Carlo Clemens
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Bürger! Erich Kästner wird das treffende Zitat zugeschrieben: „Man muss mehrere Vorbilder haben, um nicht eine Parodie eines Einzelnen zu werden.“ Blickt man auf die Grundschulen in Nordrhein-Westfalen, so droht unseren Schülern genau dieses Schicksal. Denn Frauen sind als Lehrkräfte an Grundschulen nicht nur in der klaren Überzahl, sondern manchmal sogar ganz unter sich. Jungen brauchen aber nicht nur weibliche, sondern auch männliche Vorbilder. Und das sage ich nicht nur als Familienvater einer Tochter und eines Sohnes, sondern auch als Scheidungskind. Und auch Mädchen profitieren natürlich gleichermaßen von männlichen Lehrern als Vorbild. Vor rund 50 Jahren war in NRW noch jeder dritte Lehrer an Grundschulen männlich. Heute liegt der Anteil bei gerade einmal 9,9 %. Dieses Missverhältnis wird von der Politik seit Jahren ignoriert. Schon 2017 berichtete der Deutschlandfunk ausführlich über diese Entwicklung und ließ die damalige Schulleiterin der Gemeinschaftsgrundschule Liborius in Bochum zu Wort kommen. Ich zitiere: „Wir hatten Bewerber auf die Konrektorenstelle, wo wir gerne einen Mann hätten. Weil es für die Jungs wichtig ist, dass sie mit männlichen Partnern zusammen sind und nicht nur immer Frauen. Die kommen aus dem Kindergarten, da gibt es primär Frauen. Dann in der Grundschule.“ Dabei ist diese Schule in Bochum kein Einzelfall. Nehmen Sie Waltrop im Kreis Recklinghausen. Wenn man einen Blick auf die Schul-Homepages wirft, dann stellt man fest, dass es an zwei von drei Grundschulen keinen einzigen männlichen Lehrer im Kollegium gibt. Und das hat Folgen. Die besonderen Bedürfnisse von Jungen in der Schule werden mehr und mehr aus den Augen verloren. Diese Entwicklung hat in den vergangenen Jahren zu einer Krise der Jungen im Bildungssystem geführt. Männliche Schüler stellen mit 62,1 % den größten Anteil der Schulabbrecher ohne Abschluss. Ihr Anteil an den Jahrgängen der höheren Schulformen schrumpft stetig, obwohl ihr Anteil an der Bevölkerung größer ist. Auch studieren sie immer seltener als Mädchen. Landtag Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. An den 2.788 Grundschulen, die IT.NRW für das Schuljahr 2021/22 zählte, gab es insgesamt weniger als 5.000 männliche, aber mehr als 45.000 weibliche Lehrkräfte. Der Trend verstärkt sich seit Jahren und Jahrzehnten, und eine Umkehr ist nicht in Sicht. Doch wir sprechen es aus; wir fordern: Mehr Männer in die Grundschulen! Ein Hamburger Modellprojekt zeigt, wie wir junge Männer für das Grundschullehramt gewinnen können. Mit einem Schüler-Campus sollen interessierte Oberstufenschüler mit dem Berufsbild in Kontakt kommen. Eine Kooperationsstruktur ermöglicht ihnen das Durchführen von Praktika und Hospitationen an Grundschulen. In einem Netzwerk für Grundschullehrer können sich alte Hasen und Berufseinsteiger austauschen und vernetzen. Von mehr Männern an den Schulen würden also nicht nur die Schülerinnen und Schüler profitieren, sondern auch das gesamte System Schule. Wie das Statistische Bundesamt jüngst mitteilte, ist die Teilzeitquote in Schulen mit 48,2 % deutlich höher als in der freien Wirtschaft. Ursache ist dafür auch der hohe Anteil an Frauen, die deutlich häufiger in Teilzeit arbeiten als Männer. Betroffen sind dabei alle Schulformen, da Frauen auch an weiterführenden Schulen mittlerweile die große Mehrheit der Lehrkräfte stellen – Tendenz: steigend. Mehr Männer an Grundschulen können daher nur ein erster Schritt zur Lösung der Krise der Jungen in unseren Schulen sein. Was es braucht, sind weitere Maßnahmen hin zu einer jungengerechten Pädagogik. Was es vor allem ganz akut braucht, sind verschiedene, auch gerne außergewöhnliche Ansätze, um den Lehrermangel anzugehen und flächendeckend die Unterrichtsversorgung zu sichern. Fast 800 Jobaussteiger an Schulen hat es alleine im Jahre 2022 gegeben, darunter fast 300 von verbeamteten Lehrern, wie der WDR jüngst berichtet. Die Zahl der Kündigungen hat sich damit innerhalb von zehn Jahren im Schulsystem fast verdreifacht. Also ergreifen wir als einen Mosaikstein einer größeren Gesamtstrategie gegen den Lehrermangel Maßnahmen zur zusätzlichen Gewinnung männlicher Lehrkräfte durch ein Modellprojekt für NRW! – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
