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Silvia Gosewinkel

SPD 26.01.2023 Sitzungen 18/22

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Den Titel des Antrags „Masterplan zur Stärkung der Kindergesundheit“ haben wir ganz bewusst gewählt. Denn mit der Entwicklung der Kinder sind ganz viele Berufsgruppen betraut. Wir reden hier über Gesundheit und nicht Krankheit; das sage ich sehr deutlich. Es sind die Hebammen, die Kinder- und Jugendärztinnen, die Erzieherinnen, die Tagespflegerinnen, die Therapeutinnen, Heilpädagoginnen und auch die Lehrerinnen. Allen voran haben die Eltern ein hohes Interesse daran. „Masterplan“ bedeutet, dass hier alle Systeme – damit meinen wir Bildungswesen, Gesundheitswesen und Kinder und Jugend – zusammenarbeiten. Deshalb sprechen wir von „Masterplan“. Die zuletzt genannten Eltern – Frau Woestmann, ich beziehe mich gern auf Sie – haben ein Interesse an Kindergesundheit, doch zurzeit sind sie Manager zwischen den Systemen. Ich frage mich: Ist das ihre Aufgabe? 26.01.2023 Im Dschungel zwischen all den Ansprechpartnern und Kostenträgern ist leicht der Überblick zu verlieren. Daher fordern wir in der gegenwärtigen Diskussion für unsere Kinder einen Masterplan, der seinem Namen gerecht wird. (Beifall von der SPD) Jede Berufsgruppe hat ihre eigene Expertise und ist wichtig in den Bereichen „Bildung“, „Gesundheit“, „Kinder und Jugend“. Ich wundere mich, ehrlich gesagt: Der Gesundheitsminister ist da, die Familienministerin ist auch dazugekommen. Aber wo ist die Schulministerin? Die geht das genauso an. Die Expertisen aus den Ressorts müssen im Sinne der Kinder verzahnt werden, auch politisch in der Diskussion. Genau hier setzen wir mit unserem „Masterplan Kindergesundheit“ aus fachlicher Sicht an. Stichwort „Fachkräftemangel“: Dieser steht heute auf der Tagesordnung, und wir haben gestern darüber gesprochen. Wir werden ihn auch morgen noch erleben, wenn wir uns nicht um die Menschen, die jetzt im System sind, kümmern. Wir setzen uns für diejenigen ein, die nun im System sind, dass mit ihnen wertschätzend umgegangen wird, damit der gegenwärtigen Berufsflucht entgegengewirkt wird. Deshalb fordern wir mit unserem Antrag eine Personaloffensive. Im Zuge dieser muss die interprofessionelle Zusammenarbeit im Bildungs- und Gesundheitswesen ausgeweitet und strukturell ermöglicht werden. Es ist außerdem wichtig, dass die berufliche Situation der Angehörigen der unterschiedlichen Professionen verbessert wird. Was können wir heute dafür tun? Der „Masterplan Kindergesundheit“ bezieht sich auf vier Bereiche: Gesundheit, Schule und Bildung, Kinder und Jugend sowie Sport. Genau das ist der Schlüssel: interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen den Bereichen. (Beifall von der SPD) Denn hier steht das Kind im Mittelpunkt. Es geht um die Entwicklungschancen. „Interprofessionelle Arbeit“ bedeutet, dass jede Profession aus ihrer Expertise heraus auf das Kind blickt und die Zusammenarbeit mit anderen Professionen erarbeitet – nicht parallel, das ist multiprofessionell, sondern interprofessionell, gemeinsam. Am Ende profitieren alle in diesem System, vor allem die Kinder. Alle, die mit der Entwicklung der Kinder betraut sind, sind in dem Zahnrad eines Systems. Wir wissen, dass komplexe Entwicklungsstörungen ab der Geburt diagnostizierbar sind, aber auch während der Entwicklung zum Beispiel durch Umgebungsfaktoren auftreten können. Zur Diagnostik und Therapie müssen daher über die Lebensspanne von der Geburt bis zum Schulabschluss ganzheitliche Förderkonzepte entwickelt werden, damit wir eine chancengleiche Landtag Bildungsbiografie begünstigen und – das sage ich auch sehr deutlich – den derzeitigen Bildungsverläufen entgegenwirken. Wir sehen es immer wieder beim IQB-Bildungstrend: Die Kinder werden schwächer. 