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Kirsten Stich

SPD 29.03.2023 Sitzungen 18/27

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Die Überschrift des Antrags „Mehr männ-29.03.2023 liche Lehrer an Grundschulen!“ hat mich etwas verwirrt. Ich kann nur sagen: Wir brauchen Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen. Hier fehlen uns die wichtigsten Akteure, die unsere Kinder so dringend benötigen, um gut unterrichtet zu werden. (Beifall von der SPD) Da ist es mir und meiner Fraktion erst einmal herzlich egal, welches Geschlecht diese Lehrkräfte haben – ob männlich, weiblich oder divers. Wir müssen dem Lehrkräftemangel und der wachsenden Bildungskatastrophe entschlossen entgegentreten. (Beifall von der SPD – Zuruf von Sven Werner Tritschler [AfD]) Unser Hauptfokus sollte derzeit aber nicht auf einer speziellen Personaloffensive nur für männliche Mitarbeiter liegen, sondern es muss darum gehen, generell mehr Lehrerinnen und Lehrer auszubilden. Dann müssten diese natürlich auch noch im Schuldienst verbleiben. Dazu bedarf es guter Rahmenbedingungen. Falls es der AfD allerdings um die gleichberechtigte Repräsentanz aller Geschlechter geht, sollte sich die AfD-Fraktion vielleicht mal an die eigene Nase fassen. Von elf Abgeordneten ist nur eine weiblich. (Zuruf von Christian Loose [AfD]) Damit liegt die Fraktion mit nur 9,1 % Frauenanteil unter dem Anteil von Männern in Grundschulen, der laut Ihrem Antrag bei 9,9 % liegt. Von gleichberechtigter Repräsentanz innerhalb AfD-Fraktion kann man also nicht sprechen. Aber wen verwundert es? (Beifall von der CDU – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN – Zuruf von der AfD) Die AfD stellt in ihrem Antrag den fälschlichen Zusammenhang her, dass die schlechtere Benotung von Jungen etwas damit zu tun habe, dass es mehr weibliche als männliche Lehrkräfte gibt. Ich sage Ihnen: Dafür gibt es keinerlei empirische Evidenz. Im Gegenteil: Studien von Kuhl und Hannover aus dem Jahr 2012, in denen die Motivation und die Kompetenzentwicklung von Jungen und Mädchen in Abhängigkeit vom Geschlecht ihrer Lehrkräfte verglichen wurden, wiesen eher darauf hin, dass Mädchen und Jungen von einer weiblichen Lehrkraft stärker profitieren als von einer männlichen. Es zeigt sich wieder: Ihr System ist es, eine Behauptung aufzustellen und irgendetwas ohne Substanz nachplappern, aber es ist nicht das System, nach dem die Welt funktioniert. (Sven Werner Tritschler [AfD]: Die sozialde- mokratische Welt!) Kinder orientieren sich natürlich an Vorbildern des eigenen Geschlechts, aber auch des anderen Geschlechts. Mädchen brauchen Männer genauso, wie Landtag Jungen sie brauchen. Einen partnerschaftlichen Umgang, bei dem Frauen und Männer sich einander wertschätzend und respektvoll begegnen, können Kinder nur dann erfahren, wenn sie ihn in ihrem Alltag erleben. Das gilt ohne Frage für Männer genauso wie für Frauen. Daher brauchen wir Frauen und Männer in Kitas und Schule, in pädagogischen Berufen und als Lehrkräfte. Klaus Hurrelmann hat einmal gesagt, Männer seien eine erlebnispädagogische Sensation in Kitas und Grundschulen. – Dieses Erlebnis gönne ich jedem Kind, und darauf müssen wir hinarbeiten. (Beifall von der SPD) Da in dem Antrag der AfD auf das Hamburger Modell verwiesen wird, seien zwei Dinge angemerkt. Erstens hat Hamburg genügend Lehrkräfte: Auf eine offene Stelle im Primarbereich gibt es acht Bewerberinnen. Das ist also eine gänzlich andere Situation als in NRW. Hier ist es nämlich genau umgekehrt: Auf acht Stellen gibt es mit viel Glück eine Bewerberin. Zweitens sollte man wissen, dass Hamburg ab dem 1. August 2023 allen Lehrkräften A13 Z bezahlt, egal, an welcher Schule sie arbeiten. Das Z steht für beamtenrechtliche Studienratszulage. Davon sind wir hier Nordrhein-Westfalen noch weit entfernt. Wir werden es erst kurz vor den nächsten Landtagswahlen geschafft haben, dass A13 für alle Lehrkräfte als Einstiegsgehalt gilt. Wenn es dann in NRW auch noch so weit ist, dass es irgendwann in Grundschulen genauso viele Aufstiegsmöglichkeiten wie in Schulen der Sekundarstufe I oder Sekundarstufe II gibt, werden auch mehr Männer in Erwägung ziehen, Grundschullehrer zu werden. Summa summarum ist es wie auch bei der IQB-Studie noch ein langer Weg, bis wir hier in NRW so weit sind wie in Hamburg. Wir stimmen der Überweisung zu. (Beifall von der SPD)

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