Enxhi Seli-Zacharias
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Dass wir uns am Internationalen Frauentag mit einem Antrag zum Thema „Gleichberechtigung im Erwerbsleben“ beschäftigen, überrascht nicht. Inzwischen ist das ja politisches Tagesgeschäft. An diesem Antrag der Regierungsfraktionen ist eine Sache jedoch sehr interessant. Es geht um die Begrifflichkeit „Intersektionalität“. Jene Begrifflichkeit beschreibt die Überschneidung und Gleichzeitigkeit verschiedener Formen von Diskriminierung gegenüber einer Person und hat auch, wie Sie sicher alle wissen, eine bestimmte Vorgeschichte. Dieser eigenartige Begriff steht dafür, in Summe alle Unterdrücker und Ungleichheitsmechanismen zusammenzufassen, und ist ein wesentlicher Bestandteil der sogenannten Queer Theory geworden. Der Vulkan der intersektionellen Diskriminierung wäre beispielsweise folgende Konstellation: eine Person, die zugleich weiblich, schwarz, queer, muslimisch, körperbehindert und nicht akademisch ist. Eine mehrfache Opferrolle kommt im Kern einer Heiligsprechung gleich; es kommt einem fast so vor, als ginge es um einen Wettbewerb um die größtmögliche Benachteiligung. Aber darum sollte es ja am heutigen Tage nicht gehen, und das ist auch das Problem. Der Internationale Frauentag, gerade leider Gottes von einer grünen Abgeordneten als Kampftag benannt – traurigerweise –, wurde früher und eben wie heute gekapert. Historisch betrachtet ist der Internationale Frauentag ein Höhepunkt kommunistischer Propaganda. Früher ging es den Staatsführern um 08.03.2023 die Kontrolle der Keimzelle Familie, die im totalitären System übrigens immer nur rein biologisch für den Nachwuchs zu sorgen hatte, nicht aber für die Sozialisation. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass wir einen gesetzlichen Feiertag zum Internationalen Frauentag in der Volksrepublik China, in Nordkorea, in Belarus, Vietnam, Russland und traurigerweise auch in Deutschland in den Bundesländern Berlin und Mecklenburg-Vorpommern finden. Wenn es Ihnen doch so sehr um die Beschäftigungsquoten geht, dann rufen Sie in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen an. Dort läuft es schließlich besser, aber das mag jetzt wahrscheinlich politisch nicht sonderlich gut schmecken. Uns sollte es ganz klar nicht um Zahlen gehen. Niemals wird darauf hingewiesen, was in Jahren und Jahrzehnten von Frauen für Frauen erreicht wurde, dass den Frauen in unserem Land jeder Beruf heute offensteht, dass Frauen in Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft, Militär und selbstverständlich auch in Positionen alles werden können, was sie wollen. (Tim Achtermeyer [GRÜNE]: Warum gibt es dann bei Ihnen so wenige Frauen?) Fakt ist, dass in unserer Gesellschaft, wie in allen anderen Gesellschaften auch, Menschen, die es von Anfang an schwer haben, bestimmte Lebensziele zu erreichen, schlichtweg existieren. Das ist klar und auch unbenommen. Ob das für Frauen generell gilt, ist aber eher zu bezweifeln. Der hier diskutierte Antrag listet nun eine Vielzahl von Schwierigkeiten auf, die Frauen daran hindern könnten, im Berufsleben gleichgestellt zu sein. Aber gleichgestellt mit wem? Gleiches Recht für alle? Ohne jeden Zweifel. Gleiche Chancen für alle? Auch ohne jeden Zweifel. Gleiche Berufsperspektiven für alle? Ebenfalls ohne jeden Zweifel. Es bleibt aber unverständlich, weshalb derlei wichtige Fragen wieder und wieder auf das uralte Kampffeld „Männer gegen Frauen“ verschoben werden. Ungerechtigkeiten und Ablehnungen treffen Männer wie Frauen gleichermaßen. Diskriminierung ist nicht weniger schlimm, wenn sie einen Mann trifft. Wir leben schließlich nicht mehr im frühen Mittelalter, als eine Strafe für den Täter höher ausfiel, wenn eine Frau verletzt oder getötet wurde. Dahinter stand nämlich der Gedanke, dass sich ein erwachsener Mann schließlich wehren könne. Heute sind Frauen glücklicherweise keine zu beschützenden und vor allem wehrlose Wesen mehr. So zu denken, kommt einer Beleidigung gleich. Frauen sind gleichberechtigt und damit gleichwertig – ja, gleichwertig, nicht höherwertig. Sie brauchen Gerechtigkeit, keine Sonderkonditionen. Gegen eklatante Ungerechtigkeiten und willkürliche Ungleichbehandlung gibt es zum Glück unser Grundgesetz. Landtag Und weil das gerade in der Debatte Thema war, möchte ich eines ganz klar sagen: Welchen Karriereweg eine Frau einschlagen soll oder einschlagen will, das hat schlichtweg nicht dieses Parlament und auch sonst kein anderes Parlament zu entscheiden. (Beifall von der AfD) Deswegen möchte ich mit einem Zitat eines der größten Weltstars schließen. Marilyn Monroe sagte: „Karriere ist etwas Herrliches, aber man kann sich nicht in einer kalten Nacht an ihr wärmen.“ Ich denke, das ist eine Entscheidung, die jede Frau für sich selbst treffen sollte. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
