Ina Brandes
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die Gedenkstätte Stalag 326 ist ein wichtiger Ort der historisch-politischen Bildung; denn er hält, wie wir jetzt gehört haben, die Erinnerung an die Verbrechen an sowjetischen Kriegsgefangenen während der NS-Terrorherrschaft wach. Deshalb bin ich sehr dankbar, dass sich die vier demokratischen Fraktionen gemeinsam dafür einsetzen, diesen Ort sichtbar zu machen. Der Angriffskrieg auf die Ukraine, auf einen souveränen Staat mit einer demokratisch gewählten Regierung, macht dieses Anliegen noch dringender; denn Stalag 326 macht eben auch anschaulich, welche verheerenden Folgen der Krieg eines diktatorischen Staates für jeden einzelnen Menschen hat. Stalag 326 zeigt, dass es den sowjetischen Kriegsgefangenen nicht gibt, dass diese Gruppe vielfältiger war als der Begriff es vermuten lässt. Es waren Menschen aus der heutigen Ukraine, aus Lettland, Usbekistan und eben auch der Russischen Föderation, Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Prägungen und religiösen Hintergründen. Als Musterungslager war Stalag 326 für viele Menschen ein Durchgangsort zu einem Arbeitskommando, mit dem sie irgendwo auf dem Gebiet des heutigen Nordrhein-Westfalens eingesetzt wurden. Diese Geschichte und die Geschichten dieser Menschen gilt es, vor dem Vergessen zu bewahren. Durch die dort authentisch erhaltenen Gebäudekomplexe hat Stalag 326 bundesweit ein Alleinstellungsmerkmal. Wir haben die einmalige Chance, diesen erhaltenen Ort zu nutzen. Dafür bilden die finanziellen Mittel, die 60 Millionen Euro, die der Bund, das Land und der Landschaftsverband zur Verfügung stellen, eine gute Grundlage. Diese gilt es zu nutzen, um die authentischen Gebäude als Kern der Gedenkstätte instand zu setzen und zusätzliche Gebäude zu errichten, die Ausstellung zu gestalten und vor allen Dingen auch die virtuelle Gedenkstätte mit ihren digitalen Angeboten auf den Weg zu bringen und mit anderen Gedenkstätten in Nordrhein-Westfalen zu vernetzen. Das Land wird die Voraussetzungen für die Trennung der Gedenkstätte und des Landesamtes für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegen-08.03.2023 heiten der Polizei in diesem Jahr voranbringen und dafür zusätzliche Mittel bereitstellen. Ich danke Herbert Reul sehr herzlich dafür, wie intensiv er dieses Projekt unterstützt hat. Ich danke auch Marcus Optendrenk dafür, dass er uns finanziell hilft. Die Zeit, die wir brauchen, um diese bauliche Trennung dafür zu organisieren, können wir nutzen, um parallel die aktuell bestehenden Möglichkeiten der baulichen Gestaltung für die Gedenkstätte zu prüfen und gleichzeitig die Vorbereitungen für eine Trägerorganisation für die Weiterentwicklung der Gedenkstätte zu schaffen. Wesentlich ist dafür auch, die wissenschaftlichen Arbeiten als Kern der historisch-politischen Bildungsarbeit auf der Gedenkstätte weiter voranzubringen. Hierfür wurden in den letzten Jahren durch entsprechende Projektförderungen des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft für den Landschaftsverband und für Forschungen des Volksbundes zu Schicksalen sowjetischer Kriegsgefangener bereits wichtige Grundlagen gelegt. Diese Arbeit gilt es jetzt fortzusetzen. Ich danke allen Beteiligten sehr herzlich für den herausragenden Einsatz für diesen wichtigen Erinnerungsort. Aber vor allen Dingen danke ich unserem Landtagspräsidenten André Kuper, ohne dessen Einsatz dieses Projekt nicht möglich wäre. – Herzlichen Dank. (Beifall von der CDU, der SPD, den GRÜNEN und der FDP)
