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Dr. Christos Katzidis

CDU 26.01.2023 Sitzungen 18/22

Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Und täglich grüßt das braune Murmeltier. Herr Kollege Keith, ich finde es unerträglich, wie Sie mit Ihrem populistischen Antrag eine ganze Sportart denunzieren. (Beifall von der CDU, der SPD und den GRÜNEN) Ich finde es unerträglich, wie Sie mit so einem populistischen Antrag das gesamte ehrenamtliche Engagement in den deutschen Amateurvereinen denunzieren. Das ist wirklich unerträglich. Ich bezeichne es auch gerne sehr konkret und beginne dort, wo Sie im Prinzip aufgehört haben. Sie haben gerade die Rettungskräfte und die Situation in den Innenstädten mit hineingeworfen, Sie sprechen von Funktionären, von Geld und allem Möglichen, Landtag was aber mit Gewalt und mit der Gewaltsituation auf den Plätzen überhaupt nichts zu tun hat. Ihr Antrag ist auch mit Blick auf Nordrhein-Westfalen faktenfrei. Ich habe Ihren vierseitigen Antrag gelesen, aus ihm aber keine einzige Zahl, keine Daten und keine Fakten darüber zur Kenntnis genommen, wie die Situation in Nordrhein-Westfalen ist. (Zuruf von Andreas Keith [AfD]) Im ersten Absatz Ihres Antrags gehen Sie auf die Pressemitteilung des Deutschen Fußballbundes ein. Sie haben soeben mit einem Halbsatz angesprochen, was die Prozentzahlen anbelangt, wobei Sie vorrangig nur die absoluten Zahlen genannt haben. Es gibt bundesweit im Bereich des DFB bei den Amateurvereinen eine Steigerung von 0,05 % auf 0,075 %. Sie haben aber mit keiner Zahl und mit keinem Wort die Situation in Nordrhein-Westfalen angesprochen. Für mich spricht das dafür, dass Sie nicht einmal wissen, wie die Situation in Nordrhein-Westfalen ist. Denn sonst hätten Sie sich vielleicht auch einmal die Zahlen des Westdeutschen Fußballverbandes und der drei Fußball-Landesverbände in Nordrhein-Westfalen angeguckt. Dazu haben Sie aber kein einziges Wort verloren. Die Zahlen im Bereich von Nordrhein-Westfalen sind seit 2017 ohne jegliche Steigerungen insgesamt stabil. Ich gehe noch einmal in das Jahr 2017/18 zurück. Damals lag der Anteil der Störungen bei 0,54 %. Im Jahr 2021/22 lag er bei 305.320 Spielen ebenfalls bei 0,54 %. Der Gewaltanteil betrug damals 0,34 %, 2021/22 lag er bei 0,35 %. Das Gleiche finden wir bei den Vorfällen von Diskriminierung und Spielabbrüchen. All das erwähnen Sie aber mit keinem einzigen Wort. Wenn Sie jetzt in die drei Fußball-Landesverbände, die es in Nordrhein-Westfalen gibt, hineingehen und sich dort die Situation konkret anschauen, werden Sie feststellen, dass es dort auch kein Gefälle gibt, sondern die Zahlen in allen drei Landesverbänden ähnlich stabil sind. Natürlich ist jeder einzelne Fall von Gewalt einer zu viel, der komplett geächtet und der auch hart sanktioniert werden muss – in allen Bereichen im Übrigen. Da würde ich mir manchmal auch an der einen oder anderen Stelle bei den Urteilen weitaus mehr wünschen, um da auch ein klares Präventionszeichen zu setzen. Aber so, wie Sie eben die Situation in Gänze dargestellt haben, wie Sie eben im Prinzip die gesamte Redezeit nur darauf verwendet haben, hier ein Negativbild zu skizzieren, so ist es nicht in der Bundesrepublik Deutschland. Ich würde mir wünschen, dass die AfD-Mitglieder irgendwann einmal aufwachen und in der Realität ankommen. 26.01.2023 Sie skizzieren hier immer Bilder davon, wie schlimm das alles ist und dass man aufräumen muss und dass nichts getan wird. – Sie haben sich aber gar nicht damit beschäftigt, was alles getan wird. Sie haben hier eben Forderungen erhoben gegenüber dem DFB und gegenüber den Fußballverbänden. Wissen Sie überhaupt, was die Fußballverbände im Bereich der Gewaltprävention alles tun? (Zuruf von Andreas Keith [AfD]) – Ja, gehört habe ich nichts von Ihnen, Herr Keith. Kein einziges Wort habe ich von Ihnen gehört. Nichts haben Sie eben dazu gesagt. Wenn Sie es wüssten, hätten Sie es vielleicht dargestellt. Ich möchte hier das eine oder andere nennen. Es gibt in allen Fußballverbänden eine zentrale Anlaufstelle für Gewalt-, Diskriminierungs- und Extremismusvorfälle. Überall in den Fußballverbänden werden Statistiken geführt, sonst könnte ich hier auch nicht mit Zahlen, Daten und Fakten argumentieren und die Situation darstellen. Alle Fälle werden in den Verbänden bearbeitet. Es gibt die Festlegung standardisierter Prozesse bei der Bearbeitung von Fällen. Es gibt Netzwerke, im Übrigen auch mit relevanten Akteuren, die da auch aktiv sind. Es gibt eine Zusammenarbeit insbesondere mit den Ansprechpartnern in den Fußballkreisen, nämlich an der Basis – da, wo