landtag.nrw.de ↗

Angela Freimuth

FDP 25.01.2023 Sitzungen 18/21

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen Landtag und Herren! Mit unserem Antrag wollen wir die neueste Entwicklung im Forschungsbereich „Fusionstechnologie“ aufgreifen – nicht nur, weil die Fusionstechnologie einen wichtigen, klassische erneuerbare Energien ergänzenden Beitrag zur Sicherung unseres Energiebedarfs unter der Maßgabe der Vermeidung der Freisetzung von CO leisten könnte; wenn wir das wollen – und auch hier in Nordrhein-Westfalen die Chancen ergreifen. Die Fusionstechnologie erlangte nach dem 5. Dezember 2022 besondere Aufmerksamkeit, denn erstmals demonstrierten Forschende der National Ignition Facility des Lawrence Livermore National Laboratory in Kalifornien, dass mit einer Fusionsreaktion mehr Energie entstanden ist, als mit den verwendeten Lasern eingestrahlt wurde. Konkret wurde damit der Nachweis einer neuen Form der Energiegewinnung erbracht, die unseren Energiemix perspektivisch um eine klimaneutrale und verlässliche Quelle ergänzen könnte. Noch besser: Deuterium und Lithium als Ressourcen für die Kernfusion sind in Wasser und Gestein weltweit nahezu unbegrenzt verfügbar und bergen daher nicht die Gefahr einer geostrategischen Abhängigkeit. Die Wissenschaftslandschaft in Deutschland ist in Bezug auf die Fusionstechnologie eigentlich gut aufgestellt. Nordrhein-Westfalen sollte deshalb die sich daraus ergebenden Chancen nutzen – mit einem ganzheitlichen, breiten Ansatz, der der Innovationsfreudigkeit im Bereich der vielversprechenden Fusionstechnologie einen entscheidenden Schub verleihen könnte. (Beifall von der FDP) Zu nennen sind insbesondere Projektfinanzierungen in Verbindung mit dem europäischen Förderprogramm EUROfusion oder mit ITER. Diese sind sicherzustellen und zu verstetigen. Es ist sich dafür einzusetzen, dass ein Exzellenzcluster für Fusionsforschung in Nordrhein-Westfalen aufgebaut wird. Mit dem Forschungszentrum Jülich sowie mit den Instituten in Münster, Bochum und Düsseldorf, die sich mit Plasmaphysik beschäftigen, haben wir schon gute Voraussetzungen, um Forschung und Entwicklung zur Kernfusion in die Energieforschungsoffensive und die Innovationsstrategie des Landes zu integrieren und einen Zugang zu landeseigenen Förderprogrammen zu ermöglichen. Ferner braucht es einen Rechts- und Förderrahmen, der die kommerzielle Erforschung und Entwicklung der Fusionstechnologien ermöglicht. Uns Freien Demokraten ist es ein Anliegen, die Chancen von Technologieoffenheit zu unterstreichen. 25.01.2023 Kein Missverständnis: Wir bekennen uns zum Ausbau der klassischen erneuerbaren Energien Photovoltaik, Wasserkraft, Biogas, Geothermie sowie Windenergie, auch wenn wir in einem dicht besiedelten Bundesland wie Nordrhein-Westfalen mit seiner Topografie und Geologie Begrenzungen haben. Wir wollen aber eben andere Technologien nicht aus dem Blick verlieren und insbesondere eine dahin gehende Forschung ermöglichen. Ob der Optimismus meiner Kollegin Bundesministerin Bettina Stark-Watzinger, dass wir in Deutschland in zehn Jahren das erste Fusionskraftwerk am Netz haben werden, gerechtfertigt ist? Der Bund plant die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren. Vielleicht weiß sie also mehr. Ich weiß nicht, ob wir in zehn Jahren die Technologie haben, die all unsere Energiefragen und -probleme löst. Ich weiß aber, dass Wissenschaft und Forschung insbesondere in internationaler Kooperation Enormes leisten können. Energiesicherheit und klimaschonende Energieversorgung sind eine weltweite Herausforderung, an der bereits ganz viele arbeiten. Wenn Fusionskraftwerke in der Grundlast bzw. der Residuallast das System der klassischen erneuerbaren Energien ergänzen können, dann ist doch ein wichtiger Schwachpunkt der erneuerbaren Energien beseitigt. Die Technologie und die Forschungsschritte sind vielversprechend. Wir sollten die Chance nicht ungenutzt lassen, diese Technologie nutzbar zu machen. Wir sollten die Grundlagenforschung und die technische Entwicklung weiter fördern. Lassen Sie uns die Chancen ergreifen, herauszufinden, ob die Fusionstechnologie halten kann, was die ersten Forschungsergebnisse in Aussicht stellen. In diesem Sinne freue ich mich auf die weitere, hoffentlich konstruktive Beratung. – Vielen Dank. (Beifall von der FDP)

Alle Reden von Angela Freimuth Protokoll ↗