Ina Brandes
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich habe meinen Sprechzettel für diese Rede in den letzten drei Minuten viermal umgeschrieben, weil ich Ihnen ersparen will, all das zu wiederholen, was schon mehrfach gesagt worden ist. Landtag Ich denke, wir sind uns darüber einig, dass unser Land zum Glück über eine einzigartig vielfältige Gesellschaft und eine einzigartig vielfältige Kulturlandschaft verfügt. Es ist unser gemeinsames Interesse als Demokraten, dass alle Menschen an dieser Kultur teilhaben können, und zwar sowohl im Publikum als auch auf der Bühne und hinter den Kulissen. Es ist unsere politische Aufgabe, Bedingungen herzustellen, die dies erlauben. Wir alle wissen, dass in den letzten Jahren große Schritte in die richtige Richtung unternommen worden sind. Es ist viel passiert. Wir merken an den Förderprogrammen, die wir haben, dass sich in der Kulturlandschaft sehr viel entwickelt hat. Wir haben eine unheimlich hohe Nachfrage für das, was wir anbieten. Das ist ein gutes Zeichen. Gleichwohl sind wir längst nicht am Ende der Arbeit angekommen. Deswegen finde ich es gut, dass wir jetzt einen Aktionsplan miteinander entwickeln wollen, der über das hinausgeht, was wir bisher schon getan haben, und dass wir das gemeinsam mit dem Diversitätskongress, den wir im September haben werden, tun. Mir ist eine Sache persönlich sehr wichtig, die Herr Bialas eben angesprochen hat. Unser Ziel muss es sein, dass wir nicht Programme, Pläne und Sonderthemen für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen, mit einer anderen Hautfarbe, mit einer anderen sexuellen Orientierung entwickeln – was auch immer wir als Norm bezeichnen –, sondern dass es Normalität und DNA unserer Kulturlandschaft wird, dass wir Kultur und Kunst für alle machen. Frau Gebauer, Sie haben meine USA-Reise angesprochen. Dort war das natürlich der wesentliche Diskussionspunkt. Die Amerikaner sind uns in der Vielfalt ihrer Gesellschaft und der Frage, wie Kultur diese Vielfalt abbildet, um einige Jahrzehnte voraus, weil die Bedingungen dort etwas anders sind. Dort hat man sich ganz konsequent überlegt, wie es die DNA als Museum, als Konzerthaus, als Kultureinrichtung wird, dass alle gern gesehene Gäste sind, sodass alle kommen wollen und nicht das Gefühl haben, für sie werde ein eigenes Programm gemacht, an dem sie teilnehmen dürfen, weil sie zum Beispiel im Rollstuhl sitzen, und mit allem anderen, was dort stattfindet, seien sie nicht gemeint. Aus meiner Sicht ist es ein Kernproblem, das wir in vielen Bereichen dieser Gesellschaft haben, dass es diese Sonderprogramme gibt und wir nicht sagen: Alles, was wir hier tun, spricht alle Menschen an. Alle sollen Lust haben, mitzumachen, und sich beteiligt fühlen. Ich sehe es als meine Aufgabe an, das umzusetzen. Um Ihre Frage zu beantworten: Das im Antrag aufgeworfene Monitoring brauchen wir natürlich. Wir 04.05.2023 müssen alles Mögliche unternehmen und in einem Monitoring prüfen, ob das erfolgreich ist oder nicht. Wer das Monitoring entwickelt, steht ebenfalls im Antrag, nämlich die Landesregierung. Diese Aufgabe nehme ich als zuständige Vertreterin der Landesregierung sehr gerne an, weil ich wirklich glaube, dass wir als Kulturpolitiker Aufgaben haben, die für die Demokratie und ihre Erhaltung sowie für die Lebensrealität der Menschen in unserem Land wichtig sind. Deswegen freue ich mich auf die weitere Arbeit an diesem Thema. Es wird uns alle über unsere gesamte politische Karriere hinweg begleiten, wenn wir erfolgreich sein wollen. Ich freue mich darauf, mit Ihnen daran zu arbeiten. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU, der SPD und den GRÜNEN)
