Markus Höner
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Weg zur Gesundheit führt durch die Küche, nicht durch die Apotheke. Was Pfarrer Sebastian Kneipp schon vor 150 Jahren wusste, ist aktueller denn je. Was wir essen, hat nicht nur große Auswirkungen auf unsere Gesundheit, sondern auch auf die Umwelt, die Landwirtschaft und das Klima. Aktuell zeigt der Krieg in der Ukraine, wie wichtig resiliente Versorgungs- und Wertschöpfungsketten für unsere Bürgerinnen und Bürger und für unsere Landwirtschaft sind. Wir möchten eine ernährungssichernde Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen stärken. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Darum setzt sich die Zukunftskoalition für die Stärkung eines nachhaltigen und gesunden Ernährungssystems für Nordrhein-Westfalen ein. Hierzu wollen wir eine umfassende Ernährungsstrategie auf den Weg bringen und unsere Ernährung zukunftssicher aufstellen. „Regional“ und „saisonal“ sind hier die wichtigsten Schlagworte. Was war zuerst da: die Henne oder das Ei, das Angebot oder die Nachfrage? Aktuell findet in Berlin die Grüne Woche statt. Bei unserem Ausschussrundgang sagte uns Olivier Kölsch vom Bundesverband der Deutschen Ernährungsindustrie: Nicht das Angebot ändert den Konsum, sondern die Nachfrage das Angebot. Genau da möchten wir mit unserem Antrag ansetzen. Es ist unsere Aufgabe, klare Akzente zu setzen, um eine regionale Lebensmittelversorgung zu fördern und die Nachfrage nach diesen Produkten zu stärken. Mit dem vorliegenden Antrag fordern wir die Landesregierung auf, eine umfassende Ernährungsstrategie zu entwickeln. Unsere Schlagworte sind hierbei „regional“, „saisonal“ und „modern“, „konventionell und bio gleichberechtigt“, „dem Verbraucher angepasst“, „Nachfrage unterstützen“, „Nachfrage stärken“. In diesem Antrag geht es uns auch um die Verbesserung des Wissens über die Ernährung – insbesondere bei den Kindern und Jugendlichen. Wer nicht weiß, was man kocht, weiß gar nicht, was er isst und welche Lebensmittel regional zu welcher Jahreszeit produziert oder angebaut werden. 26.01.2023 Uns geht es auch um die Koordination von regionalen Aktivitäten, also um den Aufbau von Netzwerken, um die Erzeugung, die Verarbeitung und die Zubereitung von regionalen Lebensmitteln zu fördern. Wir möchten in Nordrhein-Westfalen mit gutem Beispiel vorangehen, indem wir dabei unterstützen, die in Nordrhein-Westfalen regional und saisonal erzeugten Lebensmittel mit einer regionalen Nachfrage zusammenzubringen, indem wir aufzeigen, wie hochwertige Mahlzeiten zubereitet werden, indem wir unsere Kinder für frisch zubereitete Mahlzeiten sensibilisieren, indem wir dabei unterstützen, den Wert von Lebensmitteln – den Mitteln zum Leben – intensiver zu verdeutlichen. Es geht bei der Ernährungsstrategie Nordrhein-Westfalen keineswegs darum, selbstständigen Menschen vorzuschreiben, was auf ihren Teller kommt. Aber es soll möglichst jeder einen Zugang zu gesunden, regional produzierten Lebensmitteln haben. Besonders für Kinder ist es wichtig, frühzeitig und am besten mit Spaß zu lernen, wie eine gesunde Ernährung geht. Hierzu ist die Weiterentwicklung von öffentlichen Kantinen ein wichtiger Baustein. Mit dem Ausbau von Modellkantinen möchten wir zeigen, wie es geht, und ein Vorbild sein. Das Kantinenprogramm soll regionale Wertschöpfungsketten stärken und regionale Lebensmittel, die zu regionalem Essen verarbeitet werden, in unsere Kantinen bringen. Das sorgt für gesunde Ernährung bei der Außer-Haus-Verpflegung und stärkt die heimischen Produkte und die Landwirtschaft – ein doppelter Effekt. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Weiter setzen wir uns für die Reduzierung von Lebensmittelverlusten und Lebensmittelverschwendung auf allen Ebenen ein – angefangen bei der Erzeugung bis zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern. Im Schnitt wirft jeder Bundesbürger jährlich etwa 78 kg Lebensmittel weg. Ein Großteil davon sind vermeidbare Abfälle. Aber auch in den landwirtschaftlichen Betrieben muss schon einiges aussortiert werden. Mal ist die Gurke zu krumm, mal hat der Apfel Flecken oder das Gemüse die falsche Farbe. Wir verarbeiten natürlich gewachsene Produkte, bei denen sich eine naturnahe Sortierung positiv auswirken würde. Auch hier können wir über Bildung und neue Vermarktungswege Potenziale nutzen. Für uns steht fest: Was auf nordrhein-westfälischen Höfen erzeugt wird, ist zu wertvoll, um weggeworfen zu werden. (Beifall von der CDU – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN) Lassen Sie uns heute einen wichtigen Schritt in Richtung regionaler Lebensmittelversorgung gehen mit Landtag saisonal hergestellten Nahrungsmitteln, die frisch in Nordrhein-Westfalen zubereitet werden. Wir freuen uns auf die weitere Beratung im Ausschuss. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
