Carlo Clemens
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wenn es kein Bildungsgipfel oder eine Bildungskonferenz ist, fordert die SPD eben Masterpläne. Das hört sich hemdsärmelig an, und man signalisiert den Willen, zu machen. Netter Nebeneffekt ist, dass sich das medial gut verkaufen lässt. Doch wie viel Substanz steckt in Ihrer jüngsten Forderung nach einem Masterplan, diesmal für den Übergang von der Schule an die Hochschule? Zunächst einmal klingt alles nett. Ausnahmslos allen Studenten soll ein erfolgreicher Studienstart gewährleistet werden. Die Finanzierung bestehender propädeutischer Strukturen soll weiter ausgebaut werden. Sie fordern eine bessere Betreuungssituation, also mehr Personal. Beratungsangebote sollen ausgebaut werden, alles natürlich mit kontinuierlichem Monitoring und Evaluationen. Wer kann schon etwas gegen diese allgemeinen Forderungen haben? Landtag Verräterischer wird es dann in den Passagen, in denen es vage und unkonkret wird. Sie wollen ein Konzept zur Verbesserung der hochschulischen Lehre und Didaktik, das sich stärker an den Bedürfnissen der Studierenden ausrichtet. Was sollen das für Bedürfnisse sein? (Zuruf von der SPD: Darüber müssen wir re- den!) Für viele Studenten ist es neben dem Nebenjob und den anderen Unwägbarkeiten des Studentenlebens oftmals das nackte Bedürfnis, das Modul mit Ach und Krach zu bestehen, die notwendigen Creditpoints für das Semester zu sammeln und die Regelstudienzeit irgendwie einzuhalten. Das ist nur allzu menschlich und verständlich. Ihr Antrag wird durch die vielen wichtigen Punkte, die man in diesem Kontext mitdenken müsste, die aber bewusst oder aus Fahrlässigkeit in Ihrem Antrag gar nicht erwähnt werden, vollends zum Fass ohne Boden. So findet sich kein Wort zur mangelnden Studierfähigkeit vieler Studenten, kein Wort zur Überakademisierung und kein Wort zur Notwendigkeit, akademische und berufliche Bildung endlich nicht nur in Sonntagsreden, sondern auch in der Bildungspraxis als gleichwertig anzusehen und politisch entsprechend zu handeln. (Beifall von der AfD – Christin Siebel [SPD]: Das ist doch nicht Thema des Antrags!) Der Rektor der Universität Münster und Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz NRW, Johannes Wessels, kritisierte jüngst, dass Spitzenleistungen im Abitur immer weniger über die Studierfähigkeit junger Leute aussagen. Der Philologenverband NRW spricht seit geraumer Zeit von einer Noteninflation. Woher kommt diese Entwicklung, dass Zeugnisnoten und Abschlussprüfungen zwischen den Bundesländern immer weniger vergleichbar sind und das Leistungsprinzip zunehmend infrage steht? Es könnte etwas damit zu tun haben, dass viel zu viele junge Menschen an Hochschulen eingeschrieben sind, die für ein Hochschulstudium schlichtweg nicht geeignet sind, die sich jahrelang unglücklich durchquälen, nur um dann doch das Handtuch zu werfen. Das ist an dieser Stelle übrigens überhaupt nicht wertend gemeint. Nicht zuletzt deshalb hat die AfD-Fraktion Anfang des Jahres einen Antrag zur Stärkung der beruflichen Bildung eingereicht, in dem wir ganz klar und deutlich die Bedeutung mittlerer Schulabschlüsse und Bildungsgänge sowie die Notwendigkeit darstellen, auch in gymnasialen Oberstufen verstärkt auf die Möglichkeiten einer Berufsausbildung hinzuweisen, um der Überakademisierung entgegenzuwirken. Ich kann an dieser Stelle auch auf den SPD-nahen Philosophen und Autoren Julian Nida-Rümelin verweisen, der von der doppelten Abwertung beruflicher 30.03.2023 und akademischer Bildung spricht. Durch politisch formulierte Wunschträume höherer Studentenzahlen und geringerer Abbruchquoten stehen Schulen unter Druck, den Lernstoff so zu reduzieren, dass auch Schüler die Hochschulreife erlangen und studieren, die möglicherweise besser in einer handwerklichen, technischen oder sozialen Ausbildung aufgehoben wären. Hochschullehrer geraten unter Druck, Seminarinhalte so zusammenzupressen, dass möglichst viele zu ihrem Schein kommen. Diese Praxis werte, so Nida-Rümelin, nicht nur alles Nichtakademische ab, sondern letztlich auch die Spezifika der akademischen Bildung wie zum Beispiel die Wissenschafts- und die Forschungsorientierung. Der Stoßrichtung der SPD, Fehlentwicklungen in der Studierfähigkeit durch mehr Betreuung, eine weitere Normierung und letztlich auch Abflachung von Bildungsinhalten lindern zu wollen, können wir nur eine klare Absage erteilen. Wir plädieren stattdessen für die Rückbesinnung auf ein bewährtes, ausdifferenziertes und vielgestaltiges Schulsystem mit starken nichtakademischen Bildungswegen und einem Gymnasium, in dem die Hochschulzugangsberechtigung am Ende auch wirklich eine Hochschulreife darstellt. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