20 % der Kinder können in der 4. Klasse noch nicht richtig lesen. Jetzt ziehe ich gerne einen wichtigen Slogan aus der Schublade: Natürlich beginnt Bildung in der Kita. Wichtige Vorläuferfähigkeiten zum Lesen lernen die Kinder schon im fünften und sechsten Lebensjahr. Die SPD-Fraktion steht für Chancengleichheit und Respekt – Respekt den Eltern, den Kindern und auch den Berufsgruppen gegenüber, die jeden Tag dafür arbeiten, dass die Kinder eine gute Zukunft haben. Wir fordern daher, dass Diagnostik und Therapien von Entwicklungsstörungen – ich sage bewusst: die sind nicht immer sofort sichtbar – in interprofessionellen Teams zum Beispiel auch im Schulalltag, im Offenen Ganztag wirklich umsetzbar sind. (Beifall von der SPD) Dafür müssen wir auch an die Qualität der Berufsausbildung heran; Sie sprachen es gerade an. Wir müssen uns darum kümmern, dass therapeutische Berufe sichere Rahmenbedingungen nach internationalen Standards haben, um evidenzbasiertes Handeln in der Praxis umsetzen zu können. Wir haben zum Beispiel die Hochschule für Gesundheit, ein Leuchtturm in NRW. Es ist wichtig, dass wir dafür ein neues Berufsgesetz für Therapieberufe haben – genauso wie bei den Hebammen; da sehen wir ja die positive Entwicklung. Entwicklungsstörungen entwickeln sich, wie der Name schon sagt, über einen gewissen Zeitraum. Wir haben gute stichprobenartige Untersuchungen wie zum Beispiel die U-Untersuchung. Es ist wichtig, dass es zu einem Austausch zwischen Bildungs- und Gesundheitswesen kommt. Das geht zum Beispiel über die Zusammenarbeit der Ressourcen: Wenn Erzieherinnen jahrelang Entwicklungsdokumentationen von Kindern machen und dabei Ressourcen, aber auch Defizite dokumentieren, das aber niemanden im Gesundheitswesen interessiert, verschleudern wir Kompetenzen. (Beifall von der SPD – Widerspruch von Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]) Das läuft hier falsch. Genau deshalb nennen wir unseren Antrag bewusst „Masterplan“, den wir hier politisch diskutieren müssen, damit das draußen in der Praxis auch umsetzbar ist. Wir stehen dafür und brauchen Wertschätzung der Kompetenzen aller Berufsgruppen, die ich vorhin aufgezählt habe. Gesundheits- und Bildungswesen müssen zusammenarbeiten – Case Management ist ein wichtiges Stichwort –, ähnlich wie in der Frühförderung. 26.01.2023 Die Frühförderung ist ein gutes Konzept für komplexe Entwicklungsstörungen, um im Alltagssetting in der Kita oder auch im häuslichen Umfeld Therapien zielgerichtet anzuwenden. Warum endet denn dieses Konzept mit Eintritt in die Schule? Dann ist die Entwicklungsstörung doch nicht weg. Die Kinder und auch die Eltern brauchen weiterhin gute Begleitung. (Beifall von der SPD) Wir haben jetzt die Chance, mit dem Masterplan genau diese Verzahnung zu erreichen und die Zusammenarbeit der Ressourcen – ich sage es noch einmal – interprofessionell zu gestalten. Ich möchte gerne mit einem Sprichwort enden: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. – Stimmt das wirklich? Als Logopädin kann ich sagen: Frühzeitige Diagnostik und Therapien machen es Hans deutlich leichter. Dieses Ergebnis möchte ich gerne bei den zukünftigen IQB-Bildungstrends für NRW sehen. Ich freue mich auf die weitere Beratung. Wir sind gegenüber den Stellungnahmen der Sachverständigen sehr offen. Ich freue mich im Sinne der Kindergesundheit, dass wir zusammen an einem Strang ziehen. – Danke schön. (Beifall von der SPD)

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