landtag.nrw.de ↗

Marco Schmitz

CDU 05.05.2023 Sitzungen 18/32

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Kollegin Schneider, ich muss sagen: Ich bin ein bisschen enttäuscht, dass Sie jetzt nicht mit dem iPad hier vorne am Rednerpult gestanden, sondern tatsächlich noch auf so analoge Dinge wie Papier gesetzt haben, was einer Broschüre schon sehr nahekommt. (Zuruf von Marc Lürbke [FDP]) Landtag Auch da hätte man ja dann erwarten können, dass das etwas moderner rübergebracht wird. (Lisa-Kristin Kapteinat [SPD]: Die Kampagne zielt ja nicht auf Frau Schneider ab! – Jochen Ott [SPD]: Kein guter Einstieg!) Kommen wir zum Inhalt des Antrages und vielleicht erst mal zu den Zahlen an sich. Rund 60.000 Ausbildungsplätze haben wir aktuell noch frei. Wir haben nicht genügend Bewerber. Die Lage ist natürlich dramatisch. Wir kämpfen in jeder Rede für die duale Ausbildung und dafür, dass junge Menschen eine Ausbildung anfangen. Da nehme ich auch keinen in diesem Hause aus. Wir haben den Wandel von einem Arbeitgebermarkt hin zu einem Arbeitnehmermarkt, sodass die jungen Leute sich jetzt natürlich auch aussuchen können, wo sie zukünftig arbeiten und was sie machen wollen. Auf der einen Seite ist es natürlich gut, dass es diese Auswahl nun gibt. Auf der anderen Seite wird es auch schwieriger und die Entscheidung wird auch nicht immer schnell getroffen. Die Bundesagentur für Arbeit, der ich diese Aufgabe, für Ausbildung zu werben, als Allererstes zuschreibe – und nicht dem Ministerium –, wird in diesem Sommer einen bundesweiten „Sommer der Berufsausbildung“ starten, damit junge Menschen, junge Erwachsene eine Berufsausbildung aufnehmen bzw. sich dafür interessieren. Ich glaube, das ist auch der richtige Weg. Es gibt nicht die eine Form, in der man für die duale Berufsausbildung werben kann, sondern es müssen ganz verschiedene Formen dafür gewählt werden. Sie fahren mit einem Bus rum, sie stehen auf den Marktplätzen, sie sind bei Berufsmessen, sie stehen auf den Schulhöfen. Auch das sind Formen, die man nicht vergessen darf. Ist die Ausbildung eine Eintrittskarte ins Berufsleben? Ganz klar: Ja. Wir als Landesregierung kämpfen ja seit 2017 dafür, dass junge Menschen es schaffen, eine Ausbildung abzuschließen, und vor allem – auch das darf man nicht vergessen – dafür, dass wir diejenigen, die noch nicht ausbildungsreif sind, überhaupt erst dazu bekommen, eine Ausbildungsfähigkeit zu besitzen, die Sprache vernünftig zu sprechen, schreiben und rechnen zu können. Das ist es doch, woran es oftmals mangelt. Die Unternehmen sagen: Ich möchte den- oder diejenige nicht haben, weil er oder sie überhaupt nicht ausbildungsreif ist. Ich glaube, daran müssen wir noch arbeiten. (Jochen Ott [SPD]: An der Schulpolitik muss man wirklich arbeiten, da hat er vollkommen recht!) Ein weiterer Punkt ist natürlich, dass die Unternehmen Praktika anbieten müssen. Wir müssen Praxiszeiten genehmigen, wir müssen sie ermöglichen, damit die jungen Menschen wissen, worauf sie sich einlassen. Nur weil ein Influencer mir erzählt, wie wahn-05.05.2023 sinnig toll es ist, dass ich zukünftig Fleisch zerlege, werde ich sicherlich nicht den Fleischerfachberuf ergreifen. Das kann nämlich nur jemand vermitteln, der auch selber aus der Branche kommt. Es gibt Beispiele, bei denen das funktioniert, wie bei dieser Influencerin, die Landwirtin ist und das wirklich hervorragend macht. Sie berichtet aus ihrem Leben und hat Zigtausende Follower. Dann funktioniert das. Sich aber nur für einen solchen Beruf zu entscheiden, weil irgendjemand, der sonst in seiner Youtuber- oder Influencer-Blase gefangen ist, auf einmal erzählt, wie wahnsinnig spannend es ist, Fleischer, Metzger, Bäcker oder Automechaniker zu werden, ist, glaube ich, keine überragende Idee. Nichtsdestotrotz ist der Bereich der sozialen Medien einer, in dem wir für die duale Ausbildung werben müssen. Die Älteren unter uns erinnern sich noch, dass man in der 8./9. Klasse ins Berufsinformationszentrum der Agentur für Arbeit gegangen ist. Dort hat man sich eine große Pioneer Laserdisc ausgeliehen und konnte sich dann ein Video angucken, das meistens eher abschreckend war, als dass man gesagt hätte: Den Beruf möchte man ergreifen. Es ist wichtig, dass auch Praxisbeispiele von Menschen vor Ort gegeben werden. Deswegen haben wir die Ausbildungsbotschafter in den letzten Jahren gestärkt und werden das auch weiterhin tun. Das sind Menschen, die aus dem Beruf kommen, in die Schulen gehen und Zeugnis davon geben, wie sie ihren Beruf ausleben. Zum Schluss: Wie werden weiter daran arbeiten. Ich freue mich sehr auf die Überweisung in den Ausschuss. Nach der Anhörung, liebe Susanne Schneider, können Karl-Josef Laumann, du und ich ein wenig tanzen und das Ganze bei TikTok hochladen, um für den Beruf des Politikers zu werben. (Rodion Bakum [SPD]: Das soll die Leute nicht abschrecken!) Ich bin sehr gespannt, wie du das in den sozialen Medien darstellen wirst. Jeder von uns ist in den sozialen Medien aktiv. Ob das am Ende etwas bringt, sodass sich mehr junge Leute für Politik begeistern, werden wir sehen. Der Überweisung stimmen wir natürlich zu. Auf die Ergebnisse bin ich gespannt. – Ihnen allen erst mal ein schönes Wochenende. (Beifall von der CDU)

Alle Reden von Marco Schmitz Protokoll ↗