die Arbeit an sich geleistet wird. Es gibt eine psychologische Erstbetreuung insbesondere für die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter in den Fußballverbänden, und es gibt weitere Einzelmaßnahmen der NRW-Landesverbände. Es gibt also sehr viel, was die 21 Landesverbände und fünf Regionalverbände in der Bundesrepublik Deutschland – alles Amateurverbände – tun. Da wird ganz viel getan, bis hin zum Projekt „Fußball Verein(t) gegen Rassismus“. Trotzdem skizzieren Sie hier immer Negativbilder, die in der Form nicht zutreffend sind, und Sie verknüpfen auch vieles. Da möchte ich in aller Deutlichkeit den Populismus Ihres Antrags herausstellen und zu der einen oder anderen unsäglichen Aussage in Ihrem Antrag kommen. Erstens. Zitat aus Ihrem Antrag: „Dass gescheiterte Integration und Gewalt auf dem Fußballplatz Hand in Hand gehen, hat sich seitdem immer wieder bestätigt.“ (Prof. Dr. Daniel Zerbin [AfD]: Richtig!) – Ja, das ist Ihre Welt, dass das richtig ist. – Wissen Sie eigentlich, was die Amateurvereine an sozialer Integration, an Integrationsarbeit leisten? Wissen Sie, wie viele Menschen mit einem Migrationshintergrund in den Vereinen selbst, was das Spiel angeht und im Ehrenamt, aktiv sind? Nein, das wissen Sie alles gar nicht. Sie heben hier eine ganz kleine Landtag Gruppe heraus und denunzieren alle anderen. Das finde ich unerträglich! (Beifall von der CDU, der SPD und den GRÜNEN) Es gibt auf den Fußballplätzen, in den Fußballvereinen in der Bundesrepublik Deutschland eine hervorragende Integrationsarbeit. Die Vereine, die alle ehrenamtlich tätig sind, leisten da eine ganz hervorragende Arbeit. Ich würde mir wünschen, dass auch die AfD das einmal zur Kenntnis nehmen würde. Zweitens. Zitat aus dem Antrag: „Eine Minderheit von gewaltbereiten Integrationsverweigerern zersetzt damit nicht nur den Sport, sondern auch die Gesamtgesellschaft, indem sie all jene in Verruf bringt, die sich über den Fußball integrieren wollen.“ (Andreas Keith [AfD]: Ja!) – Nein, die tun es nicht, sondern Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren von der AfD, die sich immer und immer – so wie Sie es, Herr Keith, auch eben wieder getan haben – die Einzelfälle herauspicken, bestimmte Bilder und Szenarien versuchen in die Gesellschaft zu projizieren und damit alles in Verruf bringen. Es sind nicht diese einzelnen Gewalttäter, die das machen, sondern Sie! (Zuruf von Andreas Keith [AfD]) – Stimmt, aber es gibt auch Gewalt in anderen Bereichen. Ich habe es eben schon dargestellt, und ich würde es mir auch wünschen, dass Urteile viel härter ausfallen, weil die nach meinem Verständnis auch eine Präventionswirkung haben. – Aber lassen Sie uns bitte bei der Faktenrealität bleiben. Da komme ich zum dritten Punkt aus Ihrem Antrag. Sie stellen nämlich, was die Rechts- und Verfahrensordnung des Westdeutschen Fußballverbandes angeht, auch wieder nur eine Seite dar. Zitat aus Ihrem Antrag: „Schließlich ist festzustellen, dass die Rechts- und Verfahrensordnung der Verbände, darunter des Westdeutschen Fußballverbands e. V., Gewalttätern nach wie vor zahlreiche Schlupflöcher bietet.“ Sie sprechen mit keinem Wort den § 5 Abs. 2 der Verfahrensordnung des Westdeutschen Fußballverbandes an, wo eine ganze Reihe von Strafen aufgeführt sind, die ausgesprochen werden könnten. Da zeigt sich wieder, dass Sie nur in die eine Richtung unterwegs sind, nämlich Negativbilder zu skizzieren und alles, was schon geleistet wird, was vorhanden ist, völlig ausblenden. Das finde ich wirklich erschreckend. Auch die Menschen draußen merken das. Sie merken das schon seit 2017, zumindest hier in Nordrhein-Westfalen, und es wird immer deutlicher. Ich mache das an einer letzten Stelle fest. Sie haben eben die Schiedsrichtersituation und die rückläufigen Zahlen bei den Schiedsrichtern angesprochen. Sie haben Vergleiche herangezogen von 2006 bis heute, 26.01.2023 Saison 2021/2022. Was Sie nicht erwähnen, weil Sie es wahrscheinlich auch gar nicht wissen – Sie schmunzeln wieder, Herr Keith, ich weiß nicht, wie Sie sich oder ob Sie sich informiert haben –: 2006 ist anders gezählt worden als 2021/22. Das heißt, Sie können die Zahlen überhaupt nicht miteinander vergleichen, und trotzdem tun Sie es. Damals sind die passiven Schiedsrichter mitgezählt worden, die heute nicht mehr mitzählen. Damals sind Schiedsrichter, auch wenn sie kein Spiel gemacht haben, mitgezählt worden. Wenn sie heute kein Spiel machen, werden sie nicht mitgezählt. Sie vergleichen also Äpfel mit Birnen und versuchen so, ein Negativbild zu skizzieren.

Alle Reden von Dr. Christos Katzidis Protokoll ↗