Klaus Hansen
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Alte Kultursorten werden von der Landesregierung in Nordrhein-Westfalen seit dem Jahr 2000 gefördert, also bereits seit 23 Jahren, und zwar über eine Landesinitiative „Pflanzengenetische Ressourcen“. Betrieben wird diese Landesinitiative von der Landwirtschaftskammer NRW. Es gibt zu diesem Thema aber auch ein sehr breit angelegtes, sehr kompetentes, sehr effizientes Netzwerk von vielen Akteuren in Nordrhein-Westfalen, die sich der allgemeinen Nutzung und Verbreitung dieser alten Sorten verschrieben haben – Stichworte „Streuobstwiesen“, „alte Haustier- und Nutztierrassen, die im Trend liegen“ usw. usf. Kurz zu dieser Landesinitiative: Das Projekt „Pflanzengenetische Ressourcen“ kümmert sich um ausgewählte Sorten, die regionale und kulturelle, aber auch historische Bedeutung für uns aufweisen. Ziel dieses Projektes ist die Wiederinkulturnahme, also die tatsächliche Nutzung, von Getreidesorten, Gemüsesorten und anderen Produkten von Landwirten, aber auch von Privatpersonen. Daher stimmt die Behauptung in Ihrem Antrag überhaupt nicht, dass alte Kultursorten immer stärker vom Markt verdrängt werden. Das Gegenteil ist richtig: Der Trend geht gerade zu alten Kultursorten hin, weil wir vor langer Zeit erkannt haben, dass alte Sorten zum Teil weniger Dünger und Wasser beim Anbau brauchen und damit zum großen Teil auch nachhaltiger sind. Landtag Die Landwirtschaftskammer sorgt auf zweierlei Wegen dafür, dass alte Sorten wieder verwendet werden können: erstens durch die Saatgutvermehrung und die Bereitstellung für interessierte Personen und Organisationen, zweitens durch Feldversuche mit alten Sorten. Die hierdurch gesammelten Erfahrungen und Informationen zum richtigen Anbau der alten Sorten werden an diejenigen weitergegeben, die sie anpflanzen. Im aktuellen Projekt 2023 liegt der Fokus auf Sommergetreidesorten. Daraus werden Backprodukte und Bier hergestellt. Es findet also alles eine wunderbare Verwendung. Der Trend, den wir gerade beim örtlichen Bäcker sehen, mit alten Getreidesorten im Brot, zum Beispiel Emmer oder Einkorn, ist dadurch auch hausgemacht – von uns in Nordrhein-Westfalen. Darauf dürfen wir stolz sein. Diesen Trend unterstützen in Nordrhein-Westfalen sehr viele Personen und Institutionen im Rahmen des Ehrenamtes. Insgesamt sehen Sie, dass wir dieses Thema von vielen Seiten angehen und gleichzeitig jeden, der möchte, daran teilhaben lassen. Ich wiederhole das gerne. Jede Privatperson kann Saatgut bekommen und für sich anbauen. Das ist kein Closed Job. Diese Aufgabe ist noch viel größer zu betrachten. Als Menschheit haben wir die Pflicht, dafür zu sorgen, dass das kostbare Wissen über Pflanzen im Allgemeinen und Nutzpflanzen im Besonderen erhalten bleibt. Deshalb gibt es den Saatguttresor auf Svalbard, also Spitzbergen. Dort wird Saatgut mit dem Ziel des Schutzes der Arten und der Diversität von Nutzpflanzen eingelagert – zentral für alle. Bei uns leistet die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen diese Aufgabe der zentralen Stelle, bei der alle Fäden zusammenlaufen. Die Landwirtschaftskammer arbeitet zu diesem Thema vertrauensvoll mit verschiedenen Hochschulen wie dem Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung oder mit Landwirten, die an den Projekten teilnehmen, zusammen. Sie sehen: Das Wissen um alte Sorten ist für uns ein Schatz. Dieses Wissen pflegen wir. Wir erhalten es mit großer Sorgfalt und Hingabe für kommende Generationen. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Wir sind seit langer Zeit auf dem richtigen Weg, und wir machen weiter. Das wissen auch die Antragsteller. Denn die Antwort – Sie haben es eben gesagt, Herr Schalley – auf Ihre Kleine Anfrage haben Sie im Januar erhalten. Erlauben Sie mir daher eine abschließende Bemerkung. Wie gesagt, haben Sie im Januar zum exakt gleichen Thema eine Kleine Anfrage gestellt und 30.03.2023 eine Antwort erhalten. Darin wurden Sie unter anderem auch über die sehr gute Arbeit der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen auf diesem Gebiet informiert. Ich habe die Antwort sorgfältig gelesen und komme zu der Überzeugung, dass die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen hier stellvertretend für alle anderen Akteure, die alte Kultursorten hegen, pflegen und für unsere Enkel bewahren, hervorragende Arbeit leistet. Meine Frage an Sie lautet: Warum sind Sie anderer Meinung? Abschließend sage ich: Ihr Antrag zielt für uns ins Leere und ist daher in der Form abzulehnen. Wir stimmen aber der Überweisung in den Ausschuss zu und werden Ihnen gerne die bereits laufenden und abgeschlossenen Projekte und vor allen Dingen die guten und überzeugenden Ergebnisse daraus vorstellen. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
