Julia Eisentraut
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleg*innen der demokratischen Fraktionen! Mir bleibt zu Beginn nur festzustellen: Unsere schwarz-grünen Anträge der letzten Wochen haben anscheinend einen positiven Eindruck bei der SPD hinterlassen. (Beifall von den GRÜNEN – Jochen Ott [SPD]: Köstlich!) Die vielen übernommenen Forderungen lassen für mich keinen anderen Schluss zu. (Zuruf von Jochen Ott [SPD]) Sie hätten allerdings besser abschreiben sollen. Wir waren nämlich um einiges detaillierter als Sie, beispielsweise bei der Weiterentwicklung von Vorkursen, bei der Vernetzung der zentralen Studienberatungen, Initiativen wie ArbeiterKind.de und Talentförderung. Dort haben wir sogar einen qualitativen und quantitativen Ausbau gefordert, was keinen Eingang in Ihren Antrag gefunden hat. All das – der Kollege Tigges hat es schon gesagt – sind Forderungen aus unserem schwarz-grünen Antrag zur Fachkräftesicherung im MINT-Bereich. (Beifall von den GRÜNEN) Es ist schön, dass Sie sich jetzt Ihre Teilnahmeurkunde für ChatGPT im Bildungsbereich abholen. Auch das haben wir für Schulen, Hochschulen und Weiterbildung bereits im letzten Plenum ausführlich debattiert und eingebracht. (Beifall von den GRÜNEN) Damit kann man das Ganze aber auch positiv sehen. Ihr Antrag hat einige gute Ansätze. Der Mathematik-30.03.2023 vorkurs für Informatiker*innen hat mich an meiner Heimatuni mein ganzes Studium begleitet. (Zuruf von der CDU) Ich habe das erst als studentische Tutorin getan, am Ende meines Studiums als Dozentin. Später habe ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin leidenschaftlich gern hochschuldidaktische Fortbildungen besucht. Genau deshalb wundere ich mich inhaltlich über viele Ihrer Forderungen in diesem Antrag. Wie kommen Sie darauf, dass mehr akademische Lehrkräfte automatisch dazu führen, dass die Studienabbruchquote gesenkt wird? Gerade in der Studieneingangsphase kommt es viel stärker auf das Peer Learning an. Peer Learning meint hier die Betreuung durch fortgeschrittene Studierende. Das ist in vielen Fächern seit Jahrzehnten üblich und gut so. Vor allem bei Vorkursen ist das der Fall. Denn die Studierenden beschweren sich nicht, wie in Ihrem Antrag genannt, über die unterschiedliche Vorbereitung verschiedener Schulformen oder durch die unterschiedlichen Bundesländer, sondern darüber, dass es schwierig ist, in einer neuen Stadt anzukommen, neue Menschen kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen, sich an das Lehren und Lernern an der Uni zu gewöhnen, Arbeiten und Studieren zu vereinbaren oder den familiären Verpflichtungen nahezukommen.
