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Carlo Clemens

AfD 29.03.2023 Sitzungen 18/27

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Egal ob Heizungsverbote oder Sanierungszwang: Die Vertreter der radikalen Energiewende werden unduldsamer und nervöser. Kompromisslose Klimapolitiker fordern verbindliche Planziele zu politisch festgelegten Zeitpunkten ein, koste es, was es wolle. Der vermeintliche oder tatsächliche Fortschritt wird dann akribisch verfolgt und gemessen. Es werden permanent neue Maßnahmen ersonnen, wenn die erwarteten Planziele nicht erreicht werden. Auch der vorliegende Antrag ist Ausfluss dieser unbändigen Klimaagenda. Dabei ist das Anliegen nach mehr Nachhaltigkeit im Bauwesen grundsätzlich nicht falsch. Bau- und Abbruchabfälle machten im Jahr 2020 laut Statistischem Bundesamt mit 55,4 % – das wären rund 229,3 Millionen Tonnen – den Großteil des gesamten Abfallaufkommens bundesweit aus. Unsere Ressourcen werden knapper, gleichzeitig wächst die Bevölkerung in unserem Land immer schneller. Die vielen Rufe nach seriellem Bauen bergen die Gefahr einer neuen Tonnen-Ideologie, also einer Produktionsplanung, die ausschließlich einfache, messbare, addierbare und skalierbare Größen vorgibt, ohne dass ökologischer Nutzen oder städtebauliche Qualität eine Rolle spielen. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns Gedanken über eine nachhaltige Bau- und Wohnungswirtschaft machen. Ihr Ansatz der abstrakten Klimazielvorgaben geht dabei allerdings in die falsche Richtung. Er setzt den sogenannten CO -Fußabdruck eines Gebäudes 29.03.2023 absolut, das energetisch superoptimierte Einzelgebäude als Maßstab. Als AfD-Fraktion schlagen wir im Gegenzug vor, den Städtebau in seiner Gesamtheit als Grundlage für die energetische Betrachtung des Bauens und des Wohnens heranzuziehen. Auch wir sehen die rücksichtslose Energieverschwendung schlechter Architektur, das vermeidbare Transporterfordernis toter Stadträume und den verschwenderischen Flächenverbrauch in unserem dicht besiedelten Bundesland. Dabei können schon im Entwurf eines Gebäudes Möglichkeiten der Energieeinsparung angelegt werden. Es fängt schon damit an, ob man bedeutsame Gebäude wie Altenheime, Krankenhäuser, Verwaltungssitze oder Schulen mit einer Glas- oder einer Natursteinfassade errichtet, oder ob man das Neubauquartier in Zeilenbauweise oder als Blockrandbebauung plant, ob man in der Kommune monofunktionale Stadtteile, die aufwendigen Personenverkehr verursachen, genehmigt oder ob man die städtische Dichte für die Energiebilanz einer Wohnsiedlung berücksichtigt und deshalb die Funktionsvielfalt einer Stadt der kurzen Wege fördert, wo Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Erholung zusammengedacht werden und wegen der Vermeidung von Zersiedelung auch weniger Fläche versiegelt wird. In den vergangenen Jahrhunderten zwangen die Knappheit der Materialien und die existenzielle Notwendigkeit aufgrund klimatischer und topografischer Gegebenheiten energetisch optimiert bauen zu müssen, dazu, dass sich sinnvolle Baukonstruktionen durchsetzten und immer weiter verfeinert wurden. Unpraktisches wurde im Zuge einer generationenübergreifenden Erfahrungskette verworfen. Schon in den 1990ern mahnte der Architekt und Publizist Professor Günther Moewes, dass Recycling immer nur die zweitbeste Lösung sei. Was wir brauchen, ist Abfallvermeidung statt Abfallverwertung, also planende Vorsorge. Künftige Neubauten sollten Bauabfälle durch eine lange Lebensdauer von vornherein vermeiden. Moewes sprach von einer – Zitat – „Konstruktionskultur“ und einer – ich zitiere erneut – „neuen ökologischen Solidität, sozusagen die Neuproduktion langlebiger Antiquitäten.“ Verschiedene Disziplinen müssen also zusammengedacht werden. Ausführende Planer und Architekten werden sich in Zukunft wieder intensiver mit baukonstruktiven Mitteln auseinandersetzen müssen, um dauerhafte und langlebige Gebäude zu errichten, die hundert Jahre und länger halten. Ist es nicht absurd, vor dem Bau bereits den Abriss und das Recycling des noch gar nicht errichteten Gebäudes einzuplanen? Landtag Energieeffizientes Bauen setzt einfache und dauerhafte Konstruktions- und Baumaterialien sowie eine dauerhafte Nutzungsvariabilität eines Gebäudes voraus. Ein solcher erweiterter Bilanzierungsrahmen dient der Nachhaltigkeit der Bau- und Wohnungswirtschaft mehr, denn er schafft Werte, die über eine günstige CO -Bilanz auf dem Papier hinausgehen. In Ihrer Agenda für ein klimaneutrales Nordrhein-Westfalen bleibt kein Platz für die Rückbesinnung auf sinnvolle Bautraditionen. Mit dem digitalen Gebäudepass geht es weiter in die eine Richtung, die Richtung technikorientierter, auf abstrakte Klimavorgaben abzielender Planerfüllung. Die AfD-Fraktion lehnt eine ideologische Transformation von Wohnungsbau und Bestand grundsätzlich ab. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

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