-Westfalen ein Problem haben, mit ihrem Abschluss in die berufliche Ausbildung zu kommen. Sie haben gerade auf die Warteschleifen bei den Berufskollegs hingewiesen. Was wünschen Sie sich im Schulbereich, damit das Problem kleiner wird? Irgendwie müssen wir da ja ran. Wenn die Leute einen Hauptschulabschluss machen und anschließend nicht genommen werden, ist das für die Jugendlichen sehr frustrierend. Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales: Erst einmal ist es so, dass wir zurzeit 43.000 Leute in den Übergangssystemen haben; bei den Berufsschulen. Da sind natürlich auch Bildungsangebote dabei, die nicht nur etwas mit Warteschleifen zu tun haben. Denken Sie zum Beispiel an die Klassen für die Geflüchteten, für die zu uns Gekommenen denken, in denen noch schulische Dinge gemacht werden. Das ist ein besonderer Zweig an den Berufsschulen. Dennoch fällt mir auf, dass die jungen Leute im Schnitt vier Jahre in diesem Übergangssystem sind. Wir sollten uns viel Mühe geben, dies zu verkürzen, damit es schneller in Ausbildung geht. Da ist es ganz wichtig, dass wir in den Curricula für die Berufsschule – soweit ich weiß, ist das Schulministerium auch dabei – längere Praktikumszeiten in der Wirtschaft vorsehen, da über längere Praktika auch eine Beziehung zu Unternehmen, zur praktischen Arbeitswelt entsteht. Das hat aber auch zur Voraussetzung, dass die Unternehmen uns diese Praktikumsplätze zur Verfügung stellen müssen und sollten. Wir können ja einen Praktikumsplatz in der realen Wirtschaft nicht in einer ÜSB-Maßnahme nachbilden. Da kann man auch was machen. Aber wir brauchen diese Praktikumsplätze. Wir werden dann vonseiten des MAGS unsere Anstrengungen erheblich konzentrieren müssen, sodass wir einen großen Teil der Jugendlichen auf dem Weg aus dieser beruflichen Bildung heraus in die Landtag duale Ausbildung begleiten, um zu erreichen, dass wir diese vier Jahre erheblich verkürzen. Ich bin bereit, darauf mit den Mitteln, die mein Ministerium hat, für die nächsten zwei, drei Jahre einen absoluten Schwerpunkt zu setzen, um genau diese Warteschleifen zu verkürzen. Wir sind zurzeit dabei, das im Ministerium zusammenzustellen, und es wird auch eine Rolle auf der Fachgästekonferenz in der nächsten Woche spielen. Ich will noch eine Zahl nennen, die auch interessant ist: 43 % der Leute, die in Nordrhein-Westfalen einen Ausbildungsplatz unterschrieben haben, haben Abitur. Sie hätten sich auch für den anderen Weg entscheiden können, sie haben sich aber trotzdem für eine Ausbildung entschieden. Ich finde, das macht auch deutlich, dass bei Abiturientinnen und Abiturienten die duale Ausbildung wieder höher im Kurs steht, als es vor Jahren der Fall war. Was mich aber wirklich umtreibt, ist, dass das Durchschnittsalter unserer Auszubildenden im ersten Lehrjahr mittlerweile bei 21 Jahren liegt. Das hat natürlich auch mit der Länge der Warteschleifen zu tun. – Schönen Dank für die Zwischenfrage. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
