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Marcel Hafke

FDP 20.12.2022 Sitzungen 18/19

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern haben uns alle erschüttert. Egal, ob Lügde, Münster, Bergisch Gladbach, Attendorn oder Wermelskirchen, jedes Mal war mit diesen Fällen unermessliches Leid von Kindern verbunden. Wir wissen von 13.539 Kindern, Landtag die im Jahr 2021 Opfer von sexuellem Missbrauch wurden – 13.539 Kinder! Und das sind nur die erfassten Fälle, die, die wir kennen. Wie hoch die Dunkelziffer ist, will ich mir eigentlich gar nicht ausmalen. In Nordrhein-Westfalen haben wir uns intensiv mit der Aufarbeitung der eingangs genannten Fälle auseinandergesetzt. Wir haben Deutschlands modernstes Kinderschutzgesetz auf den Weg gebracht. Daran haben alle demokratischen Fraktionen Hand in Hand gearbeitet. Das war gut, das waren wir den Opfern schuldig, das haben die Kinder und die Familien erwartet. Ich möchte mit Ihnen aber noch weitergehen; denn Prävention ist richtig und wichtig, aber wir müssen uns auch den Zugang zu Hilfsangeboten anschauen. Kinder und Jugendliche, die Opfer von Gewalttaten und insbesondere sexueller Gewalt geworden sind, müssen schnellstmöglich therapeutische Angebote erhalten. Die traumatischen Erlebnisse einer Missbrauchserfahrung können erhebliche Langzeitfolgen für die psychische Entwicklung nach sich ziehen. Wenn wir uns nun auf der anderen Seite die Versorgung mit den entsprechenden Hilfsangeboten anschauen, dann sehen wir, dass dort ein riesiges Loch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft. So erhalten nach Angaben der Gesellschaft für Psychotraumatherapie nur 30 % der Kinder und Jugendlichen mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung eine angemessene Therapie. Laut einer Studie der Bundespsychotherapeutenkammer müssen Kinder und Jugendliche im Schnitt 5 Wochen auf ein Erstgespräch und fast 18 Wochen auf einen Therapieplatz warten. Das sind viereinhalb Monate. Überlegen Sie mal bitte, wie lange 18 Wochen, viereinhalb Monate, für ein Kind sind. Wer Kinder zu Hause hat, erlebt gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit: Wenige Wochen sind für Kinder schon eine gefühlte Ewigkeit. Je mehr Zeit zwischen dem Missbrauch und dem Beginn der Therapie vergeht, desto wahrscheinlicher wird es, dass sich Symptome manifestieren. Traumatisierte Kinder und Jugendliche brauchen unverzüglich ein Erstgespräch und zeitnah einen Therapieplatz. (Beifall von der FDP und Dr. Dennis Maelzer [SPD]) Es ist deshalb dringend geboten, den Zugang zu Therapieplätzen deutlich zu verbessern. Das gilt zwar flächendeckend, aber noch mal besonders für den ländlichen Raum; denn hier sind die Wartezeiten meist deutlich höher. Dafür müssen wir die Bedarfsplanung grundlegend anpacken. Es braucht eine Reform, die dafür sorgt, dass ausreichend Versorgungsangebote entstehen. Als Kernelement der Reform soll eine getrennte Bedarfsplanung für Kinder- und Jugendlichenpsycho-20.12.2022 therapie eingeführt wird. Dies würde infolge einer Neuaufstellung der Verhältniszahlen sowohl für Kinder und Jugendliche als auch für Erwachsene die Versorgung bei psychischen Erkrankungen durch steigende Zahlen zugelassener Psychotherapeuten verbessern. Gesundheitsamt, Jugendamt, ambulante Einrichtungen und Therapeuten müssen besser vernetzt werden. Die Zusammenarbeit dieser Akteure ermöglicht eine schnellere psychotherapeutische Betreuung von Kindern. Daneben gibt es die Kinderschutzambulanzen in Nordrhein-Westfalen. Diese stellen eine zusätzliche erste Anlaufstelle für Kinder und Eltern dar. In Nordrhein-Westfalen werden bisher 22 Kinderschutzambulanzen durch die anteilige Übernahme von Personalkosten gefördert. Wir wollen einen flächendeckenden Ausbau der Kinderschutzambulanzen, damit Kinder die bestmögliche Unterstützung und Behandlung erfahren. (Beifall von der FDP und Dr. Dennis Maelzer [SPD]) Im Zusammenhang mit dem Kinderschutzgesetz haben wir uns bereits intensiv damit auseinandergesetzt, wie wir Kinder besser schützen können, wie wir die Jugendämter aufstellen müssen, damit sie ihrer Schutzfunktion besser nachkommen können. Das haben wir als demokratische Parteien gemeinsam angepackt. Rausgekommen ist das modernste Kinderschutzgesetz in Deutschland. Ich lade Sie daher ein: Lassen Sie uns gemeinsam die Versorgung mit Therapieplätzen verbessern. Wir legen heute einen Reformvorschlag auf den Tisch, der auf den vielen Gesprächen mit den betroffenen Akteuren basiert. Ich freue mich, wie schon beim Kinderschutzgesetz, auf gute Beratungen in den Ausschusssitzungen und auf hoffentlich eine erfolgreiche Regelung im Anschluss. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der FDP – Vereinzelt Beifall von der SPD)

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