Andrea Busche
Sehr geehrter Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Die Übertragung der Idee von Familienzentren der Kindertageseinrichtungen in den Schulbereich ist sinnvoll und ergänzt den Gedanken der vernetzten Strukturen. Solche Familiengrundschulen verstehen sich als multiprofessionelles Netzwerk zur Unterstützung von Familien im Quartier. […] Wir wollen dazu beitragen, noch mehr Schulen zu Familienzentren auszubauen und so gerade an Standorten mit vielfältigen Herausforderungen eine nachhaltige Absicherung zu gewährleisten.“ „Grundschulen werden wir daher zu Orten der Bildung, Beratung, Begegnung und Unterstützung von Familien weiterentwickeln. Die Vernetzung der Kita- und Grundschulfamilienzentren mit anderen Einrichtungen im Stadtteil, in dem Eltern leben, führt zu einer ganzheitlichen Beratung und Hilfestellung.“ „Wir wollen damit allen Grundschulkindern und ihren Familien eine erfolgreiche Grundschulzeit ermöglichen und sie für die weiteren Herausforderungen auf ihrem Bildungsweg stark machen. Wir wollen schnellstmöglich und landesweit 300 Familiengrundschulzentren neu einrichten und deren Finanzierung dauerhaft sichern.“ Das, meine Damen und Herren, ist alles richtig. Ich muss zugeben: Das habe ich mir nicht ausgedacht, sondern es steht in den Wahlprogrammen von CDU, Grünen und FDP. Der zentrale Satz aus dem SPD-Wahlprogramm lautet: Wir wollen dieses Konzept an 08.03.2023 allen Grundschulen ermöglichen. – Sie sehen also, inhaltlich haben wir vollen Konsens. Bevor Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen der Koalition, jetzt sagen, der Antrag sei überflüssig, das stehe ja in unserem Koalitionsvertrag, dafür brauche es keinen SPD-Antrag, lassen sie mich festhalten: Wir haben eine Bildungskatastrophe. Wir müssen jetzt die bereits vorhandenen Angebote in den Stadtteilen strukturiert und niederschwellig an einem Ort bündeln, vorstellen und vorhalten. Nur so schaffen wir es, Familien zu erreichen und vertrauensvoll zusammenzuarbeiten, insbesondere auch im Bereich der Inklusion. (Beifall von der SPD) Das Geld, das wir hier investieren, ist eine Investition in die Zukunft unserer Kinder. Gerade in benachteiligten Stadtteilen mit vielen Herausforderungen ist das immens wichtig. Weil viele Kommunen wissen – unter anderem meine Heimatkommune Bochum –, wie wichtig Familienzentren an Grundschulen sind, haben sie sich inzwischen schon selbst auf den Weg gemacht und selbst bei leeren Kassen in Brennpunkten Familiengrundschulzentren errichtet, weil der Baum brennt. Trotz des Mehrwerts der Familiengrundschulzentren und der erkennbaren Notwendigkeit, schnell zu handeln, haben das Ministerium und auch die Koalition bisher keine Initiative erkennen lassen, hier selbst tätig zu werden. Deswegen stellen wir heute diesen Antrag, damit die Kommunen schnell die notwendigen finanziellen Ressourcen haben, flächendeckend Familiengrundschulzentren zu etablieren, damit Schulleitungen und Lehrkräfte sowie Kinder, Familien und Kommunen wissen: Wir haben euch verstanden, wir wissen, dass dieses Konzept euch hilft, wir packen das jetzt an. (Beifall von der SPD) Lassen Sie mich aus meiner persönlichen Erfahrung an einer OGS, an einer Grundschule, berichten, und auch als ehemalige Bezirksbürgermeisterin in Bochum: Wir kommen mit den bestehenden Strukturen an viele Familien nicht so heran, wie wir das gerne möchten. Wir wissen aus Kitas, dass wir mit genau so einem Angebot viele Familien bekommen. Wir schaffen Hürden ab, die vielleicht bestehen, und wir zeigen Programme auf, die längst bestehen, aber nicht bekannt sind. Das ist niederschwellig. Gerade in einer Grundschule erreichen wir alle Kinder – und nicht nur Kinder, die eine Kita besuchen. (Beifall von der SPD) Deswegen ist es wichtig, dass wir jetzt starten, und zwar schnell. Die Fakten und die Vorteile liegen auf der Hand. Der politische Konsens ist da, der Antrag so gehalten, dass er anschlussfähig ist. Ich bin gespannt auf die Landtag Debatte in den Ausschüssen. Lassen Sie uns jetzt bitte gemeinsam diesen Weg gehen, lassen Sie uns das auf die Beine stellen – für unsere Kinder, für unsere Familien, für unser NRW. – Danke schön. (Beifall von der SPD)